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14. Dezember 2010, 06:54 Uhr

US-Spitzendiplomat Richard Holbrooke ist tot

Für Präsident Barack Obama war er ein "wahrer Gigant" der US-Außenpolitik, für Außenministerin Hillary Clinton ein Freund und Vertrauter, der Diktatoren niederzwingen konnte: Am Montagabend musste sich der US-Sondergesandte Richard Holbrooke einer Not-OP unterziehen - die er nicht überlebte.

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Sondergesandter, Botschafter, Chefarchitekt des Dayton-Abkommens: Mit Richard Holbrooke hat die US-Politik einen ihrer wichtigsten Diplomaten verloren© Win McNamee/Getty Images

Der amerikanische Spitzendiplomat Richard Holbrooke ist tot. Der US-Sondergesandte für Pakistan und Afghanistan starb nach einer schwierigen Operation an der Hauptschlagader am Montagabend in Washington, wie US-Außenministerin Hillary Clinton mitteilte. "Amerika hat heute Abend einen seiner entschiedensten Verteidiger und einen seiner treusten Diener verloren", sagte Clinton in einer ersten, emotionalen Erklärung.

Präsident Barack Obama nannte Holbrooke einen "wahren Giganten" der US-Außenpolitik, dank dessen Wirken Millionen Menschenleben in der Welt gerettet und verbessert wurden. "Den Fortschritt, den wir in Afghanistan und Pakistan gemacht haben, ist nicht in geringem Maße seinem rastlosen Einsatz für Amerikas nationale Interessen sowie dem Einsatz für Frieden und Sicherheit zu verdanken." Obama hatte noch kurz vor Holbrookes Tod gesagt, dieser sei "zäh wie Leder" und werde hart um sein Leben kämpfen.

Clinton würdigte den 69-Jährigen, den sie als "Freund, Kollegen und Vertrauten" bezeichnete, als jemand, der "Diktatoren niederzwingen und selbst unter den schwierigsten Umständen für Amerikas Interessen und Werte eintreten konnte". Er habe die USA in entlegenen Kriegsgebieten und hochrangigen Verhandlungen mit "charakteristischer Brillanz und unerreichter Entschiedenheit" vertreten. Vizepräsident Joe Biden betonte, Holbrooke habe rein durch seinen Willen, "die Kurve der Geschichte in Richtung des Fortschritts" gebogen. Senator John Kerry sagte, Holbrooke sei ein Mann "in ständiger Bewegung" gewesen, sein Tod sei "unbegreiflich".

Lebensbedrohlicher Riss an der Aorta

Holbrooke, der den USA seit fast fünf Jahrzehnten in führender Funktion diente, war am Freitagmorgen ins Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem er sich während der Arbeit unwohl fühlte. Die Ärzte stellten bei Untersuchungen einen lebensbedrohlichen Riss an der Aorta fest. Nach einer langwierigen Operation war der Zustand des Diplomaten am Montag stabil aber sehr kritisch, wie es aus dem Außenministerium hieß. Der am 21. April 1941 in New York geborene Holbrooke, dessen Mutter aus Stuttgart stammt, hatte Anfang der 90er-Jahre kurze Zeit als Botschafter in Bonn gedient., In den 90er-Jahren erwarb er sich als US-Sondergesandter für den Balkan internationale Anerkennung. Er gilt als Chefarchitekt des Dayton-Abkommens von November 1995, mit dem der Bosnienkrieg beendet wurde. Der als harter und bisweilen ungeduldiger Verhandler bekannte Karrierediplomat galt vor den Präsidentschaftswahlen 2008 als möglicher Kandidat für das Amt des Außenministers. Nach seiner Wahl gab Obama dieses Amt jedoch Clinton.

Den als ehrgeizig und manchem auch als arrogant geltenden Holbrooke machte Obama stattdessen zu seinem Sondergesandten für die Krisenregion in Afghanistan und Pakistan. Damit fiel ihm die schwierige Aufgabe zu, Kabul und Islamabad zu einer Zusammenarbeit im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban zu bewegen. Das Amt zwang Holbrooke zu zahlreichen Reisen. Bereits im April hatte sein Gesundheitszustand Besorgnis ausgelöst.

Holbrookes Afghanistan-Bericht erwartet

Am Donnerstag soll in Washington ein mit Spannung erwarteter Bericht über den Krieg in Afghanistan und Pakistan vorgestellt werden, an dem Holbrooke maßgeblich beteiligt war. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, teilte am Montag zunächst nur mit, der Bericht werde "Fortschritte" ebenso wie "Schwierigkeiten" im Kampf gegen die Aufständischen vermelden. Das Papier zieht Bilanz ein Jahr nach Obamas Ankündigung, die Truppen in Afghanistan deutlich aufzustocken.

mad/AFP/DPA
 
 
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