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7. Juli 2009, 12:39 Uhr

Papst fordert "echte politische Weltautorität"

Unmittelbar vor Beginn des G8-Gipfels in L'Aquila hat Papst Benedikt XVI. seine Sozialenzyklika herausgegeben. Darin fordert er eine über die UN hinausgehende "echte politische Weltautorität", um der Weltwirtschaftskrise Herr zu werden. Besonders prangert der Papst das Gewinnstreben um jeden Preis an.

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Ruft in seiner Sozialenzyklika "Caritas in veritate" nach einer neuen Ethik des Wirtschaftens: Papst Benedikt XVI.© Giuseppe Giglia/DPA

Papst Benedikt XVI. hat eine "echte politische Weltautorität" zur Bewältigung von Krisen gefordert. Zugleich pocht das Oberhaupt der Katholiken auf ein Wirtschaften, das sich an ethischen Zielen und am Gemeinwohl aller Menschen ausrichtet. In seiner am Dienstag in Rom veröffentlichten ersten Sozialenzyklika "Caritas in veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) plädiert er für eine "ganzheitliche Entwicklung aller Völker". Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise wie auch die Globalisierung sollten dabei als Chance genutzt werden, eine Welt in Gerechtigkeit und Solidarität zu schaffen.

Die Enzyklika kam einen Tag vor dem Beginn des G8-Gipfels der sieben führenden Industriestaaten und Russlands heraus, der sich im italienischen L'Aquila mit der Wirtschaftskrise, mit dem verschärften Hunger in der Welt und den Klimazielen im Kampf gegen die Erderwärmung befasst. Benedikt hatte seine insgesamt dritte Enzyklika mehrfach verschoben, um sie, mithilfe von Experten, in der Weltwirtschaftskrise zu aktualisieren und dann mit führenden Staatenlenkern diskutieren zu können.

Die bereits von seinem Vorgänger Johannes Paul II. angeregte, über die Vereinten Nationen hinausgehende Weltautorität ist nach Benedikts Worten nötig, "um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, einer Verschlimmerung der Krisen und sich daraus ergebende Ungleichgewichte vorzubeugen". Außerdem gehe es darum, "eine geeignete vollständige Abrüstung zu verwirklichen, die Sicherheit und den Frieden zu nähren, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren".

Für die internationalen Finanzmärkte ruft Benedikt nach einer neuen Ethik: "Die ganze Wirtschaft und das ganze Finanzwesen - nicht nur einige ihrer Bereiche - müssen nach ethischen Maßstäben als Werkzeuge gebraucht werden, sodass sie angemessene Bedingungen für die Fortentwicklung des Menschen und der Völker schaffen." Finanzmakler sollten die eigentlich ethische Grundlage ihrer Tätigkeit wiederentdecken, "um nicht jene hoch entwickelten Instrumente zu missbrauchen, die dazu dienen können, die Sparer zu betrügen". Auch habe sich in den vergangenen Jahren eine kosmopolitische Klasse von Managern gezeigt, "die sich oft nur nach den Anweisungen der Hauptaktionäre richten."

"Caritas in veritate" versteht sich als Fortschreibung der von Benedikt eingehend gewürdigten Sozialenzyklika "Populorum progressio" von Papst Paul VI. (1967). Die Liebe in der Wahrheit sei wesentlicher Antrieb für die wirkliche Entwicklung der Menschen, eröffnet Benedikt das Rundschreiben an die Kirche und "an alle Menschen gutes Willens". Ohne Gewissen und Verantwortung werde soziales Handeln "ein Spiel privater Interessen und Logiken der Macht, mit zersetzenden Folgen für die Gesellschaft". Das gelte umso mehr in einer Gesellschaft in schwieriger Situation und auf dem Weg zur Globalisierung.

DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Aquarius2 (07.07.2009, 22:16 Uhr)
Blick in die heilige Schrift
"Es war den Israeliten verboten, Zins von ihren Brüdern zu fordern. Sie sollten immer berücksichtigen, dass die Person, die nun über das Geliehene verfügte, arm war; andernfalls hätte sie nicht etwas auszuleihen brauchen. Fremden gegenüber durften sie jedoch auf Zins leihen (2. Mo 22,25; 3. Mo 25,35-38; 5. Mo 23,19.20).
Nach der Rückkehr der Juden aus der Gefangenschaft tadelte Nehemia die Edlen und die Vorsteher scharf, weil sie Zins von ihren ärmeren Brüdern genommen hatten (Neh 5,3-13).
Die Schrift schreibt den Reichen grundsätzlich vor, den Armen zu helfen. Die einzige Erwähnung von Zinsen im N.T. findet man in den Gleichnissen von den Talenten und den Pfunden, wo der Herr den Diener dafür tadelt, dass dieser das ihm anvertraue Gut nicht nutzbringend angelegt hatte, sodass er sein Geld mit Zinsen hätte zurückerhalten können (Mt 25,27; Lk 19,23)."
Eisenbaer (07.07.2009, 18:29 Uhr)
er kennt es halt nicht anders....
...schließlich ist er der Vorstandsvorsitzende einer Institution, die nach dem Prinzip "Befehl und Gehorsam" aufgebaut ist. Und wer von Kindesbeinen an lernt, dass man nach oben buckelt und nach unten tritt, der sehnt sich auch nach harter Hand und straffer Ordnung in allen anderen Bereichen des Lebens.

Man muss halt Nachsicht üben mit ihm. Er weiß es halt nicht besser. Und in seinem Alter wird er es auch nicht mehr lernen.
diahel (07.07.2009, 15:48 Uhr)
@sveto
@sveto: Ihr Kommentar gefällt mir sehr gut, denn genau das ist der Plan. Letztendlich ist es doch schon immer so gewesen, dass Gesetze nicht für den sind, der sie macht, sondern für die, für die sie gemacht werden. Der Vatikan hat schon immer so gehandelt, das ist Tradition. Ganze Völker wurden ja im Namen des Vatikans "konvertiert" oder umgebracht... Außerdem sind die 10 gebote und der Vatikan diametral entgegengesetzt. Der Vatikan ist ein Staat mit eigener Währung, strikt autoritärem System, sehr großem Besitzstand (Firmen, Banken, etc., eigener Geheimdienst, international operierend, Absolutätsanspruch, etc, etc.. Eigentlich das perfekte Profil einer terroristischen Organisation... aber nein!!! Der Papst glaubt doch an Jesus ;-))))
mister-mister (07.07.2009, 15:38 Uhr)
Wenn noch irgendjemand den Beweis gebraucht haben sollte,
.......dass die Kirche, ihre anhängenden Organistaionen und allebn vorneweg der Papst vollig weltfremd, überholt und - was den wirtschaftlichen Part betrifft - schlicht ignorant sind - PapaRatzi hat ihn soeben erbracht.
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Weg damit. Sollte diese Glaubens-Mafia der Krise zum Opferfallen, würde ich ihr keine Träne nachweinen.
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Wird sie aber nicht. Leider. Denn die Oberschafhirten haben ihre Schäfchen im Trockenen.
Sveto (07.07.2009, 15:30 Uhr)
Die Vorstellung, die
"Weltwirtschaft zu steuern" ist schlicht pervers und zeugt von fundamentaler Unkenntnis ökonomischer Zusammenhänge (zur "Kritik des Interventionismus" siehe nur Mises' Werk von 1929). Wegen der mit jedem Interventionismus zwangsläufig verbundenen konsequenzen (abschaffungsgleiche Beeinträchtigung des Privateigentums ) widerspricht sie im Übrigen auch dem 7 und 10 Gebot des Dekalogs (nach kath. Zählung).
vita (07.07.2009, 15:03 Uhr)
Jemand wie dieser Papst,...
dessen "Firma" so viel Leid über die Menschen brachte und bringt und gerade wirtschaflich im Umgang mit Mitarbeitern und etischer Finanzwirtschaft nicht zum Vorbild gereicht, sollte zunächst am eigenen Umfeld arbeiten, bevor er solche Forderungen aufstellt.
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Das wirkt ansonsten nur verlogen und schamlos, wie es beispielsweise bei mir ankommt.
giangastone (07.07.2009, 14:56 Uhr)
Viva Benedetto!
...Hauptsache Papst-Bashing, egal was er sagt, oder? Ich finde, dass er Recht hat. Gibts dazu Alternativen...?
poseidon2605 (07.07.2009, 14:34 Uhr)
Na dann mal mit guten Beispiel voran!
Vatikanstaat, Ligabank, Imobiliengeschäfte......und eine unmenge an Unternehmen, fürterliche Bedingungen für Mitarbeiter (incl. eines miesen Umgangs mit diesen) lassen die frommen Wünsche des Pabstes nicht wirlich echt erscheinen, aber vielleicht weiß dieser gar nicht was in seinem Verein so alles geboten wird.
SirExekutive (07.07.2009, 14:02 Uhr)
der papst
und die katolische kirche palavern immer nur um den heißen brei herum.
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als jesus im tempel war, hat er die händler und bankster hochkantig rausgeworfen/rausgetreten.
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und was macht der papst?
der geht in den tempel, welcher zu einer einzigen geldhölle verkommen ist und redet bloß in die luft hinein, wohlwissend, das die hölle einen scheiß darauf gibt.
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solange die katholische kirche nicht begind farbe zu bekennen und namen zu nennen, ist es nicht anders als ein heuchlerischer, der hölle dienender verein.
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jesus würde sich am kreuze drehen, würde er da noch hängen
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