Wirbel um venezolanisches Asyl für Snowden

9. Juli 2013, 22:13 Uhr

Venezuela will ihm Asyl gewähren - und Edward Snowden will offenbar nach Venezuela. Das verkündete ein russischer Duma-Abgeordneter per Twitter. Löschte den Tweet aber wenige Minuten später.

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Von Moskau über Kuba nach Venezuela? Gut möglich, dass Edward Snowden diese Route wählt, wenn er denn das Asylangebot annimmt.©

In mehr als 20 Ländern hatte Edward Snowden einen Asylantrag gestellt. Abgelehnt haben viele. Zuletzt hatte vor allem der venezolanische Staatschef Nicolás Manduro betont, dass der Ex-NSA-Mitarbeiter in seinem Land willkommen ist. Dieses Angebot soll Snowden nun angenommen haben.

Der russische Abgeordnete Alexej Puschkow verkündete die Nachricht am Dienstag über Twitter, löschte den Tweet aber später wieder. Kurz darauf schickte Puschkow eine Nachricht hinterher, in der er betonte, dass die Information über Snowden aus der Nachrichtensendung des Senders "Vesti 24" stamme - und die sei bereits 18 Stunden alt. Puschkow ist als Vorsitzender des Duma-Ausschusses für internationale Beziehungen in die Verwicklungen um Snowden eigentlich gut informiert. Ein Vertreter des russischen Außenministeriums lehnte einen Kommentar vorerst ab.

Wikileaks dementiert

Puschkow sagte, er habe die Nachricht im Fernsehsender Rossija-24 gesehen und daraufhin den Tweet geschrieben. Ein Sprecher des Staatssenders sagte dagegen, die Redaktion habe den Puschkow-Tweet gelesen und daraufhin die Nachricht verbreitet.

Nach Angaben der Enthüllungsplattform Wikileaks, mit der Sowden zusammenarbeitet, hat der 30-jährige IT-Experte das Angebot noch nicht offiziell angenommen. Wikileaks berief sich in einer Mitteilung von Dienstagabend darauf, dass der Tweet Puschkows wenig später wieder gelöscht worden sei. Die betreffenden Länder würden bei passender Gelegenheit eine Ankündigung machen, danach werde Wikileaks das bestätigen, hieß es.

Sollte Snowden tatsächlich Asyl in Venezuela erhalten, steht er vor einem weiteren Problem: Von Moskau existiert keine direkte Flugverbindung nach Caracas. Immer wieder war deshalb spekuliert geworden, Snowden könne von Russland mit Zwischenstopp auf Kuba nach Venezuela fliegen. Einmal soll sogar bereits ein Ticket nach Havanna auf seinen Namen gebucht worden sein, Fensterplatz 17A blieb aber leer - zum Bedauern von zwei Dutzend mitreisenden Journalisten.

Für Snowden sei ein Flug nach Kuba jedoch "extrem riskant", warnt das russische Magazin "The New Times". Es bestehe die Gefahr, dass die USA die Maschine zum Landen zwängen. Dagegen versicherte US-Präsident Barack Obama vor zwei Wochen, dass er keine Abfangjäger aufsteigen lassen werde, um einen Hacker zu kriegen.

Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Flughafens Scheremetjewo bestätigte gegenüber der DPA das Risiko: Vor Kuba gerate eine Maschine in den alleinigen Verantwortungsbereich der Flugüberwachung von New York, sagte er. "Sollte der Dispatcher die Piloten zur Landung in den USA auffordern, könnten sie sich schwer widersetzen - und Snowden wäre in Händen der US-Justiz."

Seit zwei Wochen gefangen im Transitbereich

Edward Snowden soll sich seit mehr zwei Wochen im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhalten. Der 30-Jährige besitzt kein russisches Visum, zudem haben die USA seinen Reisepass annulliert. Snowden hatte unter anderem enthüllt, dass der US-Nachrichtendienst NSA mit seinem Spähprogramm "Prism" weltweit in ungeahntem Ausmaß die Kommunikation per E-Mail und Telefon ausspähe. Die USA werfen dem IT-Spezialisten Landesverrat vor und fordern seine Auslieferung.

Regierungssprecher Jay Carney sagte, die USA wollten Snowden weiterhin fassen. Washington sei mit allen Ländern in Kontakt, in die er flüchten oder die er auf einer Flucht überfliegen könnte. Carney forderte Moskau erneut auf, den IT-Spezialisten auszuliefern. Russland lehnt dies mit Verweis auf die in den USA mögliche Todesstrafe ab.

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