Die Rivalitäten zwischen singhalesischer Mehrheit und tamilischer Minderheit reichen 2000 Jahre zurück. Seitdem der ethnische Konflikt in Sri Lanka 1983 zum Bürgerkrieg eskalierte, dreht sich die Gewaltspirale unaufhörlich.

Weibliche Mitglieder der "Tamil Tigers": Spirale von Gewalt und Gegengewalt© AP
Der seit 20 Jahren andauernde Tamilen-Konflikt in Sri Lanka droht das Land in den Ruin zu treiben. Am 23. Juli 1983 hatten Kämpfer der separatistischen Befreiungsbewegung "Tamil Eelam" (LTTE) 13 Soldaten ermordet. Das löste Pogrome aus, bei denen mehr als tausend Angehörige der tamilischen Minderheit getötet wurden. Seitdem eskaliert die Gewalt. Mehrere Bemühungen um Frieden scheiterten. Bis heute kamen etwa 68 000 Menschen ums Leben.
Die Rivalitäten zwischen singhalesischer Mehrheit und den Tamilen sind 2000 Jahre alt. Tamilen aus Südindien überquerten häufig die Meerenge nach Sri Lanka, und die Macht singhalesischer Könige reichte bis nach Indien. Die etwa 19 Millionen Menschen umfassende Bevölkerung Sri Lankas besteht zu 74 Prozent aus - meist buddhistischen - Singhalesen. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe stellen die Tamilen dar. 12 Prozent der Bevölkerung sind einheimische Tamilen, so genannte Ceylon- oder Jaffna-Tamilen, sechs Prozent sind während der Kolonialzeit aus Indien eingewanderte Tamilen, so genannte Indien- oder Candy-Tamilen. Die Mehrheit der Tamilen sind Hindus. Daneben gibt es auf Sri Lanka die muslimische Minderheit der Moors, die sieben Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.
Während der britischen Kolonialzeit (1796-1948) wanderten 1 Million Tamilen aus Indien nach Sri Lanka ein, die unter sklavenartigen Bedingungen auf den Teeplantagen des zentralen Hochlandes arbeiteten. 1948/49 wurden ihnen die Bürger- und Wahlrechte entzogen. In einem 30-jährigen Prozess ist die Hälfte dieser Bevölkerungsgruppe eingebürgert worden, die andere Hälfte nach Indien ausgewandert. Zudem wurden die seit über 1.000 Jahren auf der Insel beheimateten Tamilen zunehmend ausgegrenzt. Ihre privilegierte Stellung, die sie aufgrund des guten Bildungsstandes unter britischer Kolonialherrschaft genossen, wurde durch die singhalesische Mehrheit ab 1956 schrittweise umgekehrt.
Nach der Unabhängigkeit heizte Regierungschef Solomon Bandaranaike den Konflikt an. Er leitete 1956 die Benachteiligung der Tamilen im Bildungssystem ein, Singhalesisch wurde zur Amtssprache. Eine neue Verfassung schrieb 1972 die Bevorzugung von Singhalesen fest. Die Singhalisierung des Staates in den 1970er Jahren führte im Wesentlichen zur Mobilisierung der tamilischen Schul- und Hochschulabsolventen als Träger des sich formierenden militanten Widerstandes und zur Forderung nach einem unabhängigen tamilischen Staat.
Es kam zu ersten Gewalttaten, bis der Streit 1983 in den Bürgerkrieg mündete. Gründer und charismatische Führungsgestalt der LTTE ist Velupillai Prabhakaran. Schätzungen beziffern die Stärke der LTTE auf einige Tausend Kombattanten, die sich in den nördlichen Dschungeln Sri Lankas aufhalten. Ihre Effektivität stützt sich im Wesentlichen auf eine moderne militärische Ausrüstung, eine seit Jahren erfolgreiche Guerillataktik und ein skrupelloses Vorgehen. Die LTTE verfügen über Land-, See-, und Luftstreitkräfte. Die Black Tigers sind Selbstmordkommandos, auf deren Konto höchstwahrscheinlich die Morde an Indiens Premierminister Rajiv Gandhi im Jahr 1991 und Sri Lankas Präsident Ranasinghe Premadasa im Jahr 1993 gehen.
Auch nach dem im Juli 1987 geschlossenen indisch-srilankischen Waffenstillstandsabkommen, in dem Sri Lanka den Tamilen Zugeständnisse machte und mehr Autonomie gewährte, kam es immer wieder zu Kämpfen, Bombenattentaten und Massakern insbesondere auch von Seiten singhalesischer Extremisten, die das Abkommen nicht akzeptierten.