9. Oktober 2012, 19:11 Uhr

Was Merkels Jacket den Griechen sagen will

Tatsächlich: Bei ihrer Visite in Athen hat Angela Merkel den gleichen Blazer getragen wie beim EM-Spiel Deutschland gegen Griechenland. Was wollte die Kanzlerin den geschundenen Hellenen damit sagen? Eine Überinterpretation von Niels Kruse

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Sie in mint, er in anthrazit und es ist vollkommen klar, wer hier das Sagen hat: Merkel, nicht Samaras©

Was verbindet die Farben mint und hellblau? Im Grunde nicht viel. Sie sind weder komplementär noch stehen sie in einer anderen, engeren Verbindung. Während das ins grün wabernde Mint eher Hoffnung und Unsterblichkeit symbolisiert, steht Blau für Freundschaft und Ruhe. Im RGB-Farbkreis immerhin folgt auf Hellblau das pastellige Mint und auch auf der Pantone-Farbskala trennen die beiden Töne nur ein paar Schattierungen.

Anders gesagt: Wenn Angela Merkel in einem mintfarbenen Blazer nach Griechenland fährt, dessen Nationalfarbe bekanntlich hellblau ist, dann könnte ihre Aussage zwischen den Stofffasern vielleicht lauten: Seht her, wir stehen gleichberechtig nebeneinander, uns trennen nur ein paar Nuancen. Oder aber: Hier kommt Mutti mit Hoffnung am Leib und sorgt für Ruhe in Krisencountry.

Das perfide Match von Danzig

Doof nur, dass die Kanzlerin den gleichen Blazer, zumindest aber das so ziemlich selbe Modell schon einmal in einem deutsch-hellenischen Zusammenhang trug. Einen, den die Griechen in keiner guten Erinnerung haben: Schnell nach ihrer Ankunft auf dem Athener Flughafen fiel den örtlichen Fernsehkommentatoren nämlich auf: Mensch, den Fummel haben wir schon mal an ihr gesehen. Bei der Fußball-EM im Sommer. Am 22. Juni in Danzig als Deutschland gegen Griechenland spielte. Damals, einige mögen sich erinnern, siegte die DFB-Elf letztlich klar mit 4:2.

Das Perfide an dem Match war: Kurz nach der Halbzeit keimte beim Underdog aus Südeuropa etwas Hoffnung auf, als der Spieler Georgios Samaras(!) den 1:1-Ausgleich erzielte. Auch sonst sah es phasenweise so aus, als hätten die Griechen eine Chance, dem ungeliebten Gegner aus Deutschland eins auszuwischen. Letztlich taumelte der Gigant nur, er fiel aber nicht. Innerhalb von nicht einmal zehn Minuten zeigten Khedira und Klose, wer in Europa das Sagen hat.

Samaras sollte das Jacket tatsächlich persönlich nehmen

Wenn jetzt also Merkel zum Staatsbesuch mit Antonis Samaras eben jeden Blazer trägt - was will sie dem Regierungschef damit sagen? Vielleicht: "Sieh her, Kollege, ich komme in freundschaftlicher Absicht, gebe Dir etwas Hoffnung wie damals im Sommer. Aber damit eines klar ist: Am Ende setzen wir uns eh durch"? Vielleicht. So gesehen wäre ihr mintfarbener Blazer eine Art diplomatisches Ätschi-Bätsch. Nur für eine Regierungschefin vom Schlage Angela Merkels vielleicht etwas albern.

Wenn man aber auf Merkels Blazer-Historie zurückblickt, drängt sich folgender Eindruck auf: Je ernster sie ihre Spitzentreffen-Kollegen nimmt, desto mehr "Shade of grey" zaubert sie aus ihrem Schrank hervor. Dagegen: Je flockiger die Dienstreise zu werden verspricht, desto pastelliger fällt die Farbwahl aus. Bei ihren Dates mit Samaras neigte die Kanzlerin bislang immer zu freundlichen Sand- und Minttönen, wie hier zu sehen ist. So gesehen sollte Antonis Samaras das aktuelle Dienstjacket vielleicht tatsächlich persönlich nehmen.

 
 
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