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9. März 2009, 18:25 Uhr

Obama leitet Wende in Forschungspolitik ein

US-Präsident Barack Obama hat die Beschränkungen bei der Finanzierung embryonaler Stammzellenforschung in den USA aufgehoben. Er setzte am Montag mit einer präsidialen Verordnung die Politik seines Vorgängers George W. Bush außer Kraft.

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Legte einen neuen Kurs bei der Stammzellenforschung fest:US-Präsident Barack Obama© Chip Somodevilla/Getty Images

US-Präsident Barack Obama hat eine Wende in der Forschungspolitik eingeleitet und sich hinter die embryonale Stammzellenforschung gestellt. Er setzte die von seinem Vorgänger George W. Bush 2001 verfügte Beschränkung bei der staatlichen Finanzierung der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen außer Kraft. Obama sprach von einem Kurswechsel, auf den viele Wissenschaftler, Mediziner und Patienten gehofft hätten.

"Wir werden Wissenschaftler, die diese Forschung (mit embryonalen Stammzellen) betreiben, nach Kräften unterstützen", sagte Obama am Montag bei der Unterzeichnung einer entsprechenden präsidialen Verfügung. Es sei das Ziel Amerikas auf diesem vielversprechenden Forschungsfeld weltweit zu führen.

Bush hatte seinerzeit aus ethischen Erwägungen sowie aus Rücksicht auf die religiöse Rechte eine staatliche Unterstützung für solche Forschungsprojekte untersagt, die neue embryonale Stammzellen vom Menschen verwenden. Bush begründet dies damit, die Embryos würden danach zerstört und dadurch menschliches Leben vernichtet. Bush hatte lediglich die Finanzierung für Projekte erlaubt, bei denen bereits bestehende embryonale Stammzellen verwendet werden.

Obama bezeichnete dies als eine "falsche Wahl zwischen vernünftiger Wissenschaft und moralischen Werten". "In diesem Fall bin ich der Meinung, dass diese beiden Aspekte nicht unvereinbar sind." Obama betonte, als gläubiger Christ sei er aufgerufen, leidenden Menschen zu helfen und verwies darauf, die embryonale Stammzellenforschung könnte zu einem Durchbruch etwa bei Krankheiten wie Parkinson und Diabetes führen.

Obama betonte, es müsse sichergestellt werden, "dass wissenschaftliche Daten niemals durch politische Einflüsse verdreht oder verschwiegen werden". Zugleich zeigte Obama aber auch Verständnis für die Kritiker dieser Forschung. Die Entscheidung sei schwierig. Die Bedenken der Kritiker müssten ernst genommen werden. "Wir werden strikte Leitlinien erarbeiten, die wir entschieden durchsetzen werden, weil wir keinen Missbrauch tolerieren wollen."

"Tödliche Verordnung des Präsidenten"

Während Wissenschaftler die Entscheidung Obamas überwiegend begrüßten, hat die religiöse Rechte in den USA bereits scharfe Kritik angemeldet. Der Präsident des strikt konservativen Family Research Council, Tony Perkins, sprach von einer "tödliche Verordnung des Präsidenten". Es handele sich um einen "Schlag ins Gesicht aller Amerikaner, die an die Würde jedes menschlichen Lebens glauben."

Zugleich unterzeichnet Obama ein Memorandum zur "Integrität der Wissenschaft". Die Verantwortlichen für Wissenschaft und Forschung im Weißen Haus sollten eine Strategie erarbeiten, wonach Forschungspolitik sich nicht an Ideologie und Glauben, sondern an den Erfordernissen der Wissenschaft orientiert, meinte Obama mit Blick auf die Bush-Politik.

Nancy Reagan, Witwe des Ex-Präsidenten Ronald Reagan, begrüßte die von Obama eingeleitete Wende in der embryonalen Stammzellenforschung. "Ich rufe Forscher auf, alle Möglichkeiten zu nutzen und alles zu unternehmen, um das Versprechen einzulösen, das die Stammzellenforschung bereithält", teilte die frühere First Lady mit. Ihr Mann Ronald Reagan war 2004 an den Folgen von Alzheimer gestorben.

DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
gmathol (10.03.2009, 05:03 Uhr)
Verlogenes Tam-Tam ueber Werdendes Leben.
Richtig in einer perfekten Welt sollte alles Leben geschuetzt werden.
Das irakische und afghanische Leben hat allerdings offensichtlich nicht so einen hohen Stellenwert. Das Kinder auch in der BRD, USA oder sonstwo im Reichen Westen hungrig zu Bett gehen interessiert diese "edlen" Schuetzer auch nicht.
Hoert endlich mit der Militaerverschwendung auf.
Corazito3333 (09.03.2009, 20:45 Uhr)
Die Menschen leben in Zeltstädten
sie haben keine Bleibe mehr und hoffen... Und dann Geld in diese fragwürdige Forschung zu stecken, nein.
Also hoffen und setzen wir weiter in den absoluten Kapitalismus und "Forschung", wen interessieren die vielen neuen Obdachlosen. Der Typ hat sich gut verkauft, gutes Image, mehr nicht!
onkel.erwin (09.03.2009, 19:54 Uhr)
Wissenschaft und Forschung ohne ethische Grenzen
artet leicht in verbrecherische Randbereiche aus. Die menschenverachtenden Versuche der SS-Ärzte sind ein Beispiel. Ein Problem der embryonalen Stammzellenforschung besteht sicher darin, dass nach christlicher Vorstellung das menschliche Leben zum Zeitpunkt der Befruchtung der Eizelle beginnt. Der Embryo hat alle Rechte eines menschlichen Wesens. Nach jüdischer Vorstellung beginnt das menschliche Leben erst mit dem Zeitpunkt der Geburt; ein Embryo gilt als ein seelenloser Zellhaufen. Das erklärt sicherlich, warum Israel und jüdische Forscher im Bereich der Stammzellenforschung weltweit führend sind. Das Problem: soll Europa und USA mitziehen oder nicht? Obama hat jetzt die Antwort gegeben.
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