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So erlebten wir Hillary Clinton

Wir sind zwei stern-Reporter und haben Hillary Clinton in den vergangenen Monaten intensiv beobachtet. Wir erlebten sie fröhlich und emotional. Aber auch hart und abgebrüht.

Von Norbert Höfler und Martin Knobbe, New York

  Hillary Clinton ist derzeit auf Leserreise. Ihr Buch "Hard Choices: A Memoir" gilt als inoffizielle Bewerbung als nächste US-Präsidentin.

Hillary Clinton ist derzeit auf Leserreise. Ihr Buch "Hard Choices: A Memoir" gilt als inoffizielle Bewerbung als nächste US-Präsidentin.

In Louisville, Kentucky, wurde "Hillary" von ihren Glaubensschwestern bejubelt. Vor 7000 Methodistinnen (Grundsatz: "Nicht nur beten, sondern anpacken!") erzählte sie von ihrer Kindheit, von ihrer Familie. Wie stolz sie sei, bald Großmutter zu werden. Wie sehr sie der Tod ihrer Mutter (sie wurde 92) bewegte. "Ich saß an ihrem Bett und hielt ein letztes Mal ihre Hand. Niemand hatte einen größeren Einfluss auf mein Leben oder mehr Anteil daran gehabt, dass aus mir der Mensch wurde, der ich bin." Das war ihre weiche, menschliche Seite.

In Washington, wenige Wochen später, trat sie als harte und kalte Machtpolitikerin auf. Die 2000 Zuhörer beim Global Forum des Amerikanisch-Jüdischen Komitees wollten ihre Position zum Atomstreit mit dem Iran hören. Mit drei Sätzen machte sie klipp und klar, wo sie steht: "Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal. Obama sagt, es stehe 50:50. Ich bin da nicht so optimistisch."

Nun ist Hillary Clinton in den USA unterwegs, um für ihr Buch "Entscheidungen" zu trommeln. Wir vom stern konnten es ein paar Tage vor Erscheinen lesen. Der Verlag schickte uns zwei verschlüsselte, vor Raubkopien gesicherte Buchmanuskripte auf unsere MacBooks. Zur Vorbereitung des Interviews mit ihr.

Welche Hillary Clinton würden wir treffen? Die harte oder die weiche?

Im Luxushotel "The Peninsula" an der Fifth Avenue in New York hatte das Clinton-Team das 19. Stockwerk reserviert. Männer vom Secret Service passten auf. Wir wurden in eine Suite begleitet, warteten 15 Minuten, dann kam Hillary Clinton hereingerauscht. "Wie schön, Sie zu sehen!" Von uns wollte sie wissen, wo wir in New York wohnen. Sie kennt die Stadt bestens, von 2001 bis 2009 war sie Senatorin des Bundesstaates. Sie lebt nur eine knappe Autostunde von Manhattan entfernt in einem großen, alten Farmhaus. "Was für eine tolle Stadt, nicht wahr?" Sie lacht - und wartet dann auf unsere erste Frage.

Wir wollten mit ihr nicht über ihre wechselnden Frisuren, über Kleidervorschiften bei Staatsbesuchen oder Wasseraerobic im heimischen Pool sprechen, uns interessierte ihr Blick auf Deutschland, auf Angela Merkel, auf Edward Snowden. Was hätten wir von einer US-Präsidentin Hillary Clinton zu erwarten? 2016 wird in den USA gewählt.

Auszüge aus dem Interview

Clintons Antworten kamen präzise, kein Drumherumreden, keine Ausflüchte. Hier ein Auszug aus dem Gespräch, das der stern am Mittwoch veröffentlicht:

stern: Wie hätten Sie es denn gefunden, wenn der BND Ihr privates Mobiltelefon abgehört hätte?

Clinton: Ich wäre genauso wütend, wie die Deutschen es sind. Ich würde verlangen, dass mein Freund und Verbündeter mit dem Lauschen sofort aufhört. Ich würde fordern, dass er auch in Zukunft nicht die Mittel hat, mein Handy abzuhören.

Ihr Land hat sich entschuldigt, aber stimmt keinem No-Spy-Abkommen mit Deutschland zu. Wie wollen Sie die zerbrochene Partnerschaft denn reparieren?

Ich glaube nicht, dass ein Abkommen das richtige ist. Das wäre nicht flexibel genug.

Ist Edward Snowden ein Verräter, ein Spion?

Er hat das Gesetz gebrochen. Dafür muss er bei uns vor Gericht gestellt werden.

Kann er nach Amerika zurückkommen?

Ja, zum Prozess vor Gericht ... Es ist pure Ironie, dass sich Snowden nun in Russland versteckt: ein Ort, an dem die Überwachung allgegenwärtig und ohne Gnade ist. Jedes Mal, wenn ich dorthin gereist bin, ließ ich sämtliche elektronischen Geräte in unserem Flugzeug zurück und nahm die Batterien raus. Wir wussten: Die Russen sind da weit vorn und können fast alles durchdringen.

Sie wäre die erste Frau im US-Präsidentenamt

Hillary Clinton gilt derzeit als größte Hoffnung der Demokraten für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2016. Sie selbst will sich aber erst frühestens Ende des Jahres entscheiden, ob sie als Nachfolgerin für Barack Obama kandidieren wird.

Würde sie gewählt, wäre sie die erste Frau an der Spitze der größten Weltmacht. Mit Blick auf Angela Merkel, die sie bewundere, sagte Clinton: "Ich weiß: Da sind wir so weit hinter euch in Deutschland zurück. Natürlich will ich, dass auch die USA bald eine Frau an der Spitze haben. Und ich werde alles dafür tun, dass das auch passiert. Aber ich weiß noch nicht, ob ich es sein werde."

Eigentlich waren beim Interviewtermin mit Hillary Clinton keine Fotos erlaubt. Als wir sie am Ende des Gesprächs dennoch um einen Schnappschuss baten, rief sie entzückt: "Ein Foto? Aber gerne!" Sie sieht darauf perfekt aus.

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Martin Knobbe und