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"Deutschland muss eine Führungsrolle übernehmen"

Er ist enttäuscht über die deutsche Entwicklungshilfe und appelliert an die Reichen, ihr Vermögen zu spenden: Im stern verrät Microsoft-Gründer Bill Gates, wie er die Welt verbessern will.

  Er ist einer größten Wohltäter der Welt: Microsoft-Gründer Bill Gates, hier bei einer Impfaktion in Ghana, hat sich mit seiner Stiftung dem Kampf gegen Krankheiten wie Malaria und Polio verschrieben.

Er ist einer größten Wohltäter der Welt: Microsoft-Gründer Bill Gates, hier bei einer Impfaktion in Ghana, hat sich mit seiner Stiftung dem Kampf gegen Krankheiten wie Malaria und Polio verschrieben.

Der Microsoft-Gründer und Milliardär Bill Gates wählt seine Worte im Gespräch mit dem stern sorgfältig, aber bestimmt. Natürlich liege die Entscheidung über den Einsatz von Steuergeldern ganz bei der deutschen Regierung. Aber, und da atmet Gates einmal tief durch: "Wenn Deutschland 0,7 Prozent seines Bruttoinlandprodukts aufwendete, wäre das nur ein sehr kleiner Prozentsatz des Staatshaushalts. Großbritannien hat das gerade beschlossen - trotz seines enormen Schuldenbergs." Deutschland müsse als stärkste Wirtschaftsmacht in Europa auch in diesem Bereich eine Führungsrolle übernehmen, sagt Gates dem stern: "Ich bin enttäuscht, dass die deutsche Entwicklungshilfe nicht gestiegen ist."

Sollten nicht erst einmal die reichen Bürger in Entwicklungsländern Verantwortung übernehmen, bevor der deutsche Steuerzahler weiter einspringt? "Kapitalismus heißt auch, dass jeder sein Geld ausgeben kann, wofür er will", sagt Gates. Aber: "Die Menschen mit dem größten Glück im Leben sollten ein Beispiel setzen." Bisher wollen 105 Milliardäre seinem Vorbild folgen und den Großteil ihres Vermögens spenden, zwölf davon sind Nicht-Amerikaner: "Wir sollten zum Geben ermutigen. Ich verbringe deswegen viel Zeit in China und Indien."

"Stolz ist nicht hilfreich. Demut schon"

Gates hat seine Stiftung vor allem dem Kampf gegen Krankheiten wie Malaria und Polio gewidmet. Er glaubt fest daran, dass die Kinderlähmung bis 2018 ausgerottet werden kann. Stolz will er auf seine bisherigen Erfolge aber nicht sein: "Ich habe Fehler bei Microsoft gemacht, ich mache jetzt Fehler. Wir versuchen, jeden Tag zu lernen und besser zu werden. Da ist Stolz nicht sehr hilfreich, Demut hingegen schon."

Zehn Prozent seiner Zeit verbringt Gates noch bei Microsoft. Und wird auf Nachfrage nostalgisch. Darauf angesprochen bestreitet er allerdings, seinen alten Job zu vermissen: "Meine neue Arbeit ist meiner alten sehr viel ähnlicher, als Sie denken. Ich treffe mich weiterhin mit großartigen Wissenschaftlern, um zum Beispiel über einen Malaria-Impfstoff zu sprechen. Aber natürlich bedauere ich, nicht mehr dabei zu sein, wenn ich diese bahnbrechenden Veränderungen in der digitalen Welt sehe. Meine tollste Zeit hatte ich mit 20 Jahren, als ich bei Microsoft Tag und Nacht gearbeitet habe. Das war fantastisch."

cf/print

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