Putin macht Depardieu zum Russen

3. Januar 2013, 13:22 Uhr

Wirklich wahr: Kremlchef Wladimir Putin hat den französischen Schauspieler Gérard Depardieu für dessen Verdienste um die russische Kultur eingebürgert. Die Russen sind darüber geteilter Meinung.

Der französische Schauspieler Gérard Depardieu (64, "Cyrano de Bergerac", "Asterix und Obelix") ist nun Russe. Präsident Wladimir Putin, 60, verlieh seinem "Freund" mit einem Ukas - einem Präsidentenerlass, der Gesetzesqualität hat - die russische Staatsbürgerschaft, wie der Kreml am Donnerstag mitteilte. Der Schauspieler habe einen "bedeutenden Beitrag" zur russischen Kultur geliefert, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag der Agentur Interfax. Den Einbürgerungsantrag habe der Star "vor nicht allzu langer Zeit über die Botschaft" gestellt."Tatsache ist, dass Depardieu in einer Reihe großer Kinoprojekte mitgespielt hat", sagte Peskow. Dazu zähle auch die Rolle des legendären Zarenberaters und Wunderheilers Rasputin (1869-1916).

Nur 13 Prozent Steuern

Depardieu hatte sich zuvor über hohe Steuern für Reiche in Frankreich beschwert und seinen Wohnsitz nach Belgien verlegt. Daraufhin bot ihm Putin bei einer großen Pressekonferenz am 20. Dezember halb im Scherz einen russischen Pass an. Auch Regierungschef Dmitri Medwedew lockte den Star mit dem niedrigen russischen Steuersatz von nur 13 Prozent.

"Ein Witz wird Realität"

"In Übereinstimmung mit Absatz a des Artikels 89 der Verfassung der Russischen Föderation ist der Antrag auf russische Staatsbürgerschaft von Gérard Xavier Depardieu, geboren 1948 in Frankreich, angenommen worden", lautete der kurze Text, den der Kreml auf seiner Internetseite veröffentlichte. "Ein Witz wird Realität", titelte das russische Internetportal newsru.com daraufhin und schrieb: "Präsident Wladimir Putin hat den Russen einen neuen herausragenden Staatsbürger geschenkt."

"Massenmigration" nach Russland

Depardieu hatte bald nach Putins Angebot gesagt, der Kremlchef habe ihm bereits einen russischen Pass geschickt. Doch Putins Sprecher Dmitri Peskow wies das als Scherz zurück.

Der französische Verfassungsrat hatte die auch von Depardieu kritisierte Reichensteuer von jährlich 75 Prozent auf Einkommen von mehr als einer Million Euro noch kurzfristig gestoppt. Dennoch hielt der Schauspieler an seinen Auswanderungsplänen fest. Sobald reiche Europäer mehr über das günstige russische Steuersystem erführen, werde es eine "Massenmigration" geben, schrieb der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin bei Twitter.

Leid und Freud in Russland

"Falls Gérard wirklich eine russische Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass will, so ist diese Frage bereits positiv entschieden", hatte Putin am 20. Dezember gesagt. In Russland gab es indes ein geteiltes Echo auf die Einbürgerung. "Gérard Depardieu kennt und liebt Russland, das immer auf ihn gewartet hat", sagte der Präsident der Internationalen Vereinigung russischer Landsleute, Pjotr Scheremetjew. Der Regisseur Wladimir Meschow hingegen, der mit Depardieu den Film "Sawist Bogow" (2000, Der Neid der Götter) drehte, sagte: "Das bedeutet nicht, dass er ein russischer Patriot ist."

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