18. Januar 2013, 08:00 Uhr

Ex-Finanzminister muss sich Untersuchung stellen

Das griechische Parlament will klären, ob Ex-Finanzminister Papakonstatinou Verwandte von einer Liste von Steuerflüchtlingen streichen ließ. Die Debatte in Athen verlief hitzig und dauerte 16 Stunden.

Griechenland, Steuersünder-Skandal, Steuersünder-Affäre, Athen, griechisches Parlament,

Stimmenauszählung auf Griechisch: Das Parlament in Athen hat eine Untersuchung gegen Ex-Finanzminister Papakonstatinou beschlossen©

In der griechischen Steuersünder-Affäre wird es für den früheren griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou immer enger. Ein Untersuchungsausschuss des griechischen Parlamentes soll prüfen, ob seine Immunität wegen eines Steuersünder-Skandals aufgehoben werden soll. Dies beschloss mit einer klaren Mehrheit das griechische Parlament am frühen Freitagmorgen.

Für den Untersuchungsausschuss gegen Papakonstantinou votierten 265 Abgeordnete. Damit wurde die nötige Zahl von 151 Abgeordneten im 300-köpfigen Parlament bei weitem übertroffen, teilte das Parlamentspräsidium mit. Die Debatte und das Votum verlief stürmisch und dauerte fast 16 Stunden.

Minister drohen fast 20 Jahre Haft

Papakonstantinou werden Datenfälschung und Pflichtverletzung vorgeworfen. Er soll die Namen von Verwandten aus einer Datei mit mutmaßlichen griechischen Steuersündern mit Geldeinlagen in der Schweiz gelöscht haben. Er leitete das Finanzressort 2010, als die Liste erstmals von der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde an Griechenland übergeben wurde.

Papakonstantinou streitet die Vorwürfe ab. Sollte seine Immunität aufgehoben werden, würde anschließend ein Sondergericht entscheiden, ob er schuldig ist. Bei einer Verurteilung drohen Papakonstantinou bis zu 20 Jahre Gefängnis, erklärten Juristen in Athen.

Dagegen lehnte das griechische Parlament Forderungen der Opposition zur Immunitätsaufhebung der früheren Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou und Lucas Papademos sowie des ehemaligen Finanzministers Evangelos Venizelos ab. Die Opposition hatte ihnen Nachlässigkeit bei der Überprüfung der Liste mit den mutmaßlichen Steuersündern vorgeworfen.

dho/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Kabinettsumbildung in Griechenland Papandreou opfert Finanzminister

Er war international angesehen, aber beim Volk unbeliebt: Griechenlands Regierungschef Papandreou hat Finanzminister Papakonstantinou sein Ressort entzogen. Künftig soll der Verteidigungsminister Athens Geldangelegenheiten regeln.

Steuersünderliste Griechischer Journalist freigesprochen

Der Griechische Journalist Kostas Vaxevanis ist am Donnerstag nach nur einem Prozesstag freigesprochen worden. Ihm war der "Diebstahl persönlicher Daten" vorgeworfen worden.

Festnahme in Athen Journalist wegen Steuersünderliste verhaftet

Die griechische Polizei hat den Chefredakteur der Zeitschrift "Hot Doc" festgenommen. Er hatte eine Liste mit 2059 angeblichen Steuersündern veröffentlicht.

"Liste der Schande" Griechenland stellt Namen von Steuersündern ins Netz

Die "Liste der Schande" ist 170 Seiten lang. Insgesamt 4152 Namen sind auf ihr zu lesen. Es sind Namen von Steuersündern, die einen Teil der Schuld an Griechenlands Wirtschaftskrise tragen. Und diese Liste ist nun öffentlich zugänglich.

Schuldenkrise in Griechenland Athen stellt Steuersünder an den Pranger

Zahlt oder es geht an den Pranger: Mit dieser Drohung setzt Griechenlands neue Regierung Steuerhinterzieher und Schuldner unter Druck. Datenschutzbedenken gibt es offenbar keine.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (26/2013)
Die Zuckermafia