Acht Tote und hunderte Verletzte bei Krawallen

17. Dezember 2011, 09:20 Uhr

Explosive Stimmung in Kairo: In der Nähe des legendären Tahrir-Platzes haben sich Demonstranten und Polizei heftige Straßenschlachten geliefert. Mehrere Menschen starben, hunderte wurden verletzt.

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In der Nähe des Tahrir-Platzes ist es in Kairo zu heftigen Ausschreitungen gekommen©

In Kairo ist wieder Blut geflossen: Bei schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt mindestens acht Menschen getötet. Rund 300 wurden verletzt, als Sicherheitskräfte am Freitag ein Protestcamp vor einem Regierungsgebäude im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt auflösten. Inzwischen haben Sicherheitskräfte die Kontrolle über das Areal übernommen. Ein großes Aufgebot von Soldaten und Polizisten sperrte das Gebiet unter anderem mit Stacheldraht ab. Der einige hundert Meter entfernte Tahrir-Platz, das Zentrum der Protestbewegung, ist unterdessen für den Verkehr frei zugänglich.

Die Demonstranten hätten das Gebäude der Behörde für Straßen und Brücken angezündet, das in der Nähe des Parlaments liegt, wurde am Freitagabend weiter berichtet. Den Angaben zufolge legten sie das Feuer, nachdem sie von dem Gebäude aus von Menschen in Zivil mit Steinen beworfen worden waren.

Zuvor waren Hunderte von Demonstranten den Protestierenden zu Hilfe geeilt, die sich schon seit dem Vormittag Straßenkämpfe mit der Militärpolizei geliefert hatten. Die Aktivisten sprachen ihrerseits von drei Toten. Sie erklärten, die Zivilisten, die sie mit Steinen attackiert hätten, seien "von der Armee geschickte Schläger" gewesen.

In der Nähe des Tahrir-Platzes, wo einst Geschichte geschrieben wurde, herrschte Chaos: Steine flogen, Barrikaden brannten, schwarzer Rauch stieg auf. Das Gesundheitsministerium berichtete von Schussverletzungen, Knochenbrüchen und Prellungen.

Beamte sollen Steine auf Demonstranten geworfen haben

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Ausschreitungen hätten begonnen, nachdem Regierungsbeamte, die wegen des Dauerprotests seit Wochen nicht zu ihren Büros gelangen könnten, die Demonstranten mit Gegenständen beworfen hätten.

Die etwa 150 Mann starke Protestgruppe vor dem Kabinettsgebäude, zu der junge "Revolutionsaktivisten" und eine Gruppe von Fußballfans gehörten, wollte verhindern, dass die vom Militärrat eingesetzte Übergangsregierung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri dort ihre Arbeit aufnimmt. Am Freitag riefen sie: "Nieder mit der Militärherrschaft". Al Gansuri hat inzwischen ein Büro im Gebäude der staatlichen Planungsbehörde bezogen. Gansuri sagte, die Akteure der neuen Proteste in Kairo seien "nicht die jungen Leute der Revolution", die zum Sturz Mubaraks geführt habe. "Das ist keine Revolution, sondern eine Konterrevolution", ergänzte er.

Muslimbrüder sind die Wahlgewinner

Der Oberste Militärrat hatte im vergangenen Februar nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak die Macht übernommen. In Ägypten wird in diesen Wochen ein neues Parlament gewählt , in dem wahrscheinlich die Muslimbruderschaft die größte Fraktion stellen wird. Die ersten Ergebnisse der zweiten Runde wurden am Freitag veröffentlicht.

Wie schon im ersten Wahlgang, so lagen auch diesmal die Muslimbrüder mit Abstand auf Platz eins, gefolgt von der radikal-islamischen Partei des Lichts. Ein weiterer Wahlgang in den restlichen Provinzen und zwei Stichwahlen stehen noch aus.

Am 13. Januar soll das endgültige Ergebnis des Votums veröffentlicht werden. Im vergangenen Monat waren bei Zusammenstößen von Demonstranten und der Polizei in Kairo mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen.

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