Plünderungen und Gewalt gegen "die Araber"

29. Januar 2013, 16:51 Uhr

Nach dem Rückzug der Besatzer aus der malischen Wüstenstadt Timbuktu wollen sich die Einwohner an den Islamisten rächen. Geschäfte werden geplündert, ein Mann fast gelyncht.

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Die Freude über die Eroberung der legendären Wüstenstadt Timbuktu durch französische und malische Truppen währte nur kurz: Hunderte Einwohner plündern Geschäfte und Unterkünfte von geflohenen mutmaßlichen Islamisten, die von den Einwohnern als "Araber" oder "Algerier" bezeichnet werden.

Seit April 2012 hatten islamistische Gruppen mit Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Kaida in Nordafrika (AQMI) die Stadt kontrolliert. Vor ihrem endgültigen Abzug am Sonntag schossen die Islamisten noch wild um sich, plünderten laut Einwohnern unter anderem das Bürgermeisteramt und steckten eine Bibliothek mit alten Schriften von unschätzbarem Wert in Brand. © Eric Feferberg/AFP
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"Er ist nicht von hier! Er ist ein Terrorist!", schreien Hunderte Männer und Frauen, als sie einen bärtigen, etwa 40-jährigen Mann im bisherigen "Zentrum für die Empfehlung des Schicklichen und des Verbots des Tadelnswerten" der Islamisten aufspüren. Nur mit Mühe und Not können malische Soldaten schließlich verhindern, dass der Mann gelyncht wird.

Nach dem Einmarsch der französischen und malischen Truppen am Montagnachmittag hatten zunächst Szenen der Freude die staubigen Straßen von Timbuktu im Norden Malis beherrscht. "Das ist die neue Unabhängigkeit! Wir waren zehn Monate lang Geiseln", jubelten Einwohner. "Mali, Frankreich!" oder "Danke!" riefen andere, sobald sie einen Weißen sahen. Auch Frauen trauten sich in der Oasenstadt, in der die Islamisten ein brutales Scharia-Regime installiert hatten, wieder unverschleiert auf die Straße. © Eric Feferberg/AFP
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Auch bei den Plünderungen geben die Einwohner vor, gegen Terroristen vorzugehen. Tatsächlich werden in manchen Geschäften auch Munition und Militärradios entdeckt. Doch die meisten der sehr ärmlich gekleideten Menschen schleppen einfach alles aus den Läden, was sie in die Finger bekommen: Fernseher, Möbel, Geschirr, Teppiche, Nahrung. © Eric Feferberg/AFP
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Ein malischer Soldat versucht, die Plünderer zu vertreiben. Binnen weniger Minuten waren die Verkaufsbuden völlig ausgeräumt. Einige Menschen kämpften sogar untereinander um geplünderte Sachen.

Malische Soldaten patrouillieren wieder in der Stadt, die Franzosen zogen sich bereits am Montagabend in die Vorstädte zurück. "Wir gehen rein, aber wir bleiben nicht, die Malier nehmen den Kontakt zur Bevölkerung auf", erläuterte ein französischer Offizier. Der malische Leutnant Dramane Dambélé, der mit seinen Soldaten Häuser in Timbuktu durchsuchte, berichtete: "Wir suchen nach Leuten mit Verbindungen zu den Islamisten, aber wir haben noch keine gefunden."

An der Straße nach Timbuktu ist indes über Hunderte von Kilometern kein einziger Soldat zu sehen. "Wir haben Angst, dass die Islamisten zurückkommen", gesteht Mohammar Traoré in der Kleinstadt Niafounké an der Achse zwischen dem zentralmalischen Niono und Timbuktu. Auch dort herrschten die Islamisten monatelang. Aber nun "ist hier niemand, kein Bürgermeister, keine Soldaten", stellt Traoré düster fest. "Wir sind hier allein."

Ähnlich sieht es in fast allen Orten und kleinen Städten entlang der Straße aus, die durch Militär nicht gesichert ist, weshalb auch malische Offiziere befürchten, dass die Islamisten zurückkehren könnten. © Eric Feferberg/AFP
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