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2. März 2010, 08:04 Uhr

Korruption hat Griechenland fest im Griff

Es klingt so harmlos: Fakelaki - so heißt das Bestechungsgeld, das in Griechenland unterm Tisch gezahlt wird, wenn man schneller an den Führerschein oder eine Baugenehmigung kommen will. Dabei ist die Krake Korruption inzwischen so gefräßig, dass sie laut einer neuen Studie zu einer ernsten Belastung für die griechische Wirtschaft geworden ist.

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Die eine Hand wäscht die andere: Griechenlands Gesellschaft ist laut Transparency International durch und durch korrupt© Orestis Panagiotou/EPA

Griechenlands Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich fest im Griff der Korruption. Das geht aus einer Untersuchung von Transparency International (TI) Griechenland für das Jahr 2009 hervor, die der Tageszeitung "Die Welt" vorliegt. Dem Bericht der weltweit gegen Korruption kämpfenden Organisation zufolge zahlten Griechen im vergangenen Jahr durchschnittlich 1355 Euro Bestechungsgeld an Staatsdiener, wenn sie die Ausstellung eines Führer- oder Fahrzeugscheins beschleunigen, eine Baugenehmigung beantragen, schneller in ein öffentliches Krankenhaus aufgenommen oder die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren wollten.

Anwälte, Ärzte, Banken - alle sind beteiligt

Im privaten Bereich etwa bei Anwälten, Ärzten oder Banken stieg die durchschnittliche Bestechungssumme sogar deutlich, wie die Zeitung schreibt. Hier zahlten Griechen 2009 durchschnittlich 1671 Euro Fakelaki, so heißt das Bestechungsgeld, das gewöhnlich in einem Briefumschlag unter dem Tisch übergeben wird. Ein Jahr zuvor waren es 1575 Euro.

Grundlage der Untersuchung ist dem Bericht zufolge eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Public Issue im Auftrag von TI unter 6122 erwachsenen Griechen durchführte. Den Meinungsforschern gaben 13,4 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass von ihnen Bestechungsgeld verlangt worden sei. Transparency International kalkuliert laut der Zeitung, dass griechische Haushalte 2009 insgesamt 787 Millionen Euro Bestechungsgeld zahlten: 462 Millionen Euro an Staatsdiener, 325 Millionen Euro im privaten Sektor. Die Summe der Bestechungsgelder wäre damit in nur zwei Jahren um gut 23 Prozent gestiegen: 2007 kalkulierten die Korruptionsforscher mit einer Gesamtbestechungssumme von 639 Millionen Euro.

Nur die Spitze des Eisbergs

Diese Zahlen gäben nur einen kleinen Teil der Korruption in Griechenland wider, denn längst nicht jeder Befragte gebe die Zahlung zu. Zudem "erfassen wir nur die sogenannte kleine Korruption, also die Bestechungsgelder, die Privatleute an Staatsdiener und im privaten Bereich zahlen", sagte der Chef von Transparency International Griechenland, Konstantin Bakouris, der Zeitung. "Die wirklich große Korruption auf Staats- und Unternehmensebene, wie etwa beim Siemens-Bestechungsskandal, wird von uns nicht einmal erfasst. Dabei ist sie weit verbreitet."

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
venieli (04.03.2010, 17:02 Uhr)
Hartz-IV waere echt super
Hartz-IV fuer die Griechen, da ginge es uns jetzt besser.
Als Saisonangestellte im 3. Jahr (7 Monate arbeit im Jahr) bekomme ich nicht mal 50 % meines Vedienstes fuer gerade mal 5 Monate. Mein Mann, der seit ueber 30 Jahren in der selben Firma beschaeftigt ist bekommt auch weniger als 50 % auf max. 1 Jahr. Danach gibt es kein Arbeitslosengeld mehr und man ist auf sich selbst gestellt. Bei gerade mal ca. 900 Euro im Monat mit zwei Kindern und einer Monatsmiete von 350 Euro bleibt wenig uebrig, wenn man im Supermarkt fuer das Kilo Fleisch mehr als 10 Euro bezahlen muss und der Liter Frischmilch fast 2 Euro kostet. Nicht einmal der einheimischhe Fetakaese ist fuer unter 4 Euro das Kilo zu bekommen.

Wie soll die Ankurbelung der Wirtschaft funktionieren, wenn die MwSt erhoeht wird und gleichzeitig die Loehne sinken? Die Rente eines durchschnittlichen Buergers nach 40 Jahren Arbeit betraegt durchschnittlich 300 Euro. Wie koennen da die Menschen noch leben?
In einem anderen Artikel habe ich gelesen, dass die Griechen froh sein sollen, dass es noch die Touristen hat...Was fuer Touristen bitte schoen, die auf Last-Minute All-Inclusive Hotels buchen und den ganzen Tag im Hotel verbringen, da es dort ja alles "um sonst" gibt...
Korruption? Es geht hier weniger um den "Bakschisch" der unter dem Tisch gezahlt wird, sondern darum, dass Dir z.B. ein Arzt im Krankenhaus eine gute Versogung garantiert, wenn du ihm 3000 Euro ohne Rechnung zahlst oder aber 4000 Euro mit Rechnung.
Als in Griechenland eingeheiratete Deutsche schaeme ich mich fuer manch einen Kommentar von Leuten, die hier noch nie wirklich gelebt haben und die Mentalitaet der Griechen hautnah erlebt hat. Ich hoffe nur fuer meine Kinder, dass diese Diskussion und die Beleidigungen mancher unqualifizierter Reportagen keine negative Auswirkungen auf sie eines Tages hat.
Lazarus09 (03.03.2010, 21:26 Uhr)
Nicht nur Griechenland
In Neusprech heisst das hierzulande Lobbyismus...meint aber das selbe,siehe FDP Spende Senkung der Steuer fuer Hoteluebernachtung...
Onzapintada (03.03.2010, 20:23 Uhr)
Vielen Dank!
Werde mich weiterhin bemühen, meinen Beitrag dazu zu leisten, das Zeitalter der Aufklärung so gut es geht zu vertreidigen.
Jackson1a (03.03.2010, 18:29 Uhr)
Korrupte Deutsche Richter
In der Diskussion um den Ankauf von gestohlenen Steuersünder-Daten wurde bekannt, dass Deutsche Politiker und Deutsche Richter in Liechtenstein und der Schweiz Gelder auf Konten und Stiftungen eingezahlt haben.

Ein Deutscher Richter verdient in seinem Amt keinesfalls genug um in Liechtenstein und in der Schweiz Konten und Stiftungen zu unterhalten. Es handelt sich schlicht um Schmiergeld, das von der deutschen Industrie für gefällige Urteile gezahlt wird.
Es gibt bereits mehrere Strafanzeigen wegen Bestechlichkeit Deutscher Richter an der Patentkammer Düsseldorf, am Oberlandesgericht Düsseldorf, am Landesarbeitsgericht Köln, am Arbeitsgericht Köln und am Amtsgericht Köln.

Die Deutschen Staatsanwaltschaften ermitteln in diesen Fällen im eigenen Interesse nicht. Die Staatsanwaltschaften sind weisungsgebunden und damit dem Landes- und Bundesjustizministerium direkt unterstellt. Weisungsgebunden heißt, sie müssen die ?Anweisungen von Oben? befolgen. Die Justizminister sind Politiker und geben ihrem Parteibuch entsprechende Anweisung an ihre justiziellen Untergebenen. Die Justizminister nehmen aktiv Einfluss auf laufende Gerichtsverfahren und sorgen für Urteile, die der Industrie genehm sind.

Richter werden vom Justizministerium auf ihre Posten befördert und erhalten von dort auch ihre Gehälter. DER SPIEGEL 25/2008 ?Beute der Parteien?: www.spiegel.de/spiegel/print/d-57457821.html. Nebeneinkünfte aus Bestechung und für überbezahlte Vorträge für die Industrie werden offensichtlich über Liechtenstein und die Schweiz gezahlt.

Opfer dieser kriminellen Lobby-Justiz finden Sie unter: www.ivan-zilic.de
Der Erfinder und Patentinhaber, der ein, von der Automobilindustrie weltweit genutztes Halter-Schweißverfahren entwickelt hat, wird durch die deutsche Justiz systematisch um sein Hab und Gut gebracht. Auf der Webseite von IVAN ZILIC werden weitere Lobby-Justiz Opfer, die nach dem gleichen verbrecherischen Prozedere von der Deutschen Regierung und der Deutschen Justiz enteignet wurden, genannt.

Einen Rechtsstaat kann man Deutschland nicht nennen. Die Regierungs- und Justizkriminalität hat ungeahnte Ausmaße angenommen. Deutsche Politiker und Richter werden durch die deutschen juristisch-politischen Netzwerke vor Aufdeckung ihrer korrupten Handlungen geschützt.

Korrupter als die Deutsche Justiz kann die Justiz in Griechenland auch nicht sein!
dreicon (03.03.2010, 10:59 Uhr)
@Onzapintada (02.03.2010, 18:33 Uhr)
Bravo! Bravissimo!

Habe selten einen die wahren Zusammenhänge so treffend beschreibenden Kommentar hier gelesen.
galonero (02.03.2010, 21:40 Uhr)
Griechenland
Aber selbst, wenn man einmal akzeptiert, dass das Kriterium Staatsverschuldung von Bedeutung sei, dann ist von der Sache her nicht einzusehen, warum Griechenland so sehr in den Mittelpunkt der Aggression gestellt wird. Der Schuldenstand (Anteil der Schulden am Bruttoinlandsprodukt) liegt in Italien mit 114 % noch ein bisschen höher als in Griechenland mit 112 %; in Japan wird mit 190 % schon fast das Doppelte der jährlichen Wirtschaftskraft erreicht. Auch die Veränderung der Staatsschulden ist in Griechenland nicht schlimmer als in anderen Ländern. Zwischen 2007 und 2009 hat sich das Staatsdefizit Griechenlands von 12 Milliarden auf 34 Milliarden ? fast verdreifacht, in Deutschland ist es in der gleichen Zeit um das 15 fache gestiegen und damit weit über dem Durchschnitt der Defizitentwicklung im gesamten Euroraum. Flassbeck und Spiecker weisen in diesem Zusammenhang auch noch darauf hin, dass anders als Deutschland die südeuropäischen Länder zwischen 1999 und 2007 Erfolge bei der Konsolidierung zu verzeichnen hatten.
Onzapintada (02.03.2010, 19:57 Uhr)
Worum geht es
Deutschland hat gute, z.T. auch bessere Produkte, aber die gewaltigen Dimensionen der Exportueberschuesse waeren ohne das gesetzlich forcierte Lohndumping nicht moeglich. Die deutsche Bevoelkerung laesst dies mit sich machen und verarmt dabei immer weiter, Ende nicht absehbar.

Gleichzeitig zerstoert das Lohndumping die wirtschaftlichen Grundlagen der Euro-Handelspartner, die nicht abwerten koennen. Es gibt jetzt zwei Moeglichkeiten: die griechische Regierung nimmt im Auftrag der deutschen Eliten ihr Volk an die Kandare, z.B. mit einem Hartz-4-Programm fuer Griechenland. Oder die deutschen Loehne steigen betraechtlich: das ware gut fuer die Bevoelkerung, schlecht fuer die deutsche Finanzelite. Deshalb wird das nicht gemacht.
Es geht nicht um Deutsche gegen Griechen, sondern um deutsche Elite gegen die Bevoelkerung, Griechenlands und Deutschlands.

allesklar (02.03.2010, 19:34 Uhr)
@ Onzapintada
Wow - mal langsam. Mir ist egal ob Griechenland sogar 100 % an Rente auszahlt - oder nicht oder das beste Sozialsystem der Welt hat. Das Land muss es sich leisten koennen. Wenn Ihr deutlich darueber lebt - dann raecht es sich in der EU. Das Geheimnis des Exports von Deutschland: Gute - (Bessere) Produkte!
Onzapintada (02.03.2010, 18:33 Uhr)
Das ganze Griechenland-Bashing
. . . laeuft doch darauf hinaus:
Sparprogramm und Sozialkuerzungen auch fuer Griechenland. Das Volk zahlt fuer die Krise. Loehne runter wie in Deutschland. Toll!

Es geht den deutschen Eliten nicht um die Korruption in Griechenland, die haben sie im eigenen Land auch, dafuer sorgen sie selbst. Es ist der gut ausgebaute griechische Sozialstaat, der ihnen ein Dorn im Auge ist.

Ob das ?bequeme Leben? fuer die Griechen vorbei ist, und ihnen ein Hartz-IV-Regime nach deutschem Muster uebergestuelpt werden kann, wird der Ausgang der sozialen Kaempfe dort zeigen. Nicht jedes Volk ist so gefuegig.

Es sollte uns, d.h. den 99 Prozent, die nicht zur deutschen Oberschicht gehoeren. nicht um die Frage gehen, ob die Griechen über ihre Verhältnisse leben dürfen, sondern eher ob die deutsche exportdampfwalze gestoppt werden soll. Allein, die deutschen Eliten, die die Industrie ihrer europaeischen Nachbarn mit ihren kuenstlich herbeigefuehrten, per Gesetz erzwungenen, "wettbewerbsstarken" Dumpingloehnen niederkonkurrieren, sind beratungsresistent wie eh und je.
Man kann es schon so ausdruecken, wie neulich in der FAZ zu lesen: ?Die Wurzel des Übels . . . ist der ständige Verstoß gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt?. Es darf aber gefragt werden, wer hier verstossen hat. Im Vertrag wurde ein jaehrliches Inflationsziel von zwei Prozent angepeilt, was kumuliert ueber zehn Jahre circa 22 Prozent ergibt. Dementsprechend sind die Lohn-Stück-Kosten, die Arbeitskosten im Verhältnis zur Arbeitsproduktivität, in diesem Zeitraum in Suedeuropa und in Frankreich um circa 25 Prozent gestiegen, in Griechenland nicht nennenswert hoeher. In Deutschland lag die Steigerung bei Null, entgegen der Vereinbarung; die Realloehne sind sogar gesunken! Mit diesem Dumping kann man jeden Handelspartner plattmachen, der nicht abwerten kann. Das ist das ganze Geheimnis der ueberdimensionierten deutschen Exportueberschuesse. Und der Verschuldung der Handelspartner.
Eine sozialere EU, vor allem ein wieder soziales Deutschland, letzteres zugegebenermassen komplett unrealistisch, wuerde die Binnennachfrage stimulieren. Aber das darf in der neoliberalen Herrschaftsideologie der deutschen "Eliten", nicht vorkommen. Deren Motto lautet: ALLES fuer uns, NICHTS fuer die anderen.
trespuntos (02.03.2010, 13:11 Uhr)
Als ob es in Deutschland
keine Korruption gibt! Lächerlich.
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