Startseite

Zypern setzt auf legales Zocken

Der kleine Inselstaat muss Alternativen zu seinem bisherigen Geschäftsmodell finden. Die Regierung Zyperns wagt Tabubrüche. Sie plant unter anderem ein Spielkasino - falls die Kirche mitzieht.

  Vor einer Filiale der Laiki Bank standen Kunden Schlange, als sie am Donnerstag wieder öffnete. Zu Massenabhebungen kam es nicht. Der Staat versucht, die Lage in den Griff zu bekommen.

Vor einer Filiale der Laiki Bank standen Kunden Schlange, als sie am Donnerstag wieder öffnete. Zu Massenabhebungen kam es nicht. Der Staat versucht, die Lage in den Griff zu bekommen.

Niedrige Steuern, üppige Zinsen für Anleger und halbblinde Finanzkontrolleure - über viele Jahre funktionierte das Geschäftsmodell auf Zypern. Dann beteiligten sich die Banken des Landes am Schuldenschnitt für Griechenland, verloren zig Milliarden und damit endgültig ihr ohnehin schwaches Fundament. Weil der zyprische Staat außerdem über seine Verhältnisse lebt und weit mehr Geld ausgibt, als er einnimmt, geriet das kleine Land im Mittelmeer in die Schieflage.

Mit zehn Milliarden Euro Krediten seiner Partnerstaaten und knapp sechs Milliarden Euro Eigenanteil soll es vor der Pleite bewahrt werden. Luxemburg zweifelt, ob das Geld ausreicht. "Wir haben einen wichtigen Schritt gemacht. Aber man darf sich nicht vormachen, dass Zypern gerettet ist", sagte Außenminister Jean Asselborn dem "Tagesspiegel am Sonntag" laut Vorabbericht. Er fürchtet, dass durch die Zwangsabgabe auf Bankeneinlagen ab 100.000 Euro auch viele kleinere und mittlere Firmen betroffen sind. Zudem rechnet er mit einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

So viel ist sicher: Zypern steht vor schwierigen Zeiten. Die aufgeblähte Bankenlandschaft wird zusammengestutzt, was Tausenden in der Finanzbranche den Job kosten wird. Die Republik sucht nach Alternativen - und wird fündig. Präsident Nikos Anastasiades kündigte in der größten zyprischen Zeitung "Fileleftheros" unter anderem die Eröffnung eines Kasinos an.

Der Regierungschef versteht sich selbst aufs Zocken, wie er in den Verhandlungen über das Rettungspaket zeigte. Er versuchte, den Eurorettern höhere Kreditzusagen abzutrotzen, um Inhaber von Konten in Zypern vor dem Zwangs-Soli zu bewahren. Anastasiades wollte das Land als Paradies für Anleger erhalten. Doch sein Plan ging nicht auf. Zwar werden Kleinsparer geschont. Zugleich aber müssen Anleger mit mehr als 100.000 Euro auf der hohen Kante massive Einbußen fürchten. Kunden der Bank of Cyprus droht ein Verlust von rund 60 Prozent ihrer Sparguthaben.

Kasinos bisher nur im Norden

Die Eröffnung eines Kasinos im Süden der Insel war bislang am hartnäckigen Widerstand der einflussreichen orthodoxen Kirche und ihres Erzbischofs Chrysostomos gescheitert. Kasinos existieren bisher nur im türkischen Teil der Insel. Viele Touristen und Bewohner des zyprischen Südens gehen zum Spielen in den Norden. Davon hat die Republik Zypern nichts, das Geld bleibt im türkischen Teil. Da die Kirche sich selbst finanziell an der Rettung Zyperns beteiligt, muss sie ein Interesse daran haben, dass das Land wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt.

Anastasiades sagte, die Wirtschaft müsse dringend gestärkt werden. Er kündigte Steueranreize an, um Investitionen zu fördern. Unter anderem sollen Firmen keine Steuern auf Gewinne zahlen, wenn sie diese wieder auf Zypern zur Schaffung von Arbeitsplätzen einsetzen. Das führt zwar zunächst zu Steuerausfällen, hilft der Staatskasse also nicht, könnte sich aber langfristig bezahlt machen, wenn Jobs entstehen. Bei den Zahlungsfristen und den Zinssätzen für Kredite sprach sich Anastasiades für Erleichterungen aus. Zudem will er zwischen Verbänden von Mietern und Vermietern vermitteln, damit Mieten reduziert werden. Sollte dies nicht gelingen, sei auch eine gesetzliche Regelung möglich, sagte der Präsident.

Vorgaben zum Schutz heimischer Beschäftigter

Schwierige Zeiten könnten auch auf Ausländer aus Nicht-EU-Staaten zukommen, die auf Zypern einen Job haben. Die Regierung will mit den Arbeitgebern eine informelle Beschäftigungsklausel zum Schutz zyprischer Beschäftigter vereinbaren. Demnach sollten 70 Prozent Einheimische und höchstens 30 Prozent Ausländer beschäftigt werden können, sagte Anastasiades. Auf der Insel arbeiten Schätzungen zufolge rund 100.000 Nicht-EU-Ausländer als Hausdiener, Kindermädchen sowie im Baugewerbe. Der Großteil stammt aus den Phlippinen, Sri Lanka und Indien.

Am Donnerstag und Freitag verlief die Wiedereröffnung der fast zwei Wochen geschlossenen Geldhäuser auf Zypern reibungslos. Harte Regeln der Notenbank in Nikosia sollen ein schnelles Ausbluten der Geldhäuser verhindern. So dürfen pro Person und Bank maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden.

tso/dpa/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools