. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. Juli 2010, 20:37 Uhr

Ein geteiltes Land

Die WM ist zu Ende, und Südafrika ist stolz. Allen Afrika-Pessimisten zum Trotz stellte das Land die Stadien fertig, baute Straßen aus und renovierte ganze Stadtteile. Was ist den Menschen nach der Party geblieben - neben den Vibes und den trötenden Vuvuzelas? Von Hanni Heinrich

Südafrika, WM, Weltmeisterschaft, Worldcup, Vuvuzela, Afrika. Fussball, Sport, Kapstadt, Johannesburg, Bafana Bafana, Stadion

Vuvuzela-Orchester in Kapstadt© Reuters/Mike Hutchings

Er ist stolz auf Bafana Bafana, die südafrikanische Nationalelf. "Auch wenn wir früh rausgeflogen sind, es hat sich gelohnt. Der Fußball brachte die Nation zusammen", sagt Jeremy Fredericks, Sport-Moderator des TV-Senders "Super Sport". Die Kluft zwischen arm und reich sei zwar durch die WM nicht kleiner geworden, jedoch sei nicht die Fifa, sondern die südafrikanische Regierung für die Armut im Land verantwortlich. Die Fußball-WM habe viele Südafrikaner jenseits von Rassenzugehörigkeit vereint. "Nicht Weiße, Schwarze oder Farbige waren die Gastgeber, sondern wir - wir Südafrikaner".

Ubuntu scheint plötzlich Realität geworden zu sein. Der Begriff steht für afrikanische Zusammengehörigkeit: Die Regenbogennation lebte vier Wochen lang miteinander und nicht nebeneinander. Die Zweifler, diejenigen, die Afrika diese Leistung nicht zugetraut hatten, waren im Unrecht. Und die Genugtuung ist bei allen zu spüren, bei Weißen und Schwarzen. Auch wirtschaftlich gesehen ist die WM ein Erfolg. Allen voran die lärmende Vuvuzela. Sie hat nebenbei den Ohrstöpselverkauf in die Höhe getrieben und Millionen von Menschen in den Wahnsinn, dennoch: Südafrika zeigt sich als stolzes Gastgeberland von der besten Seite.

Neue Straßen, neue Südafrikaner

Im Vorfeld hatten Berichte über hohe Kriminalität das WM-Land ins schlechte Licht gerückt. Laut südafrikanischen Tageszeitungen wurden täglich etwa 50 Menschen umgebracht. Das war vor der WM. Jetzt zeigt die Kap-Republik der Welt ein anderes, friedlicheres Gesicht. "Volle Stadien und wenig Überfälle, dazu die neuen Fußballakademien. Sie sind eine Chance für junge Talente", so Fredericks. Der Kap-Staat investiert in Fußballvereine, die vor allem die Menschen in ländlichen Gegenden und in den Ghettos sehr schätzen. "Der Sport holt die Kinder von der Straße".

Positiv überrascht ist auch Mannini Mokhothu. Die 26-jährige Studentin aus Kapstadt freut sich, dass "die Hautfarbe bei diesem Event keine Rolle gespielt hat". Wer sich im WM-Land unter die Menschen mischt, spürt es deutlich: Ein neugewonnenes Selbstbewusstsein - ein positives Selbstbild bei Südafrikanern unterschiedlichster Herkunft. "So was habe ich noch nie erlebt", sagt Mokhothu. Neben dem Gefühl, ein einheitliches Land zu sein, schätzt sie auch die neuen ausgebauten Straßen und Minibusse. "Hätte die WM woanders stattgefunden, hätten wir eine solche Infrastruktur erst in Jahren oder vielleicht auch nie gesehen".

Zwischen hoffnungsvoll und hoffnungslos

Doch nicht alle haben vom Fußball profitiert. Maria, eine Haushälterin aus Langa, dem ältesten Township vor Kapstadt, suhlt sich nicht im Freudentaumel. Sie putzt schicke Villen in Kapstadt, doch ihr Leben hat sich nicht verändert: "Die Regierung hat gesagt, es werden mit der WM neue Jobs kommen. Ich sehe keine Jobs." Zwischen dem 11. Juni und dem 11. Juli war ihr Leben erbärmlich, wie immer. Maria verdiente vor der WM umgerechnet 100 Euro im Monat; während und danach auch. Sie pendelt täglich die zwanzig Kilometer zwischen Kapstadt und Langa hin und her. Mit dem Geld kann sie gerade so überleben. Hütte und Familie wollen finanziert werden. Die einzige Veränderung für sie: "In Kapstadt gibt es weniger Kriminalität, aber in Langa ist alles gleich geblieben. Nur die neuen Minibusse sind komfortabler".

Genauso desillusioniert sieht Marias Bruder David die Weltmeisterschaft. Er verkaufte Fan-Helme, Makarapas, und fand die vier Wochen eigentlich großartig. Viel verdient hat er nicht: "Ich habe zwar einige Helme verkauft, aber jetzt ist die WM auch vorbei. Keine neuen Aufträge."

Schöne Stadien, laute Tröten, neue Blumen

Ganz anders bei Jonathan Jansen. Der Blogger und Kolumnist beschäftigt sich schon lange mit der vielfältigen Gesellschaft Südafrikas. Er beobachtet die Zusammenhänge zwischen Rassismus und gesellschaftlichen Ereignissen. "Ich sehe auch jetzt, nach der WM, ein geteiltes Südafrika", sagt er. "Jedoch keines, dass sich in Farben und Rassismus aufteilt". Was das Land jetzt teilt, sind die Hoffnungsvollen und die Hoffnungslosen. Die einen glauben an neue Jobs, Aufschwung und an Südafrika. Die anderen haben das Land längst abgeschrieben. "Südafrika litt 350 Jahre unter Kolonialismus und Apartheid. Klar haben wir noch Probleme. Innerhalb von vier Wochen können die jedoch nicht verschwinden." Die WM zeigte dennoch, dass Schwarz und Weiß im Kap-Staat zusammen leben und feiern können.

Südafrika ließ sich nicht von der im Vorfeld geäußerten Kritik beeindrucken und baute unbeirrt weiter. Schließlich wurden die Stadien fertig. Die Tröten sind nun Markenzeichen des afrikanischen Fußballs und verkauften sich bis zum letzten Tag - trotz des Lärms. Und zum blühenden Abschluss widmet Südafrika einer Blumen-Art den Namen der nervenden Plastiktrompete: Moraea Vuvuzela. Es kann künftig auch ganz still sein, wenn man die Vuvuzela sprechen lässt.

Von Hanni Heinrich
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
SpringbokCT (14.07.2010, 13:35 Uhr)
Uninformiertheit?
Gerne hätte ich in die Köpfe vieler meiner Landsleute geschaut als Desmond Tutu mit afrikanischer Fröhlichkeit, tanzend die Welt beim Eröffnungkonzert in ergreifend herzlichen Worten begrüßte, wieviele rassistische Ressentiments durch den schwarzen Erzbischof bestätigt wurden?

Ja, auch andere Gastgeberländer von Olympiaden und Weltmeisterschaften wurden im Vorfeld von den Medien kritisiert. Noch nie wurde aber ein Land vorsätzlich und gegen besseren Wissens dermaßen bösartig verleumdet. Nie vorher versuchten hohe DFB-Funktionäre Fans abzuhalten ihre Mannschaft zu begleiten, indem sie einen Terroranschlag der sich 3000 km vom Gastgeberland entfernt ereignte dazu benutzten, die Sicherheit der miteisenden Angehörigen und Fans in Frage zu stellen. Noch nie mußte Fifa-Präsident Blatter das Gastgeberland eines WorldCup dermaßen verteidigen, wie in diesem Fall Südafrika. Wie leicht wäre es für Journalisten gewesen, ein paar der monatl. Tausenden zurückkehrenden dt. Touristen über die gefühlte Sicherheit im Land am Kap zu befragen, wenn jemals Objektivität gewünscht gewesen wäre.

Selbst als sich zum Schluß alle Deformierungen auf die Vuvuzela-Kritik reduzierten und die Unstellungen sich als schlicht unwahr bewiesen, kam von den betr. Medien und Funktionären kein Wort der Entschuldigung. Die TV-Moderatoren verabschiedeten sich mit überheblichen sozialkritischen Wünschen von Südafrika, während die DFB-Funktionäre im Flugzeug saßen.

Erfreulich zu erwähnen ist aber auch, dass nicht alle Deutsche sich von der erwähnten Berichterstattung in den Monaten vor der WM beeinflussen ließen. So stieg z.B. die Zahl der dt- Südafrika-Besucher im März 2010 im Vergleich zum Vorjahresmonat um sagenhafte 24% auf über 24.400, wenn sie auch jetzt noch unter der Hälfte der Engländer liegt. Bedenklich ist eher, dass sich in Foren durch bösartige Lästerungen gerade die Kommentatoren hervortaten, die sonst nicht Müde werden ihre äußerst linke Weltanschaung, Antiamerikanismus und Antizionismus zu bekunden.

Für Deutschland wird in den nächsten Jahren entscheident sein, dass sich die vor der Wiedervereinigung vorhandene Weltoffenheit, nicht noch weiter reduziert.
h-p-t (14.07.2010, 08:58 Uhr)
warum negativ presse ?
darum :
http://www.focus.de/reisen/reisefuehrer/suedliches-afrika/suedafrika_aid_123724.html
Tempelhofer (14.07.2010, 07:52 Uhr)
@ Mercedesfan
Ich finde auch, Südafrika war ein toller Gastgeber. Die Menschen waren gastfreundlich, die Stadien waren tip top, die Organisation funktionierte. Die Fußballfans fühlten sich wohl.

Es ist durchaus das Verdienst von FIFA-Chef Blatter, dass der diese afrikanische WM gegen den ganzen Snobismus des europäischen Fußball-Establishments durchsetzte. Europa ist nicht mehr das Maß aller Dinge - recht so.

Die deutschen "Qualitätsmedien" sollten sich nachträglich für diese wüste Agitation gegen den WM-Ausrichter schämen, welche mit fortlaufender Zeit zunehmend rassistische Züge annahm. Und Stern.de hat sich hier dem Bild-Niveau nahtlos angepasst.
Wiebitte20081 (14.07.2010, 06:14 Uhr)
???
@ Quelle SPON.

Ca 3 Mrd. Euro hat die FIFA kassiert und auf ca 1 MRD. Euro bleibt Südafrika sitzen.
Mercedesfan (14.07.2010, 03:09 Uhr)
Was im Vorfeld...
...der WM in vielen Foren und von vielen Kommentatoren (auch hier!) fast schon bösartig gegen Südafrika gelästert wurde war mindestens genau so unerträglich wie die abwegigige Kritik von Hoeneß, der (wie wahrscheinlich die meisten) der Gift-und-Galle-Spucker noch keine Sekunde in Südafrika war. Ich verstehe die Motivation nicht, sieht man mal von Rassismus und Uninformiertheit ab, die Leute dazu treibt, ein ganzes Land mit seinen Menschen derartig zu beschimpfen. Südafrika wurde quasi als Bürgerkriegszone dargestellt, in der kein Tourist sicher ist. Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Jährlich kommen fast 10 Millionen Touristen und sie nehmen alle ihr Rückflugticket in Anspruch! Überdies hat SA der Welt eine Top-WM bereitet, dass man dafür auch mal "Danke, Südafrika! sagt, das liegt für viele wohl nicht drin
lsg0y (13.07.2010, 22:53 Uhr)
Stadien sind nicht eßbar...
Und was fangen Sie jetzt mit den ganzen Stadien an ???
Der Unterhalt wird bald zu teuer werden, dann wird man sie vergammeln lassen.
ganzbaf (13.07.2010, 22:47 Uhr)
Zu den Olympiaden...

werden auch immer die Stadien fertig, das ist kein Kunststück stehen doch Milliardenprofite in Aussicht. Da finden sich immer Investoren die sich eine goldenen Nase verdienen wollen.

Geschäft ist Geschäft und Geld stinkt doch.
chatahootchee (13.07.2010, 21:43 Uhr)
NAIV
Der Artikel faengt so gut und viel versprechend an, dann kommt aber gleich die Kruemelkackerei und die Suche nach dem Negativen. Warum?
MEHR ZUM ARTIKEL
Fußball-WM 2010 Wintertraum in Südafrika

So mancher hatte Zweifel: War es ein Risiko, die Fußball-WM nach Südafrika zu vergeben? Mitnichten! Unser Reporter Klaus Bellstedt ist begeistert. mehr...

Terror-Tröte der Fußball-WM "Neo-Kolonialisten" gegen Vuvuzelas

Das Tröten nimmt kein Ende: Trotz der harschen Kritik der Fußballfans an den Vuvuzelas, denkt die Fifa nicht an ein Verbot des Lärmgeräts bei der WM. Der Ton wird dabei immer rauer. mehr...

Bundesliga 2010/2011 Vuvuzela-Verbot in vier Stadien

Dieses Brummen im Ohr, das man niemals vergisst … Der sonore Vuvuzela-Lärm war das Begleitgeräusch zur Fußball-WM 2010. In einigen Bundesligastadien wurde die Tröte bereits jetzt verboten. Andere Klubs appellieren an die Vernunft der Fußballfans. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe