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Darum liegen Saudi-Arabien und der Iran im Clinch

Es geht um die Vormacht in der Region und es geht um den "wahren Glauben": Der Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien speist sich auch aus der uralten Spaltung des Islam in Sunniten und Schiiten.

Proteste in Teheran

Aufgebrachte Iraner protestieren in Teheran gegen die Hinrichtung des Geistlichen Nimr al Nimr

Die Alawiten sind eine Minderheit in der Minderheit und gelten als liberal. Die Wahabiten sind eine Minderheit in der Mehrheit und gelten als unerbittlich. Beide Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber genau wie die großen Strömungen, denen sie sich zugehörig fühlen. Der Bürgerkrieg in Syrien ist ebenfalls ein Produkt dieses innermuslimischen Konflikts, deren selbsternannte Schutzmächte sich schon seit vielen Jahren Machtprobe um Machtprobe liefern. Können Sie noch folgen?

Die Hinrichtung des Geistlichen Nimr al Nimr in Saudi-Arabien, die darauffolgenden Proteste im Iran und die neue Eiszeit zwischen den beiden Erzfeinden im Nahen Osten sind der neueste Ausbruch einer Dauerrivalität, die seit vielen Jahrzehnten den Nahen Osten in Geiselhaft hält und letztlich auf die Spaltung des Islam zurückgeht. Wie im Christentum gibt es auch im Islam im Wesentlichen zwei Hauptglaubensrichtungen: Die Sunniten stellen mit rund 75 Prozent den größten Teil der Moslems, die Schiiten sind mit rund 15 Prozent die Minderheit. Innerhalb der einzelnen Konfessionen gibt es noch weitere Gruppierungen, wie etwa die Alawiten, deren bekanntester Vertreter Baschar al Assad sein dürfte, der Machthaber Syriens.

Saudis betrachten Schiiten als Ungläubige

Die Trennung in Sunniten und Schiiten begann bereits kurz nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632. Der wesentliche theologische Unterschied besteht in der Frage der rechtmäßigen Führung. Die Schiiten erkennen nur Nachkommen aus Mohammeds Familie an, während die Sunniten auch ein Mitglied aus dem Stamm des Propheten akzeptieren. Extremisten, wie etwa der Islamische Staat (Sunniten), bekämpfen Schiiten als Ungläubige. Auch im wahabitischen, also sunnitischen Saudi-Arabien werden Schiiten nicht als Moslems betrachtet, immer wieder kommt es zu Drangsalierung und Verfolgung. So hatten vor Jahren saudische Behörden schiitische Moscheen geschlossen und Zwangskonversionen versucht. Geistliche wurden gar wegen "Hexerei" verhaftet, 2015 gab es mehrere Anschläge auf schiitische Moscheen - Dutzende Gläubige starben. Das neueste Opfer dieser Diskriminierung, Nimr al Nimr, kämpfte seit Jahren dafür, dass die Gläubigen seiner Konfession mehr Rechte bekommen.

Im Iran und im Irak sind Schiiten in der Mehrheit

Es gibt nur wenige Länder, in denen die Schiiten in der Mehrheit sind. Neben dem Iran sind das noch der Irak, Oman, Libanon und Bahrain , wo es allerdings eines sunnitische Regierung gibt. Vor allem im Iran prägt die Religion seit der islamischen Revolution unter Ajatollah Khomeini 1979 das gesellschaftliche Leben, die Rechtsprechung und die staatlichen Organe. Das Land unterstützt auch schiitische Gruppen wie die Hisbollah im Libanon sowie die syrische Regierung von Baschar al Assad. Im Irak wurde mit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 die empfindliche Balance zwischen Sunniten und Schiiten gestört. Der erste Gewinner der Präsidentschaftswahl, der Schiit Nuri al Maliki, hatte in seinen ersten Amtsjahren nur wenig Rücksicht auf die sunnitische Minderheit (rund 35 Prozent der Bevölkerung) genommen hat. Die Folge: Ein zerfallender Staat, in dem sich der IS breitmachen konnte.

Aber natürlich hat die Erzfeindschaft zwischen Saudi-Arabien und dem Iran auch politische und wirtschaftliche Gründe, die sich unter dem Deckmantel des "wahren Glaubens" besser verkaufen lassen. Die beiden Länder ringen schon seit Jahrzehnten um die Vorherrschaft im Nahen Osten und um ihren Anteil am lukrativen Ölgeschäft. Zudem unterstützen beide Staaten mehr oder weniger offen Terrorgruppen. Der Iran neben der libanesischen Hisbollah etwa auch die Hamas im Gazastreifen. Der saudische Wahabismus wiederum wird wenigstens als geistiger Nährboden für al Kaida betrachtet.

Niels Kruse mit DPA
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