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"Die Deutschen hassen mich"

Elf Stunden hat Susanne Osthoff mit stern-Reportern gesprochen - das erste große Print-Interview seit ihrer Freilassung aus irakischer Geiselhaft. Hier lesen Sie exklusiv einige Passagen.

Zwei Wochen nach ihrer Freilassung publiziert der stern ein ausführliches Interview mit der Archäologin Susanne Osthoff. Sie übt darin zum Teil heftige Kritik an der deutschen Politik und den Medien. "Ich glaube, die Deutschen hassen mich", resümiert Osthoff.

Warum haben Sie sich nach Ihrer Befreiung nicht an die Öffentlichkeit gewandt?

Das wollte ich ja. Als ich nach 24 Tagen Todesangst, Nächten ohne Schlaf schließlich in der deutschen Botschaft in Bagdad war und draußen schon die Journalisten warteten, wollte ich rausgehen, mich bedanken, obwohl ich ziemlich fertig war. Aber der Botschafter und der Mann vom Bundeskriminalamt haben mir abgeraten.

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte Osthof schließlich im arabischen Nachrichtensender al-Jazeera, später gab Sie dem ZDF ein Interview. Sie war dabei bis auf einen Sehschlitz verhüllt und brachte Ihre Sätze zum Teil nicht zuende.

Sie wirkten verwirrt

Ich litt noch unter dem Schlafentzug der Geiselhaft, hatte danach starke Medikamente einnehmen müssen, offenbar bekam ich ein falsches Präparat, das starke Krämpfe auslöste, ich stand schon wieder unter neuem Druck, hatte mein erstes Exil in Dubai verlassen müssen, weil der Regierung dort mein TV-Auftritt nicht passte. Trotzdem habe ich die öffentlichen Sender entlarvt, dass sie nicht an der Wahrheit interessiert sind.

Was ist denn die Wahrheit?

Dass ich mich für den Irak einsetze und für die Menschen dort.

Ausführlich spricht Osthoff im stern auch über ihre 12-jährige Tochter und die schwierige Beziehung zu ihrer Familie. Sie drückt ihr Bedauern darüber aus, dass ihr Bruder bei einem Interviewtermin zusammengebrochen war und in die Psychiatrie eingeliefert werden musste. Zu den Umständen ihrer Entführung sagt Osthoff, dass sie verraten worden sei.

Was genau geschah am Freitag, den 25. November?

Ich kam pünktlich am Treffpunkt an: Aber der Fahrer war nicht da. Das gibt's nicht, normalerweise kommen die eine Stunde vorher, man springt rein und los. [...] Erst um viertel nach sieben kam der schließlich. Das war ein junger Mann, wie ein Lackaffe gekleidet, das war komisch. Er hat sich dann gleich verdächtig gemacht, weil er nicht mal sagen konnte, wer der Oberscheich seines Stammes ist. Und das fragt man doch zuerst! Scheich Dschamal kann mir so einen Flocki nicht vermittelt haben, das war mir klar. Dann fuhr er dort, wo's gefährlich wird, total langsam, und ich überlegte schon, wann könnte ich eventuell noch rausspringen?

Sie sprang nicht und wurde schließlich mit Gewalt aus dem Auto gezerrt und in den Kofferraum eines schwarzen BMW gesteckt. Drei Wochen war sie in der Hand ihrer Entführer und wurde immer wieder von Ort zu Ort verschleppt. Lebensbedrohlich wurde ihre Lage, als ihre Entführer dachten, Osthoff hätte sie verraten.

Wieso das?

Die Gruppe hatte die Info bekommen: Die Frau ist eine jüdische Geheimdienstoffizierin, sie arbeitet für die Amerikaner. Wissen Sie, was das bedeutet für den Irak? Ein Todesurteil! Ncoh mehr Angst bekam ich, als am zwölften Tag ein anderer Emir sagte, es werde demnächst über mich Gericht gehalten. Ich habe erwidert, ich stünde unter keinem Gericht, nur unter Allah. Es gab dann keine Verhandlung oder so, aber jeder wollte mich als Spionin überführen. Einer wollte sogar meine Zahnkronen untersuchen, um drunter nachzuschauen, ob da Spionagegeräte sind, ein GPS-Sender, mit dem ich den Bombern ihre Koordinaten verrate. Am Ende haben sie mir aber geglaubt und sich bei mir entschuldigt.

Die Verhandlungen um ihre Freilassung verzögerten sich, weil es für die Entführer während der Wahl im Irak offenbar unmöglich war, Kontakt zur deutschen Botschaft aufzunehmen. Im stern-Interview schildert Osthoff, wie sie die Verhandlungen erlebte - und lässt sich auch zu der Frage aus, ob Geld geflossen sei. Nach ihrer Freilassung wurde vom BKA verhört. Dann brach die Welle der deutschen Medien über ihr zusammen. Die "Bild" titelte "Irrer TV-Auftritt", die "AZ" fragte: "Wie krank ist Susanne Osthoff?"

Sie sind nun die Leidtragende?

Keiner steht an meiner Seite, alle versuchen, mich als arme Irre darzustellen, die zwischen Bomben und Minen planlos durch den Irak hüpft. Die hätten mich auch von der Botschaft doch einmal in Schutz nehmen können, sagen, ich sei erschöpft und krank. Stattdessen erlebe ich eine Hetzkampagne, als hätte ich Deutschland etwas angetan.

Ob Osthoff wieder in den Irak gehen will, ließ sie im Interview offen. Sie bestritt allerdings auch, ihre Rückkehr auf al-Jazeera angekündigt zu haben. Statt eines Ortes nennt sie ein Wiedersehen mit Ihrer Tochter als wichtigstes Ziel. Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des stern.

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