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1. Dezember 2005, 07:21 Uhr

Bisher kein Kontakt zu den Entführern

Es ist der Bundesregierung noch nicht gelungen, mit den Entführern von Susanne Osthoff im Irak Kontakt aufzunehmen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte außerdem, dass es bisher kein Ultimatum gebe.

Susanne Osthoff im Februar 2004© Peter Hinz-Rosin/AP

Die Bundesregierung hat nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier bislang keinen Kontakt zu den Entführern der Archäologin Susanne Osthoff im Irak. Steinmeier vermied eine Spekulation über die Motivation der Geiselnehmer. Nach bisherigen Informationen über die Täter wolle er sich nicht festlegen, ob die Entführung eher einen kriminellen, auf Lösegeld zielenden oder einen politischen Hintergrund habe. Zu einem Ultimatum, das die Entführer gestellt haben sollen, sagte Steinmeier: "Es gibt keines, was wir als Ultimatum so erkennen." Er bestätigte, dass die Geiselnehmer "uns auffordern, jegliche Unterstützungsleistungen gegenüber dem irakischen Wiederaufbau einzustellen".

"Wir müssen ins Gespräch kommen"

"Wir hatten keinen Kontakt zu den Entführern bisher", sagte der Minister, der sich ständig vom Krisenstab des Auswärtigen Amtes unterrichten lässt. Nach jüngstem Erkenntnisstand "sind wir noch nicht sehr viel weiter". Die Regierung spreche mit Vertretern aus Staaten, die schon mit Geiselnahmen im Irak konfrontiert wurden, um deren Erfahrungen zu nutzen. "Es geht vor allem um die Frage, auf welche Personen gehen wir zu, wem traut man zu, einen Kontakt herstellen zu können." Steinmeier betonte: "Wir müssen ins Gespräch kommen, um die Drucksituation heraus zu bekommen." Die Regierung werde sich um Kontakte bemühen. Das werde mit Augenmaß geschehen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden.

Experten vermuten Kriminelle

Das von den Entführern über die ARD übermittelte Video ist nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" völlig untypisch für ein Bekennervideo islamistischer Terroristen. Nach zwei Tagen Prüfung hätten deutsche Sicherheitsexperten das Band als "improvisiert" und "eher schlicht" charakterisiert, berichtet die Zeitung. Es enthalte auch nicht die Kennungen, die islamistische Terroristen sonst verwendeten. Es könne deshalb sein, dass es sich bei den Entführern Osthoffs um Gelegenheitstäter handele, habe ein Sicherheitsexperte gesagt. Im Irak versuchten viele Kriminelle, durch Aufsehen erregende Aktionen in den Kreis des mutmaßlichen Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zu kommen, auch um Beute - Geld und Waffen - gegen westliche Geiseln zu tauschen. Auch der Irak-Experte Peter Heine von der Humboldt-Universität in Berlin geht bei der Geiselnahme von Susanne Osthoff im Irak von einem kriminellen Hintergrund aus. "Das von der ARD veröffentlichte Standbild sieht mir nicht nach einer radikalislamischen Gruppe aus", sagte Heine der "Berliner Zeitung" einem Vorabbericht zufolge. "Eher nach Gangstern, die Geld erpressen wollen unter dem Vorwand des Patriotismus." Es seien weder Kalligrafien noch Fahnen zu sehen gewesen. Sollte es eine Lösegeldforderung geben, könne er nur raten, "schnellstmöglich zu zahlen, sonst könnten die Kidnapper nervös werden".

Echte Islamisten würden Fahnen und Schriftzeichen zeigen, meinen Experten© ARD/Getty

Nach Informationen des "Tagesspiegel" haben die Entführer möglicherweise Hinweise von Terrorsympathisanten in den irakischen Sicherheitskräften erhalten. Osthoff habe den Behörden mitgeteilt, wann und wohin sie fahren wollte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Das Ziel sei eine Ausgrabungsstätte gewesen, die etwa 300 Kilometer von Bagdad entfernt liegt. "Nachdem ihre Reise angekündigt war, konnte sie leicht ausgespäht werden", hieß es weiter.

Iraks Präsident verurteilt "terroristischen Akt"

Der irakische Präsident Dschalal Talabani hat die Entführung Osthoffs scharf verurteilt und will sich persönlich für ihre Befreiung einsetzen. "Ich verabscheue diesen terroristischen Akt zutiefst und möchte mein tiefes Mitgefühl und meine Solidarität mit der Familie und den Angehörigen der Entführten zum Ausdruck bringen", sagte Talabani der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er wolle alles versuchen, um das Leben der Geisel zu retten. "Wir wollen so schnell wie möglich herausfinden, wo sie sich aufhält, um sie aus der Gewalt der Extremisten zu befreien", betonte der Präsident. Die abscheuliche Tat zeige das wahre Gesicht des Terrors: Deutschland habe weder am Krieg teilgenommen noch handle es sich bei der Geisel um eine Militärangehörige. Die Extremisten wollten nur den Wiederaufbau und den Demokratisierungsprozess im Irak zerstören. Nach Talabanis Einschätzung braucht sein Land die internationale Unterstützung beim Aufbau der Sicherheitskräfte, um derartige Taten zu verhindern. "Wir werden mit der deutschen Regierung in jeder erdenklichen Form zusammenarbeiten, um Susanne Osthoff aus der Geiselhaft zu befreien", sagte Talabani.

DPA/AP
 
 
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