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11. Februar 2010, 19:01 Uhr

Hände weg, Washington!

Es ist ein Paukenschlag: Das EU-Parlament hat das umstrittene Bankdatenabkommen Swift durchfallen lassen - trotz aller diplomatischen Bemühungen der Amerikaner. Die Entscheidung ist ein Signal in Sachen Datenschutz - aber auch eine Machtdemonstration des Parlaments. Von Mirjam Hecking, Brüssel

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Die EU-Parlamentarierin Marie-Christine Vergiat aus Frankreich hat mit 377 Kollegen gegen das Swift-Abkommen gestimmt© Mathieu Cugnot/DPA

Das Votum war eindeutig: Mit 378 gegen 196 Gegenstimmen fiel die Entscheidung der Europaparlamentarier gegen das umstrittene Bankdatenabkommen Swift am Donnerstag klar aus. Unerwartet klar. Danach herrschte in Straßburg kollektive Feierstimmung. Als "historischen Entscheidung für die Demokratie" bejubelten die Parlamentarier die Ablehnung, als "Kehrtwende für die Grundrechte" und den "Anfang vom Ende der Hinterzimmerpolitik".

Doch der "klare Sieg der Demokratie" war lange eine echte Hängepartie. Noch wenige Minuten, bevor das Europaparlament am Donnerstag in Straßburg das Aus für Swift besiegelte, war unklar, ob es überhaupt zu einer Abstimmung kommen würde. Auf Antrag der Fraktion der konservativen EVP wurde vor der Abstimmung über Swift nämlich darüber abgestimmt, ob die Entscheidung doch nicht lieber vertagt werden solle. Und das, sind viele überzeugt, hätte die Chancen für Swift deutlich erhöht.

Ein diplomatisches Feuerwerk der USA

In den letzten Tagen vor der Abstimmung hatten Amerikaner, der Rat und einige europäische Regierungen ein wahres diplomatisches Feuerwerk über den Europaparlamentariern abgeschossen. Ganze Heerscharen von Diplomaten zogen aus, um Widerspenstige auf noch auf Linie zu bringen und Wankelmütige für sich einzunehmen.

Es wurden alle Register gezogen. Von Drohungen, die transatlantischen Beziehungen würden sich ohne Swift in Rauch auflösen bis zu Zuweisung von Mitschuld an potenziellen künftigen Anschlägen. Alles war dabei. Im letzten Moment schaltete sich sogar US-Außenminister Hillary Clinton persönlich ein.

Und auch argumentativ fuhren Rat und Regierungen schweres Geschütz auf. Eigentlich gehe es gar nicht um die Daten der Europäer, argumentierten die Amerikaner. Der Großteil der interessanten Daten stamme aus dem Nahen Osten. Und kurz vor knapp präsentierte dann auch noch der französische Ermittlungsrichter und gefeierte Terroristenjäger Jean-Louis Bruguière eine umstrittene Liste - mit Beispielen, bei denen Swift-Daten angeblich bei der Enttarnung von Terroristen geholfen haben sollen. Allen voran führte er den Ermittlungserfolg gegen die so genannte Sauerlandgruppe auf.

Nicht wenige Parlamentarier fühlten sich erpresst. Bei vielen hinterließ die Dauerbefeuerung aber auch Spuren. Sie waren bereit, das Abkommen mit einzelnen Änderungen doch noch durchgehen zu lassen. Nur knapp sprachen sich die Abgeordneten dann doch noch für eine Abstimmung am Donnerstag aus.

Eine tiefe Kluft zwischen Europa und den USA

Und die zeigte klar: Was die Einstellung zu den Grundrechten angeht, klafft zwischen Europa und den USA eine tiefe Lücke. Ein Abkommen, bei denen die USA unbegrenzten Zugriff auf europäische Daten haben und die Betroffenen keine Möglichkeit haben, sich gegen den Eingriff in ihre Privatsphäre zu wehren, hat hier keine Chance. Das müssen auch die Amerikaner künftig respektieren.

Während die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier nach der Abstimmung die EU aufrief, mit Hilfe der USA ein eigenes System zur Rückverfolgung verdächtiger Finanzströme zu entwickeln und bis dahin für ein entschärftes Swift-Abkommen plädierte, geht die Linke viel weiter. Sie will grundsätzlicher darüber nachdenken, wie weit Terrorfahnder gehen dürfen. "Wir müssen auswerten, was überhaupt wirksam und verhältnismäßig ist", sagte der Grünen Innenexperte Jan Philipp Albrecht stern.de. "Wir können nicht jeden unter Generalverdacht stellen." Wie es mit Swift weitergeht, bleibt also offen. Klar ist durch die Entscheidung aber eines geworden: Kommission und Regierungen können nicht länger an ihren Bürgern vorbei Entscheidungen treffen. Daran müssen sie sich erst einmal gewöhnen. Das Europaparlament ist gerade dabei, seinen Mitspracheanspruch zu verdeutlichen. Das jedenfalls hat die Entscheidung in Straßburg gezeigt.

Von Mirjam Hecking, Brüssel
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Gisella (13.02.2010, 11:11 Uhr)
Gut, daß
Europa endlich mit einer stimme gesprochen hat. so sollte es auf allen ebenen sein-aussenpolitik: ein EU gewählter aussenminister u.s.w. obwohl Eu -jedes land kocht das "eigene süppchen". aber, ist ja auch jobbeschaffung-oder.
vaater (12.02.2010, 18:11 Uhr)
@Aaron71, Meilenstein der Demokratie?
Kurz vorher haben noch die Regierungschefs aller EU LÄnder diesem unsäglichem Vorhaben der USA zugestimmt. Die Länderparlamente wurden erst garnicht gefragt. WAS hat das mit Demokratie zu tun?
Warum hat Frau Merkel dafür gestimmt? Was ist die Motivation dieser feinen Dame, ihre Landsleute an die USA auszuliefern?
Kroko (12.02.2010, 14:12 Uhr)
Schon traurig,
daß eine solche Forderung der Amerikaner von einer undemokratisch zustandengekommenen "Organisation" abgeschmettert werden muß.

Das wäre für Deutschland etwa Aufgabe von hähähä Westerwelle gewesen.


Ein politisches Europa gehört vom Volk direkt legitimiert. Solange das nicht geschehen ist, ist jede Entscheidung auf europäischer Ebene illegitim und wird, was mich angeht, ignoriert.
cokommentator (12.02.2010, 11:17 Uhr)
Was die USA interessiert...
...sind sicher nicht Terroristen, die in den EU-Staaten etwas anstellen. Die lassen sich höchstens für legalen Datenklau nutzen. Es geht in erster Linie um Wirtschaftsinformationen. Und ergänzend um eine Staatsparanoia. Es gibt außer den diktatorisch geführten Staaten keinen auf der Welt, der so paranoid ist. Sie fühlen sich auch immer noch nicht ernst genommen, in/von der "alten Welt".
Aaron71 (12.02.2010, 01:13 Uhr)
Wo sind die ganzen linken und rechten Schwadroneure
die hier bar jeder Kenntnis noch vor kurzem gegen den Vertrag von Lissabon gegeifert haben? Diesem Vertrag verdanken wir diesen Meilenstein Europäischer Demokratie.
Heinerich (12.02.2010, 00:53 Uhr)
Super Europa, endlich mal ein Zeichen
der Gemeinschaft, dass die USA hier in UNSERM Bereich nicht mehr ihre Cowboy Manieren durchsetzen kann.
brigitteramsau (11.02.2010, 23:20 Uhr)
Danke EU!
Hier noch eine weitere Information. Die Schweizer Banken benutzen zusammen mit den asiatischen Regionen seit dem Ende des letzten Jahres ein eigenes SWIFT-System das nicht mehr von den USA oder von FBI Agenten eingesehen werden kann.

Demnaechst werden die USA aus Sicherheitsgruenden auch die Konstruktionsplaene von Airbus einfordern.

Die USA sind kein Rechtsstaat mehr, sondern eine terroristische Gruppe denen man auch den Zugang zu Interpol-Daten verweigern muss.
Johann58 (11.02.2010, 21:58 Uhr)
Ich stelle dabei wieder mal eines fest
die USA haben ein anderes Demokratieverstaendnis und definieren den Begriff Freiheit anders als weite Teile Europas. Die lueckenlose Ueberwachung ist ausgepraegter und wird von vielen als voellig normal betrachtet. Viele Daten auch persoenliche Daten sind im Internet abrufbar. Es ist voellig problemlos nachzuvollziehen wo jemand bisher gelebt, wie viel Steuern er fuer sein Haus bezahlt, welche sogenannten Public Records ueber sein Vorleben existieren, Vorstrafen jegliche Art von Verkehrsdelikten usw. usw. durch die SSN kann ein Arbeitgeber und nicht nur der absolut lueckenlos das gesamt Leben eines Buergers nachvollziehen und kein Mensch denkt dabei irgendetwas negatives. So gesehen wundert sich das offizielle Amerika natuerlich ueber die Europaeer, die sich das so nicht bieten lassen wollen. Die US Amerikaner kennen es nicht anders. Da die Daten von den Banken allerdings gesammelt werden und ueber ich weiss nicht wie lange aufbewahrt werden, kann man das was man beabsichtigt im Verdachtsfall trotzdem machen. 9/11 hat die USA aufgeschreckt, man sammelt Daten ohne Ende nach dem Motto man weiss ja nie (just in case wie die Amerikaner sagen) und es wird immer schwieriger und unuebersichtlich was man mit der Datenflut anstellen kann.
lettmann (11.02.2010, 21:29 Uhr)
Hallelujah auf der einen Seite...
Es ist ja fast nicht zu glauben. Mein Gott Swift ist ausgesetzt! Bis 2006 hatten die USA illegal die Daten durchforstet, als es auffiel wurde es "halt geregelt".
Es ist die erste gute Nachricht, die ich vom Kropf Europaparlment in meinem Leben höre. Vielleicht führt ja der Lissabon-Vertrag langsam zu einem "demokratischen Mitbestimmungsgefühl".
Unfassbar finde ich allerdings, dass die USA den Parlamentariern gedroht haben. Hallo? Wo sind wir denn? Die USA möchten eine Generalvollmacht zum Einblick auf die europäischen Geldbörsen und drohen uns, wenn man das nicht will? Unglaublich! Das ist keine Beziehung auf Augenhöhre scheint es. Warum haben sie nicht einen fairen Deal vereinbart? Mit gleichen Rechten für beide Seiten?

Als nächstes (!aufgepasst!!Satire!!) wird folgendes passieren: Irgendwo in Europa wird ein Unglück ,ein Attentat oder irgendetwas passieren. Da lassen sich die amerikanischen "Sicherheitsberater" sicherlich was einfallen. Dann werden die USA hinterher "herausbekommen",dass es verhindert worden wäre, wenn sie uns als großer Bruder, ins Portemannaie geschaut hätten. Ich hoffe die Parlamentarier bleiben dann immer noch ihrer Haltung zu europäischen Grundrechten treu!
Wir haben schließlich eigene Ermittlungsbehörden und sind nicht gerade von den Bäumen runtergeklettert!
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