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Die Namen der Toten, das Leid der Lebenden

Menschen sterben in Syrien. Durch Bomben. Und Giftgas. Die Welt schaut zu. Kann oder will nicht eingreifen. Für die Toten kann man nichts mehr tun. Außer ihrer gedenken. Aber den Lebenden muss jetzt endlich geholfen werden. Von stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen

Drei Kinder in Chan Scheichun, Syrien

Drei Kinder in Chan Scheichun, Syrien

Ahmad Abd al-Hamid al-Jussuf, neun Monate alt.

Umar Jassir al-Jussuf, sieben Jahre alt.

Aya Abd al-hamid al-Jussuf, neun Monate alt.

Diese Kinder sind tot. Alle aus derselben Familie. Ermordet am 4. April 2017. In Chan Scheichun, in der Provinz Idlib. . Bei einem Angriff mit Giftgas. Sie starben um 6.50 Uhr. Ihr Leben endete, bevor der Tag begonnen hatte.

Drei von hunderttausenden Opfern. Frauen, , Männer. Brüder, Schwestern, Mütter, Väter, Großeltern. Umgebracht von einem wahnsinnigen Diktator. Seinen Schergen, Helfern und Unterstützern. Unter den Augen der Welt. Die nichts gegen das Morden und Leid tun kann – oder will.

Auf einer Reise nach Jerusalem traf ich letztes Jahr eine Überlebende des Holocausts. Einer aus unserer Reisegruppe fragte sie: "Glauben Sie, dass die sozialen Netzwerke und Medien dafür verantwortlich sind, dass so ein schreckliches Verbrechen heute nicht mehr passieren kann?" Die Dame, über 100 Jahre alt, schaute kurz auf und sagte: "Was meinen Sie? Es passiert. Jeden Tag. Schauen Sie doch nur nach Syrien. Und wir alle, die nichts tun, laden Schuld auf uns."

Sie hat Recht.

Wir alle laden historische Schuld auf uns. Das müssen wir ändern. Den muss endlich geholfen werden. Vor Ort. Mit allen Mitteln. Auch militärischen. Und wir, in ganz Europa, müssen die unterstützen und willkommen heißen, die es zu uns schaffen. Egal, wie groß die Herausforderung ist.

Für die Hunderttausenden von Toten können wir nichts mehr tun. Außer ihrer gedenken. Ihre Namen nicht vergessen. Darum lassen wir ab heute oben auf der Seite die Namen der Ermordeten des Krieges in Syrien laufen. Beginnend mit den Opfern des letzten Giftgasangriffs von Assad. Wir aktualisieren die Namen, sobald wir vertrauenswürdigere Informationen von vor Ort bekommen. Jeweils bestätigt von zwei unabhängigen Quellen. Nicht, um uns von ihnen zu verabschieden. Sondern, um die Menschen, denen ihr Leben geraubt wurde, so lange wie möglich bei uns zu behalten. Wie lange? Eine Woche? Einen Monat? Ein Jahr?

Ich weiß es nicht. Am besten so lange, bis sich endlich etwas ändert.


Helfen Sie zusammen mit Stiftung stern und Orienthelfer e.V.

Um den Menschen in Syrien zu helfen, arbeitet Stiftung stern mit dem Verein Orienthelfer e.V. zusammen. Dessen Gründer Christian "Fonsi" Springer und sein Freiwilligenteam fahren seit Dezember 2011 regelmäßig in den Libanon und nach Jordanien, um dort syrische Flüchtlinge zu unterstützen. Wenn Sie diese Arbeit unterstützen möchten, können Sie über Stiftung stern e.V. spenden. Stiftung stern e.V. behält die Kontrolle über die ordnungsgemäße Verwendung der vom Verein gegebenen Mittel.

Von stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen
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