Erdogan lastet Damaskus Einsatz von Chemiewaffen an

10. Mai 2013, 13:40 Uhr

Ankara verschärft den Ton gegenüber Damaskus. Ministerpräsident Erdogan sagt, das syrische Regime setze Chemiewaffen in dem Konflikt ein - die USA müssten handeln. Die Hisbollah droht derweil Israel.

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Eine Rauchwolke markiert während eines Gefechts zwischen Assad-Truppen und Opposition den Ort eines Granaten-Einschlags©

In der Syrien-Krise verschärfen die regionalen Konfliktparteien den Ton. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte dem US-Sender NBC, die von den USA gezogene rote Linie zum Einsatz von Chemiewaffen sei von Syriens Regime längst überschritten. Er forderte Washington zum Handeln auf. Die libanesische Schiitenpartei Hisbollah kündigte derweil eine deutliche Aufrüstung an - und provozierte damit Israel.

"Es ist klar, dass das Regime (von Präsident Baschar al Assad) chemische Waffen und Raketen eingesetzt hat", sagte Erdogan am Donnerstag (Ortszeit). Er verwies auf Teile von Raketen, die man gefunden habe und die auf eine Bestückung mit Kampfstoffen schließen ließen. Außerdem seien bei verletzten syrischen Flüchtlingen entsprechende Symptome festgestellt worden. Einzelheiten oder Zeitpunkt des angeblichen Einsatzes nannte er nicht. Ankara unterstützt in dem Konflikt die syrische Opposition.

Die türkische Regierung schickte nun Experten an die syrische Grenze, die dort Flüchtlinge auf mögliche Verletzungen durch chemische und biologische Waffen untersuchen sollen. Das Team sei am Grenzübergang Cilvegözü (Provinz Hatay) stationiert und nehme dort auch Blutproben, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Ende April hatten besonders ausgerüstete Ärzte dort bereits Flüchtlinge wegen des Verdachts auf Vergiftung durch Chemiewaffen behandelt. Türkische Medien hatten berichtet, der Verdacht habe sich jedoch nicht betätigt.

USA sollen mehr Verantwortung übernehmen

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von chemischen Waffen durch die syrische Regierung als rote Linie bezeichnet und dem Assad-Regime mit schwerwiegenden Konsequenzen gedroht. Erdogan forderte die US-Regierung auf, in dem Konflikt "mehr Verantwortung zu übernehmen und weitere Schritte zu unternehmen". Darüber wolle er mit Obama bei einem Treffen in der kommenden Woche beraten.

Carla del Ponte, Mitglied der UN-Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in Syrien, hatte am Sonntag hingegen gesagt, es gebe Hinweise, dass syrische Rebellen das Giftgas Sarin eingesetzt haben. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Washington reagierte mit großer Skepsis auf die Erklärung. Die UN-Kommission relativierte die Aussagen später und erklärte, es gebe "keine beweiskräftigen Ermittlungsergebnisse für einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien durch irgendeine der an dem Konflikt beteiligten Parteien".

Die libanesische Hisbollah machte derweil Israel wegen der jüngsten Luftschläge in Syrien eine Kampfansage. Der Generalsekretär der radikal-islamischen Bewegung, Hassan Nasrallah, sagte am Donnerstagabend bei einer Fernsehansprache, seine Organisation sei bereit für Waffenlieferungen aus Syrien, die die militärische Balance im Nahen Osten verändern würden. Israel hatte zuvor Lieferungen von Chemiewaffen sowie von hochmodernem Militärgerät an die Hisbollah als "rote Linie" bezeichnet, die die Armee zum Eingreifen zwingen würde.

Konflikt forderte bereits über 70.000 Todesopfer

Am vergangenen Wochenende war in Syrien laut Medienberichten ein Waffentransport an die Hisbollah bombardiert worden, die dem Assad-Regime nahe steht. Mit dem Luftschlag habe Israel die Lieferung hochmoderner Raketen an den Erzfeind im Libanon verhindern wollen, hieß es. Die Hisbollah sieht sich als Kraft des "Widerstands" gegen Israel.

Der seit mehr als zwei Jahren andauernde Syrien-Konflikt hat nach Einschätzung der UN bereits mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet. Auch am Freitag dauerten die Kämpfe an. Laut Aktivisten kamen bis zum frühen Nachmittag mindestens 30 Menschen ums Leben unter anderem in Hama, Aleppo, Homs und im Großraum Damaskus.

ger/DPA
 
 
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