Dutzende Menschen sterben bei Anschlag in der Türkei

11. Mai 2013, 16:30 Uhr

Bei Explosionen an der türkischen Grenze zu Syrien sind mehr als 40 Menschen getötet worden. Außenminister Ahmet Davutoglu glaubt an einen Zusammenhang mit dem Syrien-Konflikt.

Bei mehreren Anschlägen in einer türkischen Ortschaft nahe der Grenze zu Syrien sind am Samstag mehr als 40 Menschen getötet worden. Das berichtete das türkische Fernsehen unter Berufung auf Ministerangaben. Zuvor waren die Behörden von 18 Toten ausgegangen. Zudem gebe es mindestens 100 Verletzte, sagte der türkische Innenminister Muammer Güler dem türkischen Nachrichtensender NTV. Der Minister sagte demnach, die Opferzahlen könnten noch steigen. Der Zustand von 29 Verletzten sei ernst.

Wie die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Innenminister Muammer Güler berichtete, explodierten zwei mit Sprengstoff präparierte Autos in der Grenzstadt Reyhanli unweit eines Verwaltungsgebäudes. Nach anderen Berichten gab es insgesamt vier Explosionen in der Kleinstadt. Auch Gebäude wurden schwer beschädigt.

Wer hinter dem Anschlag steckt, war zunächst unklar. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bewertete die Taten als gezielt gegen sein Land gerichtete Provokationen. "Niemand sollte unsere Macht testen. Unsere Sicherheitskräfte werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen", sagte Davutoglu, der am Samstag in Berlin weilte. Es sei kein Zufall, dass sich der Anschlag genau zu dem Zeitpunkt ereigne, zu dem sich die diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Syrien-Konflikts intensivierten.

Rathaus schwer beschädigt

Der Nachrichtensender NTV meldete vier Detonationen nahe dem Rathaus der Grenzstadt Reyhanli, die acht Kilometer von einem wichtigen Grenzübergang nach Syrien entfernt liegt. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete hingegen, zwei mit Sprengstoff präparierte Fahrzeuge seien gegen 13.55 Uhr Ortszeit (12.55 Uhr MESZ) vor dem Rathaus und dem Postgebäude explodiert. Dem TV-Kanal CNN Türk zufolge eilten mehrere Rettungswagen nach Reyhanli, um den Verletzten zu helfen. Das Rathaus der 60.000-Einwohner-Stadt sei durch die Wucht der Explosion schwer beschädigt worden. Bei Reyhanli liegt der türkische Grenzposten Cilvegozu, gegenüber befindet sich der syrische Übergang Bab al Hawa.

Als Reaktion auf die Anschläge soll es in dem Ort auch zu Übergriffen der türkischen Bevölkerung auf syrische Flüchtlinge und auf Autos mit syrischen Kennzeichen gekommen sein. Syrische Revolutionäre kommentierten die Tat indes mit den Worten "Assads Geschenk an Reyhanli".

Es handelt sich um den bislang schwersten Zwischenfall in der Region seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad im März 2011 im Nachbarland. Im Februar waren bei einem Autobombenanschlag auf den Grenzposten Cilvegozu 17 Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden. Ankara machte den syrischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich. Die Türkei steht auf der Seite der syrischen Aufständischen und hat zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien untergebracht. Erst jüngst hatte Ankara den Kurs gegen Damaskus noch einmal verschärft.

Türkei wirft Assad Einsatz von Chemiewaffen vor

Jüngst hat Ankara den Kurs gegen Assad verschärft. Ministerpräsident RecepT Tayyip Erdogan sagte in einem Interview mit dem US-Sender NBC, die von den USA gezogene rote Linie zum Einsatz von Chemiewaffen sei von Syriens Regime längst überschritten und forderte Washington zum Handeln auf.

US-Außenminister John Kerry setzt allerdings trotz "starker Beweise" für einen Chemiewaffeneinsatz syrischer Regierungstruppen gegen die Aufständischen auf eine diplomatische Lösung. Wenn sich alle Seiten verantwortungsbewusst und verständigungsbereit zeigten, sei eine friedliche Beendigung des blutigen Bürgerkriegs möglich, sagte Kerry am Freitag (Ortszeit) in einem vom Internetkonzern Google, dem Sender NBC und dem US-Außenministerium veranstalteten Online-Chat.

Russland und die USA hatten sich Anfang der Woche auf die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Beendigung des blutigen Bürgerkriegs in Syrien verständigt. Zu der Konferenz in Genf sollen alle an dem Konflikt beteiligten Gruppen aus Syrien kommen. Allerdings wird die Veranstaltung wohl nicht, wie geplant, im Mai stattfinden. Es gebe bislang keine Verständigung zwischen Russland und dem Westen über das Format und die Teilnehmer, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf russische Regierungskreise. Der Aufstand gegen Assad in Syrien hat nach UN-Schätzungen inzwischen mehr als 70 000 Menschen das Leben gekostet.

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