. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
12. März 2002, 00:00 Uhr

Rambo will die Welt beherrschen

Die USA sehnen sich nach imperialem Glanz. Reagan startet ein gigantisches Rüstungsprogramm. Nach dem Zerfall der UdSSR ist Amerika die letzte Supermacht. Aufschwung unter Clinton: Keiner interessiert sich mehr für Politik - bis 9/11.

Unter Bill Clinton erlebt das Land einen beispiellosen Wirtschaftsaufschwung - und der Penis des Präsidenten wird Party-Talk© AP

Der Himmel über Washington leuchtet in Rot, Weiß und Blau, den amerikanischen Nationalfarben. Es regnet glühende Sternchen. Das Krachen der Böller und Raketen ist in der ganzen Innenstadt zu hören. Am Abend des 17. Januar 1981 erlebt die Hauptstadt das teuerste Feuerwerk ihrer Geschichte. Es ist der Auftakt zu einer viertägigen Extravaganza, der Amtseinführung des 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan.

Aus dem ganzen Land kommen seine Freunde und Förderer; der konservative Geldadel der USA ist angereist, um die Machtübernahme ihres Kandidaten zu feiern. Sie essen Kaviar und trinken 14 400 Flaschen Champagner und tanzen sich auf Dutzenden von pompösen Bällen die Füße wund. Der führende Partyservice serviert über 400 000 Hors doeuvres. Die Feiern verschlingen mehr als 16 Millionen US-Dollar, dreimal so viel wie die Amtseinführung von Jimmy Carter vier Jahre zuvor. Allein Nancy Reagans Abendgarderobe ist fast 50 000 Dollar wert. Dass zur selben Zeit auf den Straßen der Hauptstadt Tausende von Obdachlosen in Pappkartons schlafen, 30 Millionen Amerikaner in Armut leben, 7,5 Millionen ohne Arbeit sind, stört die wenigsten. Auf diesen Tag haben Amerikas Konservative zu lange gewartet. Sie wollen ihn sich nicht vermiesen lassen.

Es ist zwölf Uhr eins am Mittag des 20. Januar, als Ronald Reagan vor dem Capitol die linke Hand auf die Bibel legt und die rechte zum Schwur hebt. In der Ferne sieht er die Denkmäler seiner mythischen Vorgänger, Abraham Lincoln und George Washington. Ronald Reagan lächelt kurz, der Stolz über diesen Augenblick ist ihm anzusehen.

"Wir sind nicht, wie uns manche weismachen wollen, zum Niedergang verurteilt", ruft der fast 70-Jährige in der Antrittsrede seinen 250 Millionen Landsleuten zu. "Wir sind eine zu große Nation, um uns auf kleine Träume zu beschränken. Die Ära der Selbstzweifel ist vorüber." Die Ansprache ist kurz und genau das, was Amerika in diesem Augenblick hören will.

Die vergangenen 20 Jahre haben dem amerikanischen Nimbus, Gottes auserwähltes Land zu sein, schwer zugesetzt. Die Gesellschaft ist von Zweifeln geplagt. Die Niederlage in Vietnam, der Einmarsch sowjetischer Soldaten in Afghanistan und die Geiselnahme von Amerikanern im Iran haben das Selbstbewusstsein erschüttert. Nach den Rassenunruhen der sechziger Jahre und dem Watergate-Skandal konnte auch der glücklose Präsident Carter den Glauben an das politische System der USA und seine Überlegenheit nicht erneuern. Hinzu kommt die Wirtschaftskrise: Mehr als 20 Prozent Inflation, die höchste Rate in Friedenszeiten, und die höchsten Zinsen seit dem Bürgerkrieg setzen den Bürgern zu. In der Rangliste der reichsten Nationen ist Amerika hinter die Schweiz, Westdeutschland, Belgien und Skandinavien zurückgefallen.

Ein Mythos gegen Missmut und Misere

Reagan setzt gegen Missmut und Misere den Mythos vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Er will die Militärausgaben drastisch erhöhen und Amerika wieder zur führenden Weltmacht machen. Er will "das Reich des Bösen", die Sowjetunion, bekämpfen. Er will die Steuern senken und die Aufgaben des Staates einschränken: "Regierung und Behörden sind nicht die Antwort, sie sind das Problem."

Und der ewig gut gelaunte Sonnyboy aus Kalifornien hält, was er verspricht. Als erste Amtshandlung verfügt er einen Einstellungsstopp für alle Staatsangestellten. Er erhöht den Verteidigungshaushalt in den folgenden Jahren um 750 Milliarden Dollar, setzt mit 25 Prozent die größte Steuersenkung in der amerikanischen Geschichte durch, vor allem zum Wohle der Besserverdienenden. Und er prophezeit, dass der Haushalt in drei Jahren ausgeglichen sein wird. Da ist sogar David Stockman, Reagans Budgetdirektor, ratlos: "Keiner von uns versteht, wie das funktioniert mit all diesen Zahlen", gesteht er im November 1981 in einem Interview.

Die Amerikaner sind begeistert von ihrem neuen Präsidenten. Und das, obwohl die Mehrheit seine rechten innenpolitischen Ansichten nicht teilt. In Umfragen erklären sie immer wieder, dass sie gegen höhere Rüstungsausgaben und für mehr Regierungsprogramme im Bildungs- und Gesundheitswesen sind. Gegen niedrigere Steuern für die Reichen und für striktere Waffengesetze - im Gegensatz zu ihrem Präsidenten.

Dennoch setzt sich Reagan durch, sogar mit Hilfe des Repräsentantenhauses, das eigentlich seine Gegner von der Demokratischen Partei beherrschen. Der ehemalige Hollywood-Schauspieler versteht sich wie kein anderer auf die Politik per Fernseher und die Kunst der politischen Propaganda. Er ist der perfekte Präsident für das TV-Zeitalter. Im persönlichen Umgang oft eher kühl und distanziert, erscheint er auf dem Bildschirm warm und verbindlich. Dort wirken sein Charme und seine optimistische Ausstrahlung so überzeugend, dass ihm seine Landsleute folgen, selbst wenn sie anderer Meinung sind. "Ich hoffe nur", sagt ein frustrierter demokratischer Kongressabgeordneter, "Reagan tritt nicht eines Tages vor das Volk und erklärt, dass wir alle aufhören sollen, Sex zu haben."

Einmarsch auf der Trauminsel

Grenada im Oktober 1983: Auf der karibischen Insel von der Größe Washingtons ist bei einem Machtkampf innerhalb der Regierung der moderate Ministerpräsident Maurice Bishop von kommunistischen Hardlinern ermordet worden. Zwei Wochen später landen im Schutze der Nacht mehrere Schlauchboote in einer Bucht nahe der Hauptstadt St. George's. Über den weißen Strand schleichen 22 amerikanische Elitesoldaten. Sie sollen im Handstreich den lokalen Radiosender besetzen. Der Vorhut folgt wenige Tage später eine Streitkraft von 7600 Infantristen und Fallschirmspringern.

Kampfhubschrauber jagen über Palmenwipfel, Schiffskanonen beschießen Dörfer der Einheimischen. Unter dem Vorwand, mehrere hundert auf Grenada lebende Landsleute in Sicherheit zu bringen, erobern die GIs die Insel. Bei dem Überfall (Codename: "Geballte Wut") nehmen die Amerikaner etwa tausend kubanische Bauarbeiter fest, die einen Flughafen errichten, dazu einige Entwicklungshelfer aus dem Ostblock. Für Reagan Beweis genug, dass Grenada dabei war, ein sowjetischer Satellitenstaat zu werden.

"Wir haben demonstriert, dass die mächtigste Nation der Erde die schwächste besiegen kann", lästert der demokratische Politiker George McGovern. Mit seinem Spott steht er allein. Reagan hat sein Volk richtig eingeschätzt. Die Demonstration von Stärke, der Aufruf, Freiheit und Demokratie zu verteidigen, der Appell an Amerikas Sendungsbewusstsein finden überwältigende Zustimmung. Acht Jahre nach der Schmach in Vietnam endlich ein Triumph. "Unser tapferes Militär hat jene Liebe zur Freiheit und jenen persönlichen Mut gezeigt, die unsere Nation groß und frei gemacht haben", erklärt Reagan.

  zurück
1 2 3
 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch