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21. Januar 2009, 07:33 Uhr

Obama stoppt Guantánamo-Prozesse

Kaum vereidigt, legt der neue US-Präsident los: Barack Obama hat sein erstes Wahlversprechen eingelöst und angeordnet, die Terrorismus-Verfahren im höchst umstrittenen Gefangenenlager Guantánamo auszusetzen. Ein Richter soll noch im Laufe des Tages über einen entsprechenden Antrag des Pentagons entscheiden.

Barack Obama, Washington, US-Präsident, Guantanamo, Kuba

Derzeit halten die USA noch 245 Terrorverdächtige in Guantánamo fest. Das Archivbild zeigt eine Szene aus dem Gefangenenlager auf Kuba© Shane T. McCoy/DPA

Der neue US-Präsident Barack Obama will sämtliche Terrorismus-Verfahren im umstrittenen Gefangenenlager Guantánamo Bay sofort auf Eis legen. In einer seiner ersten Amtshandlungen nach seiner Vereidigung am Dienstag wies er die Ankläger aus dem Pentagon an, bei den zuständigen Militär-Sondergerichten eine vorläufige Aussetzung für 120 Tage zu beantragen, wie US-Medien in der Nacht zum Mittwoch berichteten. In dieser Zeitspanne soll demnach das derzeitige Prozess-System gegen mutmaßliche Terroristen in Guantánamo generell und in Einzelfällen geprüft werden.

Beim Verfahren gegen den als "Kindersoldaten" bekannten Kanadier Omar Khadr wurde die Vorgabe Obamas bereits von einem Militärrichter im Gefangenenlager umgesetzt. Von den weiteren richterlichen Entscheidungen dürften auch anhängige Verfahren gegen fünf mutmaßliche Hintermänner der Anschläge vom 11. September betroffen sein. Ein Prozess gegen sie war bisher für dieses Jahr geplant.

Mit seiner Anweisung leitete Obama die Einlösung eines Wahlkampfversprechens ein, dem zufolge er das international umstrittene Lager auf Kuba rasch schließen will. Verteidigungsminister Robert Gates, der bereits unter George W. Bush Pentagon-Chef war und unter Obama im Amt bleibt, hatte bereits vor Wochen mit der Prüfung der dazu nötigen Schritte begonnen. Die Aussetzung der Verfahren solle "im Interesse der Gerechtigkeit" erfolgen, heißt es in dem Antrag des Pentagons. Mit einer sofortigen Einstellung der bisherigen Praxis der Verfahren wäre den Interessen der Justiz am besten gedient, heißt es in dem zweiseitigen Dokument.

Noch 245 Terrorverdächtige in Guantánamo

Zurzeit befinden sich noch etwa 245 Häftlinge in Guantánamo, darunter rund 20, die inzwischen als Kriegsverbrecher vor sogenannten Militärkommissionen angeklagt sind. Nach einer Schließung von Guantànamo könnten alle Gefangenen vor ordentlichen Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden. Unter Gates' Führung war bereits begonnen worden, Länder für die Aufnahme von etwa 50 offensichtlich unschuldigen Gefangenen zu finden, denen bei einer Rückkehr in ihre Heimat Folter drohen würde.

Die Guantànamo-Frage dürfte auch den Druck auf Deutschland erhöhen, entlassene Gefangene aufzunehmen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wies einen Vorstoß von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zurück, eine Aufnahme dieser Häftlinge zu prüfen. "Der Außenminister ist der Außenminister. Zuständig sind die Innenminister von Bund und Ländern. Das kann jeder im Aufenthaltsrecht nachlesen", sagte Schäuble der "Frankfurter Rundschau". In der Sache zeigte er sich unnachgiebig: "Wenn sie aus Ländern kommen, in die sie aus Menschenrechtsgründen nicht zurückkehren können, müssen sie eben in den USA bleiben."

Obama stand wegen eines unmittelbar bevorstehenden Prozesses gegen den Kanadier Omar Khadr unter besonderem Zeitdruck. Sein Fall gilt als besonders spektakulär: Khadr war im Alter von erst 15 Jahren in Afghanistan gefangen genommen worden und soll einen US-Soldaten getötet haben. Der Verteidigung zufolge wurde er während der Verhöre schwer misshandelt und zu Falschaussagen gezwungen. Erst vor kurzem war auch von offizieller US-Seite erstmals Folter eines Gefangenen zugegeben worden.

Das Lager in Guantánamo besteht seit sieben Jahren. Es war nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet worden und ist seitdem international immer wieder als ein Schandfleck kritisiert worden. Als "unrechtmäßige Kämpfer" eingestufte Terrorverdächtige werden dort zum Teil schon seit Anfang 2002 ohne Anklage oder Prozess festgehalten. Für die etwaige Aburteilung wurden unter der Regierung von Obamas Vorgänger George W. Bush sogenannte Militärkommissionen geschaffen. In Verfahren vor diesen Sondergerichten haben Angeklagte deutlich weniger Rechte als in Prozessen vor Zivil- oder normalen Militärgerichten.

DPA/AP/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
O.Bi (21.01.2009, 19:26 Uhr)
@OnceKnown (11 Uhr)
SIE kämpfen gegen einen Feind, der sich weder um Menschenrechte noch um die Landkriegsordnung einen feuchten Dreck schert. SIE kämpfen gegen einen Feind, der sich nicht zu schade ist auch gerne mal einen Entwicklungshelfer oder eine Nonne zu köpfen. SIE kämpfen gegen einen Feind, ………………
----
SIE und die Anderen haben aber vergessen, dass SIE in DEREN Land, in DEREN Häusern ohne eingeladen zu sein, gekommen sind und kämpfen und DEREN Kinder, Frauen, Mütter, Väter, Nachbarn, … umbringen.
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Wie sollen DIE mit Terroristen (zivilisierten IHNEN und Co) umgehen?
Warum ist aus Bundeswehr (Verteidigung beim Überfall) eine Wehrmacht (Überfall anderer Länder) geworden?
Reality (21.01.2009, 17:58 Uhr)
Wenn wir uns nicht an Recht und Gesetz halten...
sind morgen wir die die als Terroristen angeklagt, verhaftet und gefoltert werden.
Dies an alle jene die so leicht über Leute urteilen die des Terrorismus angeklagt sind.
Im übrigen wäre es mal sehr interessant zu erfahren wer diese Leute zum Terrorismus gebracht hat.
Wer die Hintermänner sind.
Immerhin hat Amerika die Taliban massiv mit Waffen ausgerüstet als dies noch für sie günstig war.
Jetzt wo sich das Blatt gewendet hat und man so gerne dieses Land als Transitland für ÖL & Gaslieferungen verwenden würde, will man mit diesen Leuten nichts mehr zu tun haben, man möchte nicht teilen mit ihnen und da trifft es sich gut sie als Terroristen zu bezeichnen.
Was für eine verkommenen Welt.!
ashcroft_house (21.01.2009, 16:09 Uhr)
Mittelalter
Ein 15-jaehriges Kind wird gefoltert und dessen (Falsch-)Aussagen auch noch gegen ihn verwendet. Leben wir eigentlich im Mittelalter? Das hoert sich gewaltig nach der hl Inquisition des 21 Jahrhunderts an.
Es ist das einzig richtige, Guantanamo zu schliessen. Es bricht den USA kein Zacken aus der Krone, wenn mutmassliche Terroristen vor ordentlichen Gerichten verurteilt werden. Die eindeutigen Faelle sind dann immer noch aus dem Verkehr gezogen...
eurokrat (21.01.2009, 16:04 Uhr)
Super!
Natürlich werden die armen-armen Mudschahedin in Europa aufgenommen. Und hier werden sie solange klagen und sich auf ihre Menschenrechte berufen bis ihre ganze Familie mitkommen darf. Oder warum gleich nicht der ganze Stamm.
OberstMeyer (21.01.2009, 14:00 Uhr)
Kurzer Prozeß
Tja, das ist richtiges Deutsch: An den Galgen mit dem Pack, egal, ob schuldig oder nicht. Hauptsache, einer wird büßen. Die Amis sind da die "neuen Deutschen", wir haben das verlernt, Weicheier alle zusammen. Gut, der Vergleich mit den Hexen paßt ja irgendwie, aber immer diese Gefühlsduselei von wegen Humanismus u. so. Das mit der Terrorismusgefahr ist zwar blanker Blödsinn, wirkt aber kollosal, wie man hier merkt. Angst war schon immer eine gute Waffe. Dazu noch ein Schuß "politischer Korrektheit", nicht wahr, liebe LeserIn, u. wir sind mit allem einverstanden, was uns die Holzköpfe vorsetzen. Da wird schnell aus Pazifismus humanistische Verteidigungsmaßnahme, wie weiland auf dem Balkan u. am Horn. Hauptsache, ich komme nicht in die Lage, wäre peinlich ein paar Jahre ohne Grund in den Tropen schmoren, nur weil mich ein verbündeter Taliban gewinnbringend verkauft hat. Aber, egal, auf Wiedersehen in der Hölle!
-ich- (21.01.2009, 13:41 Uhr)
@Dieter37
Du verstehst es immer noch nicht.
Es leugnet hier niemand das es Terroristen gibt.
Die Frage ist aber, wie gehe ich mit ihnen um und sind unter Folter erzwungene Geständnisse verwertbar oder nicht.
Einfach davon auszugehen das in Guantanamo ausschließlich erwiesene Terroristen sitzen nur weil Bush und seine Schergen das behaupten, ist naiv.
Dieter37 (21.01.2009, 13:34 Uhr)
@-ich- (21.1.2009, 13:29 Uhr)
naiv sind Leute, die den Terror leugnen - oder doch eher verbohrte Betonköpfe ??
-ich- (21.01.2009, 13:29 Uhr)
@Dieter37
Klar doch, alles Terroristen.
Genau so wie die vielen Tausend Hexen die hier damals auf dem Scheiterhaufen verbrannten. Sie haben sich schließlich alle selbst der Hexerei bezichtig.
.
Die Frage wie naiv jemand sein kann, wird hier im stern Forum immer wieder neu definiert.
Dieter37 (21.01.2009, 13:18 Uhr)
Dieses Terroristenpack
- was dort einsitzt, soll dort weiter schmoren !
Dieser Abschaum verdient nur den Tod !
Malt (21.01.2009, 13:16 Uhr)
@onceknown
Ich frag mich, ob die geschätzten 100.000 Zivilisten im Irak, die durch Bomben, die aus 8 Km Höhe abgeworfen wurden, getötet wurden, die US Piloten als Helden ansehen würden ob deren Mut und Uniformen ^^
.
Aber es scheit ein wahrer Segen zu sein, wenn das eigene Weltbild nur schwarz/weiß gezeichnet wird... da scheint alles einfach zu sein... "wir" sind die Guten und die anderen sind die "anderen", dass sind die Bösen!
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