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Hollande schickt Kriegsschiff in den Kampf gegen den IS

Die Türkei verhängt eine Internet-Sperre für "Charlie Hebdo"-Titel, belgische Kioskbesitzer erhalten Drohbriefe. Frankreich könnte den Einsatz gegen den IS ausweiten. Die Ereignisse im Rückblick.

Eine Woche ist es her, dass zwei Islamisten in die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" stürmten, elf Menschen erschossen und Frankreich von einer Welle des Terrors erfasst wurde. Jetzt hat sich die im Jemen ansässige Terrorgruppe al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) zu dem Terrorangriff auf das Satiremagazin bekannt. Am Morgen kam in Frankreich die erste Ausgabe von "Charlie Hebdo" nach dem Attentat in den Handel. Sie war innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

Die Ereignisse im stern-Nachrichtenticker:

+++ 20.15 Uhr: Frankreich könnte Flugzeugträger gegen IS einsetzen +++

Frankreich könnte seinen Militäreinsatz gegen die radikalislamische IS-Miliz im Irak ausweiten und auch den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" einsetzen. Das Kriegsschiff soll in den Nahen Osten entsendet werden und könne sich im Bedarfsfall an dem von den USA geführten Einsatz beteiligen, sagte Präsident Francois Hollande: "Wir könnten den Einsatz im Irak wenn nötig mit noch mehr Intensität und noch größerer Wirkung führen." Wegen der außergewöhnlichen Lage nach den Anschlägen müsste auch der geplante Personalabbau bei der Landesverteidigung überprüft und angepasst werden.

+++ 20.01 Uhr: Angela Merkel will Regierungserklärung zu Anschlägen abgeben +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt am Donnerstag im Bundestag eine Regierungserklärung zu den Anschlägen in Frankreich und deren Folgen ab. Der Rede von Merkel schließt sich eine einstündige Parlamentsdebatte an. Strittig sind unter anderem die sicherheitspolitischen Schritte, die ähnliche Anschläge in Deutschland verhindern helfen sollen. Die Union fordert eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, bei der systematisch Telefon- und Internetdaten erfasst werden. Justizminister Heiko Maas (SPD) lehnt dies ab.

+++ 17.45 Uhr: Assad gibt dem Westen Mitschuld an den Anschlägen +++

Der syrische Staatschef Baschar al-Assad gibt dem Westen
eine Mitschuld an den Terroranschlägen von Paris. "Wir haben
den Westen gewarnt, dass er den Terrorismus nicht unterstützen und
ihm politische Rückendeckung geben sollte, weil dieser in seine
Länder zurückkehrt", sagt er der Zeitung "Literarni
noviny". Dem Westen wirft er "Kurzsichtigkeit" vor. Die europäische Politik
sei Schuld an dem, was in seiner Region, in Frankreich und an anderen
Orten geschehe.

+++ 17.40 Uhr: Schüler in Frankreich stören Schweigeminuten +++

Seit der islamistischen Anschlagsserie in Frankreich haben sich in den Schulen des Landes 200 Vorfälle ereignet, bei denen unter anderem die Schweigeminute für die 17 Todesopfer gestört wurde. 40 dieser Vorfälle seien der Polizei oder Justiz gemeldet worden, sagt Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem im Parlament in Paris. Sie spricht von "vielen, schweren" Vorfällen während der Schweigeminute am vergangenen Donnerstag. Auch in den Tagen danach kam es zu insgesamt etwa hundert Vorfällen. Manche seien eine "Verherrlichung des Terrorismus" gewesen.

+++ 17.25 Uhr: Drohbriefe gegen belgische Kioskbesitzer +++

Vier Kioskbesitzer in Brüssel sind mit Drohbriefen
vor dem Verkauf der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe gewarnt worden. Wie die belgische Nachrichtenagentur
Belga berichtet, wurden die Schreiben im Stadtteil Jette
gefunden. Der Autor der Briefe drohe mit Vergeltungsmaßnahmen. Die
Staatsanwaltschaft nehme die Drohung sehr ernst. Um an Spuren zu
gelangen, würden alle technischen Mittel genutzt und Bilder von
Überwachungskameras ausgewertet.

+++ 15.07 Uhr: Internet-Sperre für "Charlie Hebdo"-Titel in der Türkei +++

Ein Gericht in der Türkei hat die Sperrung von Internetseiten angeordnet, die das Titelbild der neuen Ausgabe der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" zeigen. Dies berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Auf der Titelseite der heute veröffentlichten ersten Ausgabe von "Charlie Hebdo" seit dem tödlichen Angriff auf die Zeitung vor einer Woche ist ein weinender Prophet Mohammed zu sehen, der ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hält.

+++ 14.49 Uhr: Kairoer Uni lobt Merkels Islam-Satz +++

Islamische Gelehrte der anerkannten Azhar-Universität in Kairo danken Bundeskanzlerin Merkel für ihre Einschätzung, der Islam gehöre zu Deutschland. Der Satz sei ein Zeichen für friedliche Koexistenz, schreiben die Gelehrten in einer Erklärung. Terror dürfe nicht missbraucht werden, "um die verschiedenen Religionen auszugrenzen".

Die Attentate von Paris verurteilen Azhar-Gelehrte als kriminell und unislamisch. Muslimen empfehlen sie, die neue Mohammed-Karikatur von "Charlie Hebdo" zu ignorieren. Gläubige sollten der "Versuchung des Hasses" widerstehen, mahnen die Gelehrten.

+++ 13.32 Uhr: Mehr als 50 Ermittlungsfälle wegen Terrorverherrlichung +++

Seit dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" sind in Frankreich mehr als 50 Ermittlungsverfahren wegen "Verherrlichung des Terrorismus" eingeleitet worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Pariser Justizministerium. Außerdem seien 25 Verfahren wegen islamfeindlicher Übergriffe eingeleitet worden, nachdem Moscheen oder andere muslimische Einrichtungen durch "Waffen, Brandanschläge oder Explosionen" beschädigt wurden.

Heute wurde auch der umstrittene Komiker Dieudonné wegen des Vorwurfs der Verherrlichung des Terrorismus festgenommen. Der 48-Jährige hatte in einem Facebook-Eintrag den Solidaritätsspruch "Ich bin Charlie" für die Anschlagsopfer mit dem Namen des Attentäters in einem jüdischen Supermarkt vermischt.

+++ 13.40 Uhr: "Charlie Hebdo" wohl ab Samstag in Deutschland zu kaufen+++

Während in Frankreich schon die ersten 700.000 Exemplare der neuen "Charlie Hebdo" vergriffen sind, müssen die Leser in Deutschland noch auf den Verkaufsstart warten. Vertriebsexperten rechnen weiterhin damit, dass die Kioske das Satiremagazin erst am Samstag in der Auslage haben. Das Heft wird voraussichtlich schnell ausverkauft sein. Es soll nach bisherigem Stand 4,00 Euro kosten.

"Wir werden für Deutschland im ersten Schritt unter 10.000 Exemplare bekommen", heißt es aus Vertriebskreisen. "Das ist wesentlich zu wenig." Ständig gingen neue Anfragen ein. "Wir gehen davon aus, dass die Bestellungen schon bald sechsstellig sein werden." Es werde wohl eine prozentuale Verteilung an Großhändler geben.

Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland vor allem prominente Presseverkaufsstellen wie Bahnhofsbuchhandlungen und Läden in Flughäfen sowie in Innenstädten bei der Belieferung zum Zuge kommen.

+++ 13.18 Uhr: Zeichner Cabu beigesetzt +++

Der erschossene "Charlie Hebdo"-Karikaturist Cabu ist im engen Familien- und Freundeskreis in Frankreich beigesetzt worden. Der im Alter von 76 Jahren von Islamisten getötete Jean Cabut, der als Cabu bekannt war, wurde in seiner Geburtsstadt Châlons-en-Champagne im Nordosten des Landes beerdigt, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtet. Cabu, einer der besten Karikaturisten Frankreichs, hinterlässt mehr als 35.000 Zeichnungen.


+++ 12.18 Uhr: Neue Ausgabe von "Charlie Hebdo" bereits bei Ebay zu kaufen +++

Nur wenige Stunden nachdem man in Frankreich die erste Ausgabe von "Charlie Hebdo" nach dem Attentat kaufen konnte, werden auf Ebay bereits einzelne Exemplare angeboten. Doch nicht etwa für den regulären Preis von 3 Euro. Die aktuellen Verkaufsangebote reichen bis zu 650 Euro.

+++ 10.53 Uhr: Al-Kaida im Jemen bekennt sich zu Anschlag +++

Der jemenitische Ableger des Terrornetzwerks al Kaida bekennt sich zu dem Anschlag auf "Charlie Hebdo". "Es wurden Helden rekrutiert, und sie haben gehandelt", erklärt einer der Anführer von al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap), Nasser Ben Ali al-Anassi, in einem im Internet erschienenen Video. Zwei Attentäter hatten vor einer Woche einen Anschlag auf die Zeitungsredaktion in Paris verübt und dabei zwölf Menschen getötet.

Bei der Erstürmung der Redaktion von "Charlie Hebdo" hatten die Brüder Chérif und Saïd Kouachi behauptet, sie gehörten zum Terrornetzwerk al Kaida. Sie sollen bereits auf der allgemeinen Terror-Beobachtungsliste Tide gestanden haben, auf der die USA bekannte oder mutmaßliche Terroristen führen.

Vor allem der jüngere Bruder Chérif war einschlägig aktiv. Mit einer Organisation um einen radikalislamischen Prediger soll er Kämpfer für den Dschihad angeworben haben. 2008 wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Sein älterer Brüder Said soll Ausbildungslager von al Kaida durchlaufen haben. Chérif Kouachi und Amedy Coulibaly hatten im Gefängnis Kontakt. Von Coulibaly existiert ein Video im Internet, das nach dem Ende der Terroraktion eingestellt wurde. Darin bekennt er sich zur in Syrien und im Irak operierenden Terrorgruppe Islamischer Staat.

+++ 10.35 Uhr: IS findet Mohammed-Karikaturen "extrem dumm" +++

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat verurteilt das Cover der neuen Ausgabe der Satirezeitung "Charlie Hebdo". Die Veröffentlichung neuer Mohammed-Karikaturen sei "extrem dumm", heißt es in einer Erklärung im Radiosender Al-Bajan, den die IS-Extremisten in von ihnen kontrollierten Gebieten in Syrien und im Irak ausstrahlen. Mit den neuen Karikaturen werde erneut der Prophet beleidigt.

+++ 10.34 Uhr: Türkische "Cumhuriyet" druckt "Charlie Hebdo" nach +++

In der mehrheitlich muslimischen Türkei hat die linksnationalistische Zeitung "Cumhuriyet" vier Seiten der neuen Ausgabe von "Charlie Hebdo" als Beilage nachgedruckt. Das regierungskritische Blatt berichtet Online, die Polizei habe die Lastwagen mit den frisch gedruckten Zeitungen in Istanbul in der Nacht zu Mittwoch gestoppt. Nachdem die Polizei festgestellt habe, dass die Karikatur des Propheten Mohammed von der neuen "Charlie Hebdo"-Titelseite nicht in dem Nachdruck enthalten ist, habe die Staatsanwaltschaft die Weiterfahrt erlaubt.

Allerdings ist die Titelseite, auf der der Prophet Mohammed weint und ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hält, als kleineres Bild im vorderen Teil der "Cumhuriyet"-Ausgabe vom Mittwoch zu finden. Vor dem "Cumhuriyet"-Gebäude in Istanbul verschärfte die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen.

"Cumhuriyet" nennt den Nachdruck, der mit türkischen Texten erschien, "ein Beispiel der Solidarität". Auf der Titelseite schreibt das Blatt: "Wir wollen den Kampf der Meinungsfreiheit in der Welt unterstützen." Chefredakteur Utku Cakirözer erklärte, man habe auf Religionsfreiheit ebenso wie auf religiöse Empfindlichkeiten geachtet. Die ultrakonservative Zeitung "Yeni Akit" kritisiert den Nachdruck als "große Provokation".

+++ 10.32 Uhr: Auflage für "Charlie Hebdo"-Ausgabe auf fünf Millionen erhöht +++

Nach dem Ansturm auf die neue Ausgabe der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" wird die spektakuläre Rekord-Auflage noch einmal erhöht: Statt drei Millionen würden nun fünf Millionen Exemplare gedruckt, gibt der Vertrieb MLP bekannt. Die neue Ausgabe war bereits am Morgen in allen 27.000 Zeitungsläden Frankreichs ausverkauft, wie die Presse-Handelsvereinigung UNDP mitteilte. Normalerweise erscheint "Charlie Hebdo" mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren.

car/stb/AFP/DPA/DPA
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