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Wollte der Attentäter gezielt Deutsche treffen?

Richtete sich die mörderische Attacke von Istanbul gezielt gegen Deutsche? Der Verdacht ist da, einiges spricht dafür, die Bundesregierung hat bisher jedoch keine Hinweise darauf. Die deutschen Todesopfer kommen aus drei Bundesländern.

Türkischer Polizist vor der Blauen Moschee in Istanbul

Türkischer Polizist am Ort der Attentats im historischen Stadtbezirk Sultanahmet in Istanbul

Nach dem Terroranschlag mit mehreren deutschen Todesopfern in Istanbul reist Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) an diesem Mittwoch in die Türkei. Der Minister wolle in Istanbul seinen türkischen Kollegen Efkan Ala treffen und sich ein Bild von der Lage machen, sagte eine Sprecherin des Innenressorts am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Nach dpa-Informationen lagen der Bundesregierung bis Dienstagabend keine konkreten Hinweis darauf vor, dass sich der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet hatte. Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, hält dies aber für durchaus möglich, da sich Deutschland inzwischen an Einsätzen der Koalition gegen den Islamischen Staat beteiligt habe.


Der Verdacht hält sich, da sich der 1988 geborene Attentäter am Dienstagvormittag im historischen Zentrums Istanbuls inmitten in einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt hatte. Dabei wurden mindestens acht Deutsche getötet und neun weitere zum Teil schwer verletzt. Insgesamt starben neben dem Angreifer zehn Menschen, 15 weitere erlitten Verletzungen. Zwei Leichen waren bis Dienstagabend noch nicht identifiziert. Unter den Todesopfern sind ein Ehepaar aus Brandenburg, ein Berliner und drei Rheinland-Pfälzer. Darunter befinden Eheleute aus Mainz - ein 61-jähriger Mann und seine 59 Jahre alte Frau - sowie ein 73 Jahre alter Mann aus Bad Kreuznach. Dessen Ehefrau wurde schwer verletzt und liegt in einem Istanbuler Krankenhaus. Alle Angehörigen wurden inzwischen informiert.

"Verachtenswertes Verbrechen"

Weltweit reagierten Politiker mit Trauer und Entsetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag als "mörderischen Akt": "Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit", sagte sie am Dienstagabend in Berlin. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von "Stunden der Trauer, der Wut und des Entsetzens".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, es handele sich um ein "verachtenswertes Verbrechen". Die USA betonten, sie stünden weiter fest an der Seite der Türkei. "Dieser  abscheuliche Angriff in Istanbuls historischem Herzen hat Türken und ausländische Touristen gleichermaßen getroffen", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates Ned Price in Washington. Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem "abscheulichen Terroranschlag".

Drei russische Staatsbürger festgenommen

Auch Saudi-Arabien und Ägypten verurteilten den Terroranschlag. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan machte in Ankara einen "Selbstmordattentäter syrischer Herkunft" für die Tat verantwortlich. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete dagegen, der Attentäter stamme aus Saudi-Arabien und sei kürzlich aus Syrien in die Türkei eingereist. Im Zuge der Ermittlungen hat die türkische Polizei am Mittwoch drei russische Staatsbürger festgenommen. Entsprechende Medienberichte hat das russische Konsulat bestätigt. Den Festgenommenen werden - wie dem Attentäter - Verbindungen zur Extremistenmiliz IS nachgesagt. In ihrer Unterkunft in der Mittelmeerstadt Antalya wurden zahlreiche Dokumente und CDs sichergestellt, meldete die Nachrichtenagentur Dogan.

Die deutschen Opfer waren nach Angaben des Reiseveranstalters Lebenslust Touristik auf einer Drei-Länder-Erlebnisreise und kamen aus dem gesamten Bundesgebiet. Insgesamt zählte die Reisegruppe 33 Mitglieder, wie der Sprecher des Reiseunternehmens, Ingo Leßmann von der sk-medienconsult, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstagabend sagte.

Ein Teil dieser Reisenden habe an einem Gruppenbesuch der Wahrzeichen Istanbuls teilgenommen. Auf dieser Tour lag auch der Anschlagsort in der Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee. Andere Urlauber hätten ein individuelles Programm absolviert. Die Drei-Länderreise umfasse Istanbul, Dubai und Abu Dhabi. In der türkischen Metropole seien die Urlauber am Montag angekommen. Die Weiterreise nach Dubai sei für den Mittwoch geplant gewesen.

Maas: "Sicherheitslage nicht verschärft"

Die Bundesregierung sieht nach dem Anschlag keine erhöhte Anschlagsgefahr in Deutschland. Zur Frage, ob sich die Sicherheitslage durch das Attentat in Istanbul verändert habe, erklärte Justizminister Heiko Maas am Morgen in der ARD: "Nicht wegen diesem Anschlag." Deutschland stehe bekannterweise unter der Bedrohung von Terroristen. "Und deshalb ist eine allgemeine Gefährdung sicherlich nicht zu leugnen", sagte Maas. "Aber es gibt im Moment keine konkreten Hinweise auf Anschlagsziele." Die allgemeine Gefährdungslage werde allerdings fortbestehen.

Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für die Türkei verschärft. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bat alle Reisenden öffentlich, diese aufmerksam zu beachten.

dho/DPA/Reuters
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