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2. September 2005, 08:26 Uhr

Video mit mutmaßlichem Attentäter

Der arabische Fernsehsender al Dschasira hat ein Video ausgestrahlt, auf dem sich einer der mutmaßlichen Selbstmordattentäter von London zu Attentate bekennt. Zugleich droht al Kaida weitere Anschläge in Europa an.

Mohammad Sidique Khan bekennt sich per Videobotschaft zu den Londoner Selbstmordanschlägen© Reuters TV

Einer der vier mutmaßlichen Selbstmordattentäter von London hat vor seinem Tod in einem Video mit Anschlägen gedroht und dabei seine Bewunderung für die Extremisten-Organisation al Kaida mitgeteilt. Der arabische Fernsehsender al Dschasira zeigte das Band mit Mohammad Sidique Khan am Donnerstag und berichtete, es enthalte ein Bekenntnis der al Kaida zu dem Londoner Anschlag, bei dem im Juli 52 Menschen getötet worden waren. In den veröffentlichten Teilen des Bandes wird dies allerdings so nicht gesagt. Nach Khans Erklärung ist eine Aufzeichnung mit dem Vize-Chef der al Kaida, Ajman al Sawahri, zu sehen. Dieser lobt die Anschläge und droht seinerseits mit weiteren Attentaten. Die beiden Männer treten in dem Video nicht zusammen auf. Es war auch unklar, wie lange vor dem Anschlag der Teil mit Khan aufgenommen wurde.

Er fühle sich verpflichtet, den Islam gegen die Gewalt "demokratisch gewählter Regierungen" zu verteidigen, sagte Khan. "Bis ihr nicht die Bombardierungen, Gas-Angriffe, Verhaftungen und Folter (von Moslems) stoppt, werden wir nicht unseren Kampf beenden. Wir sind im Krieg und ich bin ein Soldat", so der 30-Jährige. Die Menschen im Westen seien selbst schuld an den Anschlägen, da sie Regierungen gewählt hätten, "die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen". Khan, der auf dem Band Englisch mit einem starken Yorkshire-Akzent spricht, sagte: "Ich und Tausende wie ich haben alles aufgegeben, ... um dem einen Gott zu dienen." Er sei überzeugt, dass er nach seiner Tat ins Paradies gelangen werde.

Weitere Anschläge in Europa

Al Sawahri kündigte seinerseits neue Anschläge in Europa an und erklärte, die Menschen in Europa spürten nun, dass es ein Fehler gewesen sei, dass ihre Regierungen den von Osama bin Laden vor rund einem Jahr angebotenen "Waffenstillstand" abgelehnt hätten. Al Sawahri nannte die Anschläge einen "Schlag ins Gesicht des tyrannischen und arroganten Kreuzritterlandes Großbritannien". Nach Jahrhunderte langer Besetzung muslimischen Territoriums durch westliche Truppen spiele sich der Kampf nun auf dem Boden westlicher Staaten ab. "Die Anschläge waren ein Schluck aus dem Glas, aus dem die Muslime getrunken haben." Wegen der Politik von Blair und US-Präsident George W. Bush werde der Westen "weitere Katastrophen" erleiden. Der Stellvertreter von Osama bin Laden sagte nicht ausdrücklich, dass al Kaida die Attentäter geschickt oder ausgebildet habe.

Keine Stellungnahme der Regierung

Die britische Regierung nahm zu dem Band zunächst nicht Stellung. Scotland Yard erklärte, die Polizei habe von dem Band Kenntnis. Die Informationen würden in die Ermittlungen von Scotland Yard zu den Anschlägen Eingang finden, hieß es in britischen Medienberichten in der Nacht zum Freitag. Laut BBC sehen britische Anti-Terror-Spezialisten das Band nicht als überzeugenden Beweis dafür an, dass die al Kaida-Führung die Anschläge direkt befohlen hätte.

Khan und drei weitere Attentäter hatten sich am 7. Juli in der U-Bahn und einem Bus der britischen Hauptstadt in die Luft gesprengt. Zwei mit al Kaida in Verbindung stehende Gruppen haben sich ebenfalls zu der Tat bekannt. Die Polizei hatte erklärt, die Anschläge trügen die Handschrift der Organisation. Khan soll der Anführer der Attentäter gewesen sein.

DPA/AP/Reuters
 
 
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