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Was wir über die Attentäter wissen

Die Identität von drei der Brüsseler Attentäter ist bislang bekannt. Die Behörden fahnden zudem nach einer weiteren Person, die auf Überwachungsaufnahmen vom Flughafen zu sehen war. Hinweise auf einen fünften Attentäter verdichten sich.

Attentäter von Brüssel

Diese Foto-Kombination zeigt die Attentäter von Brüssel: Brahim el-Bakraoui (oben links), Najim Laachraoui (oben rechts), Khalid el-Bakraoui (unten links) und ein bislang unbekannter Verdächtiger (unten rechts).

Zwei Tage nach den Anschlägen in Brüssel suchen die Behörden unter Hochdruck nach zwei weiteren Verdächtigen. Drei der Attentäter wurden bislang identifiziert. Somit hat sich laut neuestem Erkenntnisstand die Zahl der Attentäter auf insgesamt fünf erhöht.

• Drei Attentäter sind tot und identifiziert

• Zwei starben am Flughafen. Sie sind mit einem unbekannten Dritten auf einem Überwachungsvideo zu sehen. Nach dem Dritten wird gefahndet

• Der dritte tote Attentäter starb in der Metro und wurde identifiziert

• Fünfter Verdächtiger auf Überwachungsaufnahmen der Metro zu sehen - auch er wird gesucht

Bei den identifizierten Personen handelt es sich um die zwei polizeibekannten Brüder, Khalid El Bakraoui und Ibrahim El Bakraoui, die sich nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft am Dienstag im Flughafen und in der U-Bahn in die Luft sprengten. Der dritte Selbstmordattentäter sei der Bombenbauer Najim Laachraoui, wie am Mittwoch aus Polizeikreisen verlautete - auch er kam bei der Explosion seiner Bombe am Flughafen ums Leben.

Suche nach dem vierten Mann

Der Anschlag auf die U-Bahn im Europa-Viertel sei durch den 27-jährigen Belgier Khalid El Bakraoui verübt worden, sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw. Sein 29-jähriger Bruder Ibrahim El Bakraoui habe seinen Sprengsatz in der Abfertigungshalle des Flughafens als einer von zwei Selbstmordattentätern gezündet. Beide Brüder seien wegen zahlreicher Verbrechen gesucht worden, erklärte der Staatsanwalt.

Unterdessen ist die Identität des Mannes, der auf dem Bild einer Überwachungskamera am Flughafen eine weiße Jacke und einen Hut trägt und dessen Bombe im Flughafen nicht detonierte, noch unklar - es wird mit Hochdruck nach ihm gefahndet. Zudem verdichten sich die Hinweise, dass die Attentäter von Brüssel in Kontakt zu dem festgenommenen Drahtzieher der Anschläge von Paris, Salah Abdeslam, standen.

Der Selbstmordattentäter in der Brüsseler Metro war nach Informationen des belgischen Senders RTBF nicht alleine unterwegs. Auf Bildern einer Überwachungskamera sei ein zweiter Mann mit einer großen Tasche zu sehen, sagte ein Sprecher der Polizei. Unklar sei, ob der fünfte Verdächtige somit bei der Explosion getötet wurde oder ob er auf der Flucht ist. Die belgischen Behörden fahnden Polizeikreisen zufolge nach diesem weiteren, fünften Verdächtigen.

Brüsseler Terrorzelle beobachtete Atomforscher

Khalid El Bakraoui soll Medienberichten zufolge unter falschem Namen zwei Verstecke für die Paris-Attentäter angemietet haben, darunter auch eine Wohnung in Brüssel, in der später die Fingerabdrücke des mutmaßlichen Paris-Attentäters Salah Abdeslam gefunden wurden. Auch Najim Laachraoui stand in Verbindung zu den Pariser Anschlägen. DNA-Spuren des 24-Jährigen waren nach den Attentaten in der französischen Hauptstadt an Sprengstoff entdeckt worden.

Die Brüsseler Terrorzelle steckte nach belgischen Medienberichten auch hinter einem Spionageangriff gegen einen Atomforscher. Die beiden Selbstmordattentäter Ibrahim und Khalid El Bakraoui wurden nach Informationen der Tageszeitung "La Dernière Heure" als diejenigen Männer identifiziert, die eine heimlich vor dem Wohnhaus des Wissenschaftlers angebrachte Überwachungskamera abmontierten. Mit ihr waren Aufnahmen gemacht worden, die Anti-Terror-Fahnder im vergangenen November bei Ermittlungen zu den Terroranschlägen im Paris entdeckt hatten. 

Türkei will vor einem der Attentäter gewarnt haben

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, Ankara habe die belgischen Behörden im vergangenen Jahr vor einem der späteren Attentäter von Brüssel gewarnt. Einer der Belgier sei im Juni 2015 im Süden der Türkei als "ausländischer Terrorkämpfer" festgenommen und über die Niederlande in sein Heimatland abgeschoben worden.

Doch "trotz Warnungen" seiner Regierung sei es den belgischen Behörden nicht gelungen, diesen Verdacht zu erhärten. Aus türkischen Regierungskreisen verlautete, es habe sich um Ibrahim El Bakraoui gehandelt. Der belgische Justizminister Koen Geens erklärte dazu, der Mann habe damals nicht als Terrorverdächtiger, sondern als "gewöhnlicher Krimineller" gegolten, der zur Bewährung freigelassen worden sei.

Die EU-Innen- und Justizminister kommen am Donnerstag zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammen. Ein ähnliches Treffen hatte es im November auch nach den Anschlägen von Paris gegeben. Der wegen der Anschläge geschlossene internationale Flughafen der belgischen Hauptstadt soll frühestens am Samstag wieder seinen Betrieb aufnehmen.

31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Devin Nunes, geht davon aus, dass auch die USA Ziel der Attentäter waren. Der Anschlag am Flughafen habe in ummittelbarer Nähe der Schalter von US-Fluggesellschaften wie United, American und Delta Airlines stattgefunden, sagte der Republikaner vor Journalisten. Auch die Metrostation Maelbeek, wo ein weiterer Anschlag stattfand, liege in der Nähe der US-Botschaft.

Unter den Verletzten sind nach Angaben des Außenministeriums in Washington rund ein dutzend US-Bürger. Der Verbleib einer "Reihe" weiterer sei unklar, sagte ein Sprecher. US-Außenminister John Kerry wird am Freitag in Brüssel erwartet.

Bei den Anschlägen in Brüssel wurden nach jüngsten Angaben des belgischen Gesundheitsministeriums 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt. Auch mindestens ein Deutscher wurde laut Auswärtigem Amt schwer verletzt. Am Mittwochabend gedachten hunderte Menschen am Brüsseler Flughafen der Opfer der Anschläge.

amt/DPA/AFP/Reuters
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