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22. Juni 2006, 07:35 Uhr

Neues Al-Kaida-Video aufgetaucht

Im Internet ist ein neues Al-Kaida-Video gesichtet worden. Einman al Sawahiri, die Nummer Zwei hinter bin Laden, ruft darin die Afghanen zum Widerstand auf. Die Botschaft wird auf ihre Echtheit überprüft.

Die Spitze der Terrororganisation al Kaida: Osama bin Laden (l.) und seine Nummer Zwei Aiman al Sawahiri© DPA

Im Internet ist angeblich ein neues Video der Nummer Zwei des Terrornetzwerks al Kaida, Aiman al Sawahiri, aufgetaucht. Wie der US-Fernsehsender ABC am späten Mittwochabend (Ortszeit) berichtete, ruft Sawahiri die Afghanen zum Widerstand gegen die Koalitionstruppen auf. In dem knapp vier Minuten langen Video, das auf einer häufiger von al Kaida für Botschaften benutzten Webseite veröffentlicht wurde, spricht al Sawahiri von den "bitteren Erfahrungen" der Menschen in Kabul, die erneut Zeuge "von Verbrechen der Amerikaner gegen Muslime" geworden seien.

Laut Angaben des US-Nachrichtensenders CNN soll der Film von Ende Mai stammen, als in Kabul nach einem Verkehrsunfall mit einem US-Militärkonvoi Unruhen ausbrachen.

Eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums in Washington sagte, das Pentagon kenne das Video nicht. Es sei Aufgabe der US-Geheimdienste, die Echtheit der Aufnahmen zu überprüfen.

"Terror-Doktor" Sawahiri ist die Nummer Zwei

Der ägyptische Extremist Aiman al Sawahiri (53) gilt als Stellvertreter von Osama bin Laden. Der frühere Arzt Sawahiri ist gleichzeitig al-Kaida-Chefideologe und bestimmt den Kurs der Terrorzellen in aller Welt. Er predigt Hass auf Amerikaner, Juden, andere "Ungläubige" sowie Gewalt gegen die "vom Glauben abgefallenen arabischen Führer". Wie für die Ergreifung bin Ladens haben die USA auf ihn ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA war er auf Videos zusammen mit bin Laden zu sehen. Als er sich 1998 endgültig bin Laden anschloss, brachte er einige Dutzend seiner gewaltbereiten Anhänger aus Ägypten mit. Die Gruppe gehörte zuvor einem besonders radikalen Flügel der islamistischen Terrorgruppe "Dschihad" an. Diese hatte 1981 den ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat ermordet.

Starker Einfluss auf die Auswahl von Anschlagszielen

Als Nummer Zwei der al Kaida hat der ägyptische Chirurg, der in seiner Heimat schon vor dem 11. September zu den meistgesuchten Terroristen gehörte, auch starken Einfluss auf die Auswahl der Ziele für Terroranschläge. Für die praktische Planung von Attentaten sollen allerdings nach Einschätzung der Geheimdienste andere verantwortlich sein. Denn anders als bin Laden und viele andere ehemalige arabische Afghanistan-Kämpfer hat der Arzt aus Kairo keine Fronterfahrung.

Er entstammt einer angesehenen Familie aus dem Nil-Delta. Sein Großvater war einst Imam der berühmten Kairoer al Azhar Moschee. Sawahiri war ursprünglich Mitglied der in Ägypten offiziell verbotenen Moslembruderschaft. Diese tritt für eine gewaltlose Islamisierung der ägyptischen Gesellschaft ein. Der "Terror-Doktor" verfasste vor seinem Abtauchen in den Untergrund mehrere Bücher. In Ägypten wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

DPA
 
 
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