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"Al Kaida will 11. September übertreffen"

Experten vermuten, dass die Terrororganisation al Kaida mit einem Mega-Anschlag die Attentate vom 11. September in den Schatten stellen will. Ein Terrorismusforscher sagt: "Das ist die dritte Generation al Kaida."

Für Terrorismus-Experten zeigen die in Großbritannien vereitelten Anschläge auf Transatlantikflüge vor allem eines: Die langjährige Besessenheit von Moslem-Extremisten, Flugzeuge als Waffen zu benutzen und mit einem neuen Mega-Anschlag die Attentate in den USA vom 11. September 2001 mit rund 3000 Toten in den Schatten zu stellen. "Wenn man einmal 9/11 geschafft hat, dann ist es sehr schwierig, einen Schritt zurückzumachen zu herkömmlichen Anschlägen", sagt Sebestyen Gorka, Direktor des Budapester Institute for Transitional Democracy and International Security. "Wie würden denn Osama bin Laden und die al Kaida aussehen, wenn bei der nächsten Attacke nur 600 Menschen ums Leben kämen und nicht tausende wie am 11. September?" Allem Anschein nach habe die Gruppe es sich zum Ziel gesetzt, sich selbst zu übertreffen, fügt der britische Terrorismus-Experte hinzu.

US-Regierung verdächtigt al Kaida

Zwar hatten die Polizei und der Geheimdienst in Großbritannien die jüngsten Anschlagspläne noch rechtzeitig durchkreuzen können. Doch die am Donnerstag aufgedeckte Verschwörung veranlasste sowohl das Königreich als auch die Vereinigten Staaten, die jeweils höchste Alarmstufe seit den Anschlägen von 2001 auszurufen. Die US-Regierung verwies darauf, dass der detailliert ausgeklügelte Anschlagsplan auf die al Kaida als Urheberin hinweise.

Die Anschläge von 2001 auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium bei Washington dürften die bislang spektakulärsten der al Kaida gewesen sein. Ein viertes Flugzeug stürzte damals über Pennsylvania ab. Es gab jedoch noch andere Versuche der Extremisten, den zivilen Luftverkehr anzugreifen: 1995 beispielsweise, als die Gruppe geplant hatte, elf Flugzeuge auf dem Weg von Asien in die USA explodieren zu lassen - offenbar ebenfalls mit Flüssigsprengstoff.

"Es sieht so aus, als hätte der alte Plan von 1995 in London ein Revival erlebt", sagt der stellvertretende Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung, Kai Hirschmann. "Ich würde sagen, das ist islamistischer Terrorismus - die dritte Generation al Kaida", betont er.

Obwohl die al Kaida zuletzt auch wieder so genannte "soft targets" ins Visier genommen hat - wie etwa Nachtclubs und Restaurants in Bali 2002 und Casablanca 2003 oder Züge in Madrid 2004 und London 2005 - sind sich Experten sicher, dass die radikale Gruppe in Flugzeugen eine größere Herausforderung sieht. Das dürfte schon deshalb der Fall sein, weil solche Anschläge nicht mehr nur ein Land allein betreffen.

Dem Terrorismus-Experten Gorka zufolge haben die Extremisten mit ihren jüngsten Plänen aber auch ganz einfach versuchen wollen, den USA seit Jahren mal wieder einen direkten Schlag zu versetzen. Eine Gruppe, die nicht über biologische oder chemische Waffen verfüge, müsse sich eben einen anderen Weg für einen spektakulären Angriff auf das US-Festland überlegen. Flugzeuge mit rund 400 Passagieren an Bord seien dafür besonders geeignet, analysiert Gorka die Denkweise der Extremisten. Würden zehn Maschinen dieser Größenordnung in die Luft gesprengt, seien etwa 4000 Opfer zu beklagen. "Und dann hat man 9/11 übertroffen."

Reuters/Reuters

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