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18. März 2008, 10:23 Uhr

Dalai Lama denkt über Rücktritt nach

Der Dalai Lama droht mit Amtsverzicht: Dies sei seine einzige Alternative, sollte die Gewalt in Tibet außer Kontrolle geraten, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Zuvor hatte China ihn verdächtigt, hinter den gewalttätigen Protesten gegen das chinesische Regime in Tibet zu stehen.

Das geistige Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, droht mit Rücktritt© Daniel Dal Zennaro/DPA

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter hat seine Landsleute zu Zurückhaltung aufgerufen. Für den Fall exzessiver Gewalt in Tibet hat der Dalai Lama seinen Rücktritt von der weltlichen tibetischen Führung angedroht. Er habe keine andere Option, wenn die gewaltsamen Proteste außer Kontrolle geraten sollten, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Dienstag im indischen Exil in Dharmsala. Sein ranghoher Berater Tenzin Takhla begründet dies damit, dass der Dalai Lama völlig dem Prinzip der Gewaltfreiheit verpflichtet sei. Er würde aber immer der Dalai Lama bleiben.

Der angedrohte Rücktritt ist nicht mit der Demission eines Politikers zu vergleichen, wie Andreas Hillmer, politischer Referent am Tibet-Zentrum in Hamburg, betont. Schließlich sei der Dalai Lama nicht einmal Chef der tibetischen Exilregierung. Es gehe ihm mit seiner Drohung vor allem um die Verteidigung der moralischen Instanz seines Amtes. "Wenn man den Dalai Lama der Kriegsführung bezichtigt, dann wird er alles tun, um seine Friedfertigkeit unter Beweis zu stellen", sagte Hillmer.

Exil-Tibeter befürchten Militäroffensive

Die Exil-Tibeter befürchten, dass es nach dem Ablauf eines Ultimatums an die Demonstranten in Tibet zu einer Militäroffensive kommt. Das Ultimatum lief am Montag um Mitternacht ab. Die Proteste in der tibetischen Hauptstadt Lhasa begannen friedlich am 10. März, dem Jahrestag der Niederschlagung des Aufstandes der tibetischen Bevölkerung gegen die chinesische Herrschaft 1959.

Die Unruhen hätten schwere Verluste an Menschenleben und Eigentum verursacht, sagte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. Nach offiziellen Angaben aus Peking wurden bei dem antichinesischen Aufstand seit Freitag 16 Menschen getötet. Nach Angaben der Exil-Regierung wurden am Dienstag 19 Menschen getötet. Damit sei die Zahl der Toten der Unruhen auf 99 gestiegen, sagte ein Sprecher der exilierten Tibeter im nordindischen Dharamsala. Die Zahl sei durch mehrfache Überprüfung bestätigt worden.

Wen hatte zuvor Vorwürfe des Dalai Lamas von einem "kulturellen Völkermord" in Tibet als "Lügen" zurückgewiesen. Er machte das religiöse Oberhaupt der Tibeter außerdem für die blutigen Unruhen verantwortlich. China lägen "hinreichende Fakten und reichlich Beweise" vor, wonach die "Dalai-Lama-Clique" die Zwischenfälle in Lhasa "vorsätzlich geplant und organisiert" habe.

China verdächtigt Dalai Lama als Strippenzieher

Wen Jiabao verurteilte "den Aufruhr, die Prügeleien, Zerstörungen, Brandstiftungen und Plünderungen" und die "äußerst brutalen Methoden" der Demonstranten in Lhasa. Der Regierungschef verteidigte das mit Sicherheitsbedenken begründete Verbot für ausländische Journalisten zur Berichterstattung nach Tibet zu reisen, sprach aber von Überlegungen, eine Reise für ausländische Medienvertreter zu organisieren.

China halte unverändert die Tür zu einem Dialog mit dem Dalai Lama offen, knüpfe daran aber die Bedingungen, dass dieser nicht mehr die Unabhängigkeit Tibets propagiere und dass er erkläre, dass Tibet wie Taiwan "unveräußerliche Teile" Chinas seien. Allerdings müsse nicht nur betrachtet werden, was der Dalai Lama sage, sondern auch, was er tue, sagte Wen Jiabao und unterstellte dem geistigen Oberhaupt der Tibeter, auch hinter den Protesten vor Chinas diplomatischen Vertretungen in aller Welt zu stehen.

Exil-Tibeter im Hungerstreik

Indes sind elf Exil-Tibeter in Nepal sind aus Protest gegen das gewaltsame Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte in ihrer Heimat in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Die Vereinten Nationen müssten der Notlage des tibetischen Volkes mehr Aufmerksamkeit schenken, forderte eine Sprecherin der Hungerstreikenden in der Hauptstadt Kathmandu. Die internationale Gemeinschaft müsse zudem die Olympischen Spiele boykottieren, um Regierung in Peking zur Einhaltung der Menschenrechte in Tibet zu zwingen. "Wir werden den Hungerstreik erst beenden, wenn unsere Forderungen erfüllt sind", sagte die Sprecherin.

Zuvor waren bei Protesten von Exil-Tibetern vor UN-Einrichtungen in Kathmandu rund 50 Menschen festgenommen worden. Nepals Regierung unterstützt die umstrittene Tibet-Politik Chinas. Sie hat angekündigt, anti-chinesische Proteste von Exil-Tibetern nicht zu tolerieren. In Nepal sowie den Nachbarländern Indien und Bhutan leben etwa 130.000 Tibeter im Exil. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen riskieren jährlich rund 3000 Tibeter ihr Leben, um über das Himalaya-Gebirge nach Nepal zu fliehen.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 41)
 
Nobilitatis (19.03.2008, 16:46 Uhr)
Tibet integral?
Ich gehe mal davon aus, dass "albundy" nur ein Troll ist, der Sie provozieren möchte. Tibet ist natürlich kein integraler Teil von China. Ebenso wie die äußere Mogolei, Uigurien, und, wenn sie die Kriege nicht gewonnen hätten, auch Vietnam. Und das Datum 1950 ist ebenfalls richtig als bewaffnete Übernahme des letzten Teils von Tibet. Die nunmehr zahlenmäßig größere chinesische Bevölkerung wurde dahin importiert. Wie der Volksmund sagt, es gibt einfach zu viele Chinesen, die müssen ja irgendwo hin. Das ist gemeint mit kulturellem Völkermord, die Tibeter werden einfach verschwinden. Wie die Preußen.
durchblick2008 (18.03.2008, 22:56 Uhr)
@albundy69
weils in Tibet Bodenschätze gibt, die China für die Wirtschaft braucht. Investition=Eigennutz
Ob Tibet den Chinesen zusteht ist die Frage, denn wer seine eigene Sprache, Schrift, Religion hat, sollte nicht unterjocht werden. Kulturraub ist das. *arkasmusmodusan*Die meisten Tibeter sehen sogar anders aus.*Sarkasmusmodusaus*
Die Gewalt verabscheue ich. Wer die Politik gut verfolgt wird es als ein Echo deuten können.
Der Dalai Lama sollte nicht zurücktreten, wobei es keinen Unterschied machen würde, denn er ist *nur* das geistige Oberhaupt, das bleibt man auch so. Nur wird er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen, das wäre ein Verlust, nicht nur für Tibeter. Eines noch, ich liebe die Kultur/Geschichte Chinas, aber mag nicht dessen Politik.
albundy69 (18.03.2008, 22:08 Uhr)
Unrechtmässig annektiert ?
1950 annektiert ?
Ja wieweit wollen die Gutmenschen dann in diesem Fall wieder gehen?
Das gloreiche chinesische Volk hat Milliarden investiert, den Strom áuf das Hochplateau geholt, die Eisenbahn hingezogen u.v.a.m.
Das alles tut man nicht mit "annektierten Provinzen", das tut man nur mit einem Territorium, das einem zusteht. Wieviel Prozent chinesischstämmige Menschen leben in Tibet und wieviel Tibeter ? Oder leben die alle in Indien und huldigen dort wem auch immer ?
mitscher (18.03.2008, 19:07 Uhr)
am besten lern ein wenig Chinesisch
ich wuerde fragen,wer von euch wicklich ueber China weisst und wer ein Paar Chinesisch kennt und wer mal in China gewesen ist,waehrend ihr hier so aus keinen Gruenden China und Chinesen bezichtigt. Seid ihr eifersuechtig,dass China sich in den letzten 15 Jahren viel entwickelt hat?Oder habt ihr einfach Angst davor dass die chinesische Wirtschaft und die Position staerker als euere werden koennte.Dann deshalt nutzt ihr hier das Unruhen in Tibet um die Entwicklung und die Ruhe Chinas zu zerstroeren und China immer in den Gruppen der "Drittenweltslaender" zu niederhalten zu intendieren.Seid ihr erst zufrieden,wenn alle Chinesen wie die Leute in den armen Laendern von eueren anscheinenden internationalen humanitaeren Organisationen unterstuetzt wuerden.
Ihr sollte aber besser Chinesisch lernen und dann koenntet ihr ueber die Kultur Chinas kennen.Am besten mit der Lernstoff was die SchuelerInn in der Grundschule nutzen.Und auch besser lern was ueber konfuzismus.Die Kinder Chinas vom Anfang an schon belehrt sind, sich friedlich zu benehmen. Trotzdem in China nicht so viele am Christ glauben,aber sind die Chinese moralischer als ihr Westner.Guck mal hier in euerer Demokratischen Gesellschaft,die Leute vertrauen ihren Hunde besser als die anderen Menschen.
Weisst ihr was,dass China frueher immer staerker als die relativ winzigen Nachbarnlaender war,aber China nie die Laender angegriffen hatte.Das lernt man vom Geschicht.Ihr besser lern was ueber Geschicht und dann sag erst was.
Rainhelt (18.03.2008, 17:56 Uhr)
@albundy
Kann Ihnen nur Recht geben.
Im übrigen werfen hier immer alle mit 1950 um sich. Die Chinesen sind da aber schon viel länger (1750 oder so, nach dem Zusammenbruch des Mongolenreichs).
paulmaz (18.03.2008, 17:48 Uhr)
Angst
Schade, dass die Herren von 1,2 Mil-
liarden Chinesen nicht mitlesen kön-
nen, wie ihnen von einigen Foristen
die Leviten gelesen werden. Denen wür-
de ganz schön die Hose flattern und
ihre Schlitzaugen vor Schrecken
kugelrund.
FredericF. (18.03.2008, 17:29 Uhr)
@albundy69
Jetzt lass mal die Kirche in Dorf, Tibet ist von China unrechtmäßig annektiert worden!
Die Absicht der Befreiung Tibets vom „britischen, imperialistischen Joch“ durch Chinas Volksbefreiungsarmee wurde im Januar 1950 durch Radio Peking verkündet. Im Oktober 1950 erreichte die Volksbefreiungsarmee die tibetische Stadt Chamdo, wo sie nur auf minimalen Widerstand durch die schlecht ausgerüstete tibetische Armee traf. Einen Monat nach der Kapitulation der Armee in Osttibet durch den Gouverneur von Kham, Ngabo Ngawang Jigme, übernahm in Lhasa im Alter von 15 Jahren, drei Jahre früher als üblich, der 14. Dalai Lama die Regierung Tibets. Ein anschließender Appell an die Vereinten Nationen blieb durch die Ablehnung von Großbritannien und Indien wegen des „ungeklärten Rechtsstatus Tibets“ erfolglos.
hevosenkuva (18.03.2008, 17:24 Uhr)
@albundy69
Inwiefern "Tibet integrativer und integrierter Teil Chinas" ist, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Wenn Sie wieder mal für sich reklamieren, die einzige Wahrheit zu vertreten, bitte schön.
albundy69 (18.03.2008, 16:03 Uhr)
Fehler
Bei all den schlauen und weniger schlauen Bemerkungen, die hier gemacht werden, seien bitte 2 Sachen nicht übersehen resp. zu ignoriert:
a) Tibet ist integrativer und integrierter Teil Chinas und als solcher keine Verhandlungsmasse des hochheiligsten Dalai Lamas, 888. Wiedergeburt des Hulli-Hulla.
b) Immer wieder wird die Friedfertigkeit der tibetischen Religion betont. Wenn dies so ist, dann müsste man ja annehmen, dass es die Chinesen waren die vor einigen Tagen angefangen haben gegen sich selbst zu rebellieren ..... irgendwie nicht logisch, oder ?
eurokrat (18.03.2008, 14:31 Uhr)
Die Sponsoren boykottieren!
Da kann man nix machen, die Chinesen drehen Tibet einfach durch den Fleischwolf und wir können nix anderes tun als dumm zugucken. (Das werden die Muslime wohl auch machen müssen wenn als nächstes die islamische Provinz Xinjiang dran ist.) Wir könnten die westlichen Sponsoren dieser "Olympiade" wie VW, Adidas, UPS boykottieren aber da die grössten Sponsoren chinesische Unternehmen sind, ist auch das zwecklos. Wir haben uns an die Chinesen verkauft, das ist die üble Wahrheit. Die bekämen vielleicht nicht einmal einen totalen Boykott aller chinesischen Waren seitens der europäischen Verbraucher zu spüren. Aber wenn schon unsere Wirtschaft und Politiker versagt haben, bleibt uns immer noch die Möglichkeit, beim Label nachzusehn und wenn da "Made in China" steht, den Mist einfach im Regal zu lassen. Da aber westliche Verbraucher alles hinnehmen nur um einige (Euro)cents zu sparen, gilt wohl auch ein solches Produktboykott als irreal. Da bleibt nix übrig als auf dieses ganze Spektakel zu scheissen und umschalten, sobald die Übertragungen beginnen.
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