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"Wir dürfen Putin keinen Meter unseres Bodens überlassen"

Sie ist die prominenteste Politikerin der Ukraine. Gerade kam sie aus der Haft frei. Im stern-Interview fordert Julija Timoschenko den Westen auf, Stärke zu zeigen. Notfalls auch militärisch.

Von Bettina Sengling und Nina Jeglinski

  Die ukrainische Politikerin Julija Timoschenko sähe ihr Land am liebsten in der EU und in der Nato - nur so könne die Ukraine Putins Machthunger Paroli bieten

Die ukrainische Politikerin Julija Timoschenko sähe ihr Land am liebsten in der EU und in der Nato - nur so könne die Ukraine Putins Machthunger Paroli bieten

Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko sieht das russische Vorgehen auf der Krim als eine Gefahr "für Europa, für die ganze Welt". Im einem Interview mit dem stern sagt sie: "Wenn wir Russland erlauben, die Krim einzunehmen, dann ist nicht nur die Ukraine bedroht, es ist ein Angriff auf die ganze demokratische Welt." Timoschenko fordert von der internationalen Gemeinschaft "schnelle, starke und entschlossene Schritte". Das sei "besser als langwierige und nutzlose Verhandlungen".

Timoschenko kündigt an, die Ukraine werde sich für den Fall eines offenen russischen Angriffs gemäß dem Budapester Memorandum an ihre Partner wenden. Die Ukraine habe 1994 ihre Atomwaffen abgegeben – im Gegenzug hätten die USA und Großbritannien garantiert, das Land bei Angriffen militärisch zu unterstützen. "Der Westen muss die Garantien des Memorandums erfüllen", unterstrich die Politikerin: "Das ist vertraglich vorgesehen." Wenn die Bündnispartner die Ukraine militärisch unterstützten, werde sich Russland automatisch zurückziehen: "Dann gibt es keinen Krieg." Denn der russische Präsident Wladimir Putin verstehe "nur die Sprache der Stärke", so die 53-Jährige zum stern .

Ukraine Baustein in Putins Imperium

Die vor zehn Tagen aus dem Gefängnis entlassene Ex-Ministerpräsidentin wirft Russland vor, es wolle "die Ukraine mit Gewalt zurückerobern". Putin brauche die Ukraine, "um sein neues Imperium aufzubauen". Er wolle, "dass das ganze Land unter russischem Einfluss steht". Dies werde er "so lange versuchen, wie die Welt es zulässt". Deshalb gelte: "Wir dürfen ihm keinen Meter ukrainischen Boden überlassen."

Timoschenko verlangt in dem stern-Interview, die Ukraine schnell in die europäische Gemeinschaft aufzunehmen: "Deshalb fordere ich, das Assoziierungsabkommen mit der EU so schnell wie möglich zu unterschreiben, noch während dieser Krise." Das bedeute zusätzlich Schutz.

Timoschenko für Nato-Beitritt

Die Vorsitzende der konservativen Vaterlandspartei, deren Partei zurzeit den Interimspräsidenten und den Übergangsministerpräsidenten stellt, spricht sich zudem für einen Nato-Beitritt der Ukraine aus. "Russland würde es nicht wagen, gegen die Ukraine so aggressiv vorzugehen, wenn unser Land stärker in westliche Bündnisse eingebunden wäre, zum Beispiel in die Nato. Früher war die Mehrheit der Ukrainer dagegen. Doch das hat sich mittlerweile verändert."

Dem ins russische Exil geflüchteten Ex-Präsident Viktor Janukowitsch sollte ihrer Ansicht nach der Prozess gemacht werden: "Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn jemand, der so viel Blut an den Händen hat, in die Ukraine zurückkommt. Deshalb sollte er nicht vor ein ukrainisches Gericht, sondern vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag."

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Nina Jeglinski und Bettina Sengling