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"Dem Drecksack in den Kopf schießen"

Julia Timoschenko in Erklärungsnot: In einem Telefonat poltert die ukrainische Politikerin gegen Putin. Die Echtheit des Gesprächs hat sie bestätigt - eine brisante Aussage soll aber manipuliert sein.

Von Moritz Dickentmann

Harte Worte, drastische Forderungen: Ein abgehörtes Telefonat lässt Julia Timoschenko in keinem guten Licht dastehen. Konkret geht es um ein Gespräch zwischen ihr und dem Parlamentsabgeordneten Nestor Schufritsch, das mitgeschnitten und inzwischen mehrfach auf dem Videoportal "Youtube" hochgeladen wurde. Wenig staatsmännisch und äußerst martialisch wettert Timoschenko darin gegen die Russen im Allgemeinen und Russlands Präsidenten Wladimir Putin im Speziellen.

Gleich zu Beginn des etwas über zweiminütigen Mitschnitts legt Timoschenko drastisch los. "Ich bin bereit", so die Ex-Regierungschefin, "eine Maschinenpistole in die Hand zu nehmen und diesem Drecksack in den Kopf zu schießen." Wen Timoschenko konkret meint, sagt sie nicht. Allerdings ist spätestens seit einem gut eine Woche alten Interview mehr als naheliegend, dass Putin gemeint ist.

Auch im weiteren Verlauf des Gesprächs findet die Politikerin deutliche Worte, wie mit der aktuellen Situation umzugehen sei: "Es ist Zeit, dass wir unsere Waffen greifen und losziehen, um diese verdammten Russen zusammen mit ihrem Anführer umzubringen", sagt sie gegenüber Schufritsch. Dabei will die 53-Jährige auch ihre Verbindungen einbringen. Sie werde alle Mittel nutzen, die ganze Welt aufzurufen, "Russland in verbrannte Erde zu verwandeln", so Timoschenko, die die Echtheit des Gesprächs, das bereits am 18. März - zwei Tage nach dem Krim-Referendum - aufgezeichnet wurde, inzwischen auf Twitter bestätigte:

Nicht verifizieren wollte Timoschenko hingegen eine Äußerung, die sie gegen Ende des Gesprächs getroffen haben soll. Von Schufritsch angesprochen, wie mit den acht Millionen in der Ukraine lebenden Russen umzugehen sei, antwortet sie hart: "Sie müssen mit Atomwaffen getötet werden." Die Politikerin bezeichnet den Aufruf zum Massenmord als Propaganda, als "eine Montage". Stattdessen habe sie gesagt, die Russen in der Ukraine seien auch Ukrainer, so Timoschenko.

Da der Mitschnitt des Telefonats zu allererst von Kreml-treuen Medien aufgegriffen und verbreitet wurde, kursieren Gerüchte, der Mitschnitt sei absichtlich ins Netz gestellt worden, um die Chancen Timoschenkos bei der in gut zwei Monaten stattfindenden Präsidentschaftswahl zu mindern. Timoschenko selbst machte jedenfalls keinen Hehl daraus, das ihrer Meinung nach Russlands Inlandsgeheimdienst FSB dahintersteckt. Zumindest schreibt sie auf ihrem Twitteraccount mit angefügtem Smiley: "Grüße an den FSB ;) Sorry für die Schimpfworte".

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