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21. April 2011, 19:50 Uhr

Sterben für das wahre Bild

Sie waren gekommen, um die schrecklichen Wahrheiten des Krieges zu dokumentieren. Der Tod der Fotografen Tim Hetherington und Chris Hondros zeigt, wie gefährlich die Arbeit für Reporter in Libyen ist. Von Mareike Rehberg

Libyen, Misrata, Misurata, Tim Hetherington, Chris Hondros, getötet, Tod, tot, Rebellen, Gaddafi, Mörserangriff, 192018

Gefallen bei der Arbeit: Chris Hondros (l.) und Tim Hetherington© Eddy Risch/DPA

Trauer und Schmerz sind groß. "Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich der Tod meines lieben Freundes Tim Hetherington schmerzt und bekümmert", schreibt der Bestseller-Autor und Journalist Sebastian Junger auf seiner Homepage über den renommierten britischen Fotojournalisten, der in der libyschen Stadt Misrata bei einem Mörserangriff ums Leben kam. "Tim war einer der mutigsten und prinzipientreuesten Journalisten, die ich jemals kennengelernt habe. Ich kann nicht glauben, dass er wirklich nicht mehr da ist."

Zusammen haben die beiden Reporter in den Jahren 2007 und 2008 mehrere Monate in Afghanistan bei US-Soldaten verbracht, entstanden sind daraus ein Buch und der oscarnominierte Dokumentarfilm "Restrepo". Erschienen sind die mit dem Photo Press Award ausgezeichneten Bilder ebenso im stern, sie sind in diesem Jahr für den Henri Nannen Preis nominiert.

"Wir zeigen das Gute und das Schlechte"

Nicht nur für Junger bedeutet Hetheringtons Tod einen herben Verlust. In einem Nachruf für den "New Yorker" würdigte sein Kollege Jon Lee Anderson den 41-Jährigen als Fotografen, "der versuchte, in die Seele der Menschen zu blicken und uns zu zeigen, was er sah". Der erfahrene Kriegsfotograf wagte sich in Krisenherde auf der ganzen Welt vor, dokumentierte den Bürgerkrieg in Liberia im Jahr 2003 ebenso wie das Grauen in der sudanesischen Konfliktregion Darfur, die Schreckensszenarien des Tsunami 2004 in Südostasien oder den Irakkrieg. In Misrata war der 41-jährige Brite für das US-Magazin "Vanity Fair" unterwegs.

Hetherington wurde in Liverpool geboren und studierte zunächst Literatur in Oxford, bevor er sich dem Fotojournalismus widmete. In einem Interview sagte er einmal, mit seinen Bildern nichts als die Wahrheit zeigen zu wollen: "Wir zeigen das Gute und das Schlechte. Wir sind nur ehrlich."

Sein Mut und sein Drang, stets an vorderster Front dabei zu sein, wurden dem Fotografen nun zum Verhängnis. Zusammen mit anderen Reportern ließ sich Hetherington am Mittwoch von Rebellen durch das umkämpfte Misrata führen. Als die Truppen des Machthabers Muammar al Gaddafi Granaten abfeuerten, starben er und der Getty-Images-Fotograf Chris Hondros.

Tödliche Gefahr in der Tripolis-Straße

"Die Gefahr für jeden einzelnen Journalisten in Misrata ist zurzeit immens und unberechenbar" - für den deutschen Fotografen Marcel Mettelsiefen war es nur eine Frage der Zeit, bis beim Krieg in Libyen Reporter ums Leben kommen. Er selbst war bis vor zwei Tagen in Misrata unterwegs, um die Kämpfe und das Ausmaß der Zerstörung in der Stadt zu dokumentieren. Allerdings war er allein, nicht in einer Gruppe wie die getöteten Kollegen Hetherington und Hondros. Das sei vielleicht sein Glück gewesen, sagt der Bildjournalist im Gespräch mit stern.de, denn in einer Gruppe enstehe oft eine fatale Dynamik. "Man pusht sich gegenseitig, will sich immer mehr trauen."

Am gefährlichsten sei es in der Tripolis-Straße, in der die Reporter angegriffen wurden. In vier Häusern hätten sich Gaddafis Scharfschützen hier verschanzt, wer in ihre Sichtweite gerät, riskiere sein Leben. Rebellen hätten die Straße mit Lastwagen und Containern voller Sand zugestellt, berichtet Mettelsiefen, nun wolle sich Gaddafi den Weg freibomben, um die Scharfschützen zu unterstützen. Die Splitterbomben, die das Militär dabei einsetzt, verletzen und töten Menschen im Umkreis von 50 Metern. Am Mittwoch traf es Tim Hetherington und Chris Hondros.

mit Agenturen
 
 
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