. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
12. April 2010, 10:40 Uhr

Polen weinen um ihren Präsidenten

Lech Kaczynskis Tod hat Polen in Schockstarre versetzt. Am Dienstag wird sein Sarg öffentlich aufgebahrt, damit das Volk endgültig Abschied von seinem verunglückten Präsidenten nehmen kann.

Lech Kaczynski, Absturz, Polen, Russland, Trauer, Putin, Katyn, Smolensk

Zehntausende Polen bekunden ihre Trauer, als Kaczynskis Sarg in einem Leichenwagen durch Warschau gefahren wird© Wojciech Grzedzinski/Reuters

Nach seinem tragischen Tod soll der polnische Präsident Lech Kaczynski am Dienstag öffentlich aufgebahrt werden, damit seine Landsleute ihm die letzte Ehre erweisen können. Das meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf den Präsidenten-Minister Jacek Sasin. Der mit der weiß-roten Flagge Polens bedeckte Sarg Kaczynskis war am Sonntag nach Warschau überführt worden. Kaczynski, seine Frau Maria und weitere Spitzenpolitiker waren bei einem Flugzeugabsturz am Samstag im Westen Russlands ums Leben gekommen, insgesamt starben bei dem Unglück 96 Menschen.

Marta, die Tochter des tödlich verunglückten Präsidentenpaares, sowie Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw knieten bei einer offiziellen Zeremonie auf dem Militärflughafen Okecie am Sarg nieder. Zehntausende Polen bekundeten am Straßenrand ihre Trauer, als der Sarg in einem Leichenwagen in die Innenstadt gefahren und in die Kapelle des Präsidentenpalastes gebracht wurde. Zugang dort hatten aber zunächst nur die Familie und Mitarbeiter.

Bis spät in die Nacht harrten Tausende vor dem Amtssitz aus, legten Blumen nieder, sangen Kirchenlieder und zündeten Grabkerzen an. Überall hingen weiß-rote Nationalflaggen. Wegen der Menschenmassen blieb die Allee vor dem Präsidentenpalast für den Verkehr gesperrt. Auch an den Trauergottesdiensten nahmen Tausende teil. In der Warschauer Universitätskirche wurde das Requiem aufgeführt. Auch in der Synagoge in Warschau wurde der Toten gedacht.

Staatsbegräbnis wohl am Samstag

Beigesetzt werden soll Kaczynski erst, wenn alle Opfer der Flugzeugkatastrophe von Smolensk wieder in ihre Heimat übergeführt worden sind. Das sagte ein Vertreter der Präsidialkanzlei dem Rundfunksender RMF FM. Der Sarg des Verstorbenen soll demnach bis zum Tag des Begräbnisses zugänglich für die Öffentlichkeit bleiben. Die Familie wolle, dass Lech Kaczynski zusammen mit seiner Frau Maria beigesetzt werde, sagte der Sprecher. Ihr Leichnam sei allerdings noch nicht identifiziert worden.

Nach Angaben der Zeitung "Gazeta Wyborcza" soll das Staatsbegräbnis voraussichtlich am Samstag stattfinden. Sie zitierte Außenminister Radoslaw Sikorski, wonach der russische Präsident Dmitri Medwedew seine Teilnahme bereits angekündigt habe. Laut der ehemaligen Beraterin des verstorbenen Präsidenten, Elzbieta Jakubiak, könnte die Trauerfeier auf zwei Tage - Samstag und Sonntag - ausgedehnt werden.

Wie Präsidentschaftsberater Sasin mitteilte, wollte Ministerpräsident Donald Tusk am Montag mit Vertretern von Kaczynskis Stab über die Organisation des Staatsbegräbnisses beraten.

Identifizierung der Leichen schwierig

Während Kaczynskis Leichnam bereits am Sonntag in die Heimat übergeführt wurde, wurden die übrigen 95 Todesopfer vom Unglücksort im westrussischen Smolensk nach Moskau gebracht, wo die Angehörigen am Sonntag nach und nach eintrafen. Die Identifizierung der Todesopfer bereitet große Schwierigkeiten, sagte Gesundheitsministerin Ewa Kopacz. "Nur 14 Leichname werden ohne Probleme identifiziert werden können." 20 weitere könnten aufgrund besonderer Merkmale zugeordnet werden. Bei den übrigen Todesopfern seien DNA-Tests erforderlich.

Die kranke und betagte Mutter des verunglückten Präsidenten wurde nach Klinikangaben nicht über den Tod ihres Sohnes informiert. Angesichts des Gesundheitszustandes von Jadwiga Kaczynska habe der Zwillingsbruder des Verstorbenen entschieden, dass ihr nichts gesagt werden solle, sagte ein Sprecher des Militärkrankenhauses von Warschau. Die 83-Jährige wird dort seit Mitte März wegen Herzproblemen auf der Intensivstation behandelt.

Ermittler gehen von Pilotenfehler aus

Bei dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine, einer russischen Tupolew-154, starben am Samstag 96 Menschen. Außer Kaczynski und seiner Frau Maria waren Generalstabschef Franciszek Gagor, Notenbankchef Slawomir Skrzypek sowie zahlreiche weitere Vertreter der politischen, militärischen und geistlichen Elite des Landes unter den Toten. Die Delegation wollte des Massakers von Katyn gedenken, bei dem sowjetische Einheiten 1940 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 22.000 Polen ermordet hatten.

Als Ursache des Unglücks wird menschliches Versagen angenommen. Offenbar hatten die Piloten den Rat der russischen Fluglotsen nicht beachtet, wegen des dichten Nebels auf den Flughafen Minsk auszuweichen. Beim vierten Landeversuch streifte die Maschine Baumwipfel und stürzte in ein Waldgebiet.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
LaoLu (13.04.2010, 00:52 Uhr)
Ihr umfangreicher Kommentar, paladin09,
beweißt doch nur, daß Sie nichts begriffen haben.
Deutschland und Polen liegen nun mal direkt nebeneinander.
Da sollte man schon alles unterlassen, was die gegenseitige Wertschätzung schmälern könnte.

Projizieren wir dieses bilaterale Problem mal auf ein für Sie zu verstehendes Umfeld:
Wenn Ihr Nachbar, zu dem Sie über die Jahre eine sorgfältig gepflegte Antipathie aufgebaut haben, eines Tages den Löffel abgibt
und Sie fahren, während ihn seine Angehörigen zu Grabe tragen, feixend und mit voll aufgedrehtem Autoradio am Friedhof vorbei
was meinen Sie, wie das weitere Zusammenleben mit seiner Familie entwickelt? Na?
Das ist einfacher zu begreifen als zwischenstaatliche Beziehungen, nicht wahr?
paladin09 (12.04.2010, 17:56 Uhr)
Das die Polen und nahen Angehörigen
Trauer empfinden und zum Ausdruck bringen ist verständlich. Das Merkel, wie viele andere Politiker ihre pflichtbewußte Betroffenheit und Anteilnahme bekunden ist oberste Staatspflicht.
Das Merkel dies im Namen aller Deutschen zum Ausdruck bringt ist falsch. Die meisten Deutschen haben zu Polen, zu polnischen Politikern keinen persönlichen Bezug und so hält sich die Betroffenheit - Anteilnahme bei den meisten Deutschen nach dem ersten Schreck in Grenzen.
Das Alltagsleben läßt den meisten Deutschen garkeine Zeit großartig sich damit zu beschäftigen.
Vor wenigen Tagen erst wurden 3 Deutsche Soldaten in Afghanistan getötet und nach einer Trauerfeier in Deutschland beigesetzt und schon sind die 3 Soldaten wieder vergessen.
Wer sich in Gefahr begibt, geht das Risiko ein darin eben auch jederzeit umkommen zu können. So, ist das Leben nun einmal.
Stürzt ein Ferienflieger ab, geht eine Lawine ab, findet ein Erdbeben statt wo überall Menschen umkommen, geben wir uns betroffen und nach dem ersten Schreck hat das Alltagsleben uns wieder.
Der Tot gehört zum Leben. Traurig das, dass in unseren Gesellschaften derart ausgeklammert wird.
Wir können uns jedenfalls den Anteilsbekundungen von Merkel zum Ausdruck gebracht für alle Deutschen nicht anschließen. Für uns zumindest galten ihre Worte nicht! Frau Merkel schwingt grundsätzlich zu viele Reden in der ich Form. Ich möchte, ich wünsche, ich werde. Diese abgehobene egoistische Redensform einer Politikerin und Bundeskanzelrin lehnen wir ohnehin ab. Das klingt immer wieder als mache Merkel Politik für sich selber und allein. Vielleicht noch für ihre Angehörigen, bevorzugte Klientel oder Partei. Nur nie für das Deutsche Volk.
Wo Merkel sich im Namen aller Deutschen äußert, sollte sie besser im Namen der Deutschen Nation sprechen. Ansonsten dürfte sie sich eher im Namen der äußern, die sie gewählt hatten. Merkel hält sich, wie Kohl für die Kanzelrin aller Deutschen. Das mag von ihrer Position als Bundeskanzelrin stimmen. Stimmt aber nicht gemessen an der Anzahl der Wählerstimmen die sie gewählt hatten und in den Köpfen von Mill. Deustchen noch weniger.
LaoLu (12.04.2010, 15:18 Uhr)
Wann, h.o.n.k.,
wäre denn Ihrer Meinung nach der richtige Zeitpunkt für Frau Merkels Beileidskundgebung gewesen?
h.o.n.k. (12.04.2010, 13:06 Uhr)
LaoLu
Die Revanchistenund Revisionisten in D gelten als ewiggestrig und haben kein Podium, die in P hingegen dürfen das Maul aufreißen und stellen den Präsidenten? Was interessiert uns der Käse von vor 100 Jahren? Wir leben heute, und wir müssen die Zukunft gestalten - es geht ums Überleben und nicht weniger. Mit jemandem wie Kaczynski an der Macht hätte Polen niemals in die EU gedurft - die sind ja schlimmer als die Briten! Merkels Krokodilstränen waren definitiv zu früh, zu laut und deswegen zu unglaubwürdig. Die Maschinentrümmer waren ja noch nicht mal kalt, da hat sie schon ihr prustend "Beileid" ausgedrückt.
Hamskibamski (12.04.2010, 12:55 Uhr)
@ LaoLu
Na dann fangen Sie mal bei sich selber an und gehen mit dem " Schnauze halten" mit guten Beispiel voran !
Ansonsten wenn Sie die Wahrheit nicht lesen wollen, einfach PC aus und hier im Forum nicht lesen.
Ansonsten lassen wir uns von Ihnen hier bestimmt nichts verbieten.
Einen schönen Tag noch und weiterhin fröhliches Trauern. :-)
Saartroll (12.04.2010, 12:46 Uhr)
Da wird Wahrheit gemacht
Wessen Verschulden es ist, weshalb es zu diesem Unglück kam, ist egal, denn offiziell wird es letztendlich ein Flugfehler des Piloten bleiben.
LaoLu (12.04.2010, 12:37 Uhr)
Also ist die Schamfrist jetzt vorbei
und stern.de bietet dem "gesunden Volksempfinden" wieder eine Plattform, seine Meinung zum Tod des Präsidenten eines Nachbarvolkes breitzutreten.

Finde ich absolut nicht gut.

Ein großer Teil des polnischen Volkes trauert um Kaczinski, da stünde es uns Deutschen gut an, einfach mal für ein paar Tage die Schnauze zu halten.

Hat man mir vor langer, langer Zeit mal beigebracht, so ein Verhalten.
Nannte sich, glaube ich, "Erziehung"
schade77 (12.04.2010, 12:17 Uhr)
@atticus und @derauchnoch
1. geht es ja nicht nur um EINEN Politiker, der hier ums Leben gekommen ist, sondern um das Who-is-Who der polnischen Gesellschaft. Dass dies ein Land lähmen kann, kann ich schon verstehen. Ob der Präsident jetzt sympathisch war oder nicht und ob wir ihn vermissen, spielt keine Rolle.

2. wenn sie Pilot dieser Maschine sind und hinter sich schauen und denen sagen müssen, dass sie einen großen Umweg fliegen, was glauben Sie, wie lange es dauert, bis ein dezenter Hinweis ins Cockpit kommt, dass er gefälligst seinen Job machen und dort landen soll. Ansonsten kann er direkt irgendwo Strassen fegen. Insofern denke ich nicht, dass die Schuld allein beim Piloten liegt, sondern einfach an den Passagieren, die sich ihrer Macht durchaus bewusst waren und nicht wie alle anderen Menschen behandelt werden wollten, sondern wie immer bevorzugt.
atticus (12.04.2010, 12:01 Uhr)
Vielen Dank meinen Vorpostern...
Ich finde es mittlerweile "unerträglich" (endlich kann ich dieses Wort auchmal angemessen verwenden), was für ein Bohei hier gemacht wird. Ja - hier ist ein Flugzeug abgestürzt und 97 Menschen sind gestorben. Aber es muss eben dazu gesagt werden, dass der Welt hier kein großer Staatsmann verloren gegangen ist, als das hier in Deutschland sämtliche - nach Robert Enkes Ableben - noch verfügbaren Kerzen abgebrannt werden müssten. Und wenn man zwischen den Zeilen liest, dann kann man sich einen realistischen Ablauf der letzten Minuten sehr gut ausmalen, wie @Hamskibamski schon vermutet hat.
derauchnoch (12.04.2010, 11:46 Uhr)
Ermittlungen abwarten.....
Ich kann die Gefühle der Menschen in Polen verstehen, aber selbst in Polen galt der Präsident als um es mal positiv zu formulieren als sehr resolut, der auch schon mal einem Piloten mit Rauswurf gedroht hatte, weil dieser sich weigerte im damaligen Kriegsgebiet Georgien zu landen so wie es der Präsident angewiesen hatte.
Es macht auch nachdenklich wenn der Pilot versucht hatte 4 mal zu landen und der Tower die Maschine umleiten wollte.

Man wird ja vielleicht näheres erfahren um sich dann ein besseres Bild machen zu können.

Sollte Druck auf die Piloten ausgeübt worden sein, so würde sich ein ganz anderes Bild ergeben, den Wetter und Sicherheitsbedingungen gelten auch für Präsidentenmaschinen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Lech Kaczynskis tragischer Tod "Hoffentlich war nicht Russland Schuld"

Das fragile Verhältnis zwischen Polen und Russland wird auf eine neue Probe gestellt: Das Unglück von Smolensk könnte die Beziehungen erneut belasten. Moskau tut alles, um das zu verhindern. mehr...

Sarg mit Lech Kaczynski in Warschau Der Präsident kommt nach Hause

Lech Kaczynski ist wieder in der Heimat. Die polnische Flagge umhüllt seinen Sarg. Am Flughafen trauert die Familie, die Staatsspitze ringt um Fassung. Nur seine Mutter weiß von nichts. mehr...

Absturz der Maschine von Lech Kaczynski Ermittler schließen technische Ursache aus

Wer ist schuld am Absturz der Präsidentenmaschine? Nach der Auswertung des Stimmrekorders ist für die russischen Ermittler klar: Das Flugzeug Kaczynskis war in einwandfreiem Zustand. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe