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23. März 2009, 11:36 Uhr

China "grausamer Weltmeister"

Trotz der angekündigten Zurückhaltung während der Olympischen Spiele: Kein anderer Staat der Welt hat im vergangenen Jahr so viele Menschen hingerichtet wie China. Laut Amnesty International wurden in der Volksrepublik mindestens 1718 Frauen und Männer exekutiert.

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Festgeschnallt: Fast 2400 Menschen wurden 2008 durch die Giftspritze oder andere Methoden hingerichtet© AP

Die Hoffnungen, die sich mit den Olympischen Spielen in Peking verbanden, haben sich nicht erfüllt: China hat 2008 wieder mehr Todesurteile vollzogen als jedes andere Land. Mindestens 1718 Frauen und Männer wurden nach Angaben des Jahresberichts von Amnesty International erschossen oder mit der Giftspritze getötet. Damit entfielen mehr als zwei Drittel aller Hinrichtungen auf China. Insgesamt wurden weltweit mindestens 2390 Menschen exekutiert. Damit registrierte Amnesty fast doppelt so viele Hinrichtungen wie im Jahr zuvor, als nur 1252 Fälle bekannt wurden.

Dass ausgerechnet im Olympiajahr wieder deutlich mehr Exekutionen bekanntwurden, verwundert auch Experten - zumal 2007 ein Gesetz in Kraft trat, nach dem Todesurteile, die in der Provinz verhängt wurden, in Peking überprüft werden müssen. "Möglicherweise hängt der Anstieg damit zusammen, dass vor der Olympiade aus Rücksicht auf die internationale Meinung weniger hingerichtet wurde", vermutet Amnesty-Experte Oliver Hendrich. "Kann sein, dass es einen Olympia-Effekt gab, der jetzt wieder dahin ist." Vielleicht sei von den staatlich gelenkten Medien nach dem Ende der Spiele aber auch nur wieder mehr über Todesurteile berichtet worden.

Nach Amnesty-Angaben wurden in China mindestens 1248 Todesurteile mehr vollstreckt als 2007. Dabei handelt es sich allerdings nur um die Zahl der bekanntgewordenen Exekutionen. Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen liegt "um ein Vielfaches höher", so Hendrich.

Die Menschenrechtsgruppe Dui Hua mit Sitz in den USA vermutet, dass in der Volksrepublik pro Jahr mindestens 5000 Menschen exekutiert werden. Andere Schätzungen reichen bis zu 10.000. Offizielle Zahlen gab es aus Peking noch nie. Sie werden als Staatsgeheimnis behandelt.

Von chinesischen Gerichten wurden im vergangenen Jahr mehr als 7000 Todesurteile verhängt. Das bevölkerungsreichste Land der Welt sei weiterhin "grausamer Weltmeister bei der Todesstrafe", kritisierte Amnesty International.

Auf China folgen in der Statistik mit deutlichem Abstand Iran mit mindestens 346 Exekutionen, Saudi-Arabien (mindestens 102), Pakistan (mindestens 36) und die USA (34). Als einziges Land in Europa ließ Weißrussland noch vier Menschen hinrichten. Die Todesstrafe wird nach Amnesty-Angaben noch in 59 Staaten praktiziert, oft gibt es dort aber keine offiziellen Zahlen zu den Hinrichtungen. Die Dunkelziffer liege weltweit "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich höher".

Dagegen ist die Todesstrafe in 138 Staaten der Welt abgeschafft oder wird in der Praxis nicht mehr vollstreckt. Im vergangenen Jahr kamen Argentinien und Usbekistan hinzu. Vor wenigen Tagen beschloss New Mexico als 15. US-Bundesstaat, keine Todesurteile mehr zu vollstrecken. In der Bundesrepublik Deutschland fand die letzte Hinrichtung 1949 statt, in der DDR erst 1981.

DPA
 
 
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