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30. September 2011, 15:40 Uhr

Tod eines Hasspredigers

Anwar al Awlaki war einer der schärfsten Hassprediger des islamischen Terrorismus. Doch sein Tod - wahrscheinlich durch eine US-Drohne - dürfte die Lage im Nahen Osten weiter verschärfen

Seine Waffen waren nicht Sprengstoff und Pistolen, sondern Metaphern und Koranverse. Trotzdem setzten die US-Behörden Anwar al Awlaki auf die Liste der gefährlichsten Terroristen der Welt.

Denn die jemenitischen Wurzeln waren nicht das Einzige, was den US-Bürger mit Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden verband. Beide Männer predigten den "Heiligen Krieg" und Hass auf den Westen. Ähnlich wie Bin Laden, legte sich auch al Awlaki (40) die Aura eines "vergeistigten Helden" zu. Durch seine Predigten wurde der Jemenit - ohne selbst zu kämpfen - zu einer führenden Figur für die Al-Kaida-Zellen auf der Arabischen Halbinsel.

Al Awlaki und sein persönliches Terrornetzwerk

Den jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih bezeichnete al Awlaki in einer seiner letzten Video-Botschaften als "Verbrecher, der den Amerikanern das Feld überlässt" Er erklärte, "die Salih-Regierung erlaubt ihnen (den Amerikanern), die Söhne des Jemen angreifen. Das werden wir ihm nicht verzeihen".

Damit spielte er auf eine Veröffentlichung der Enthüllungsplattform Wikileaks an. Aus der Botschaftsdepesche geht hervor, dass Salih in einem Gespräch mit US-Kommandeur David Petraeus versprochen haben soll, so zu tun, als stecke sein Militär hinter den Angriffen auf mutmaßliche al-Kaida-Terroristen im Jemen und nicht die US-Armee.

Mögliches Problem für Präsident Salih

Salih wurde in dem Gesprächsprotokoll mit den Worten zitiert: "Wir werden weiterhin sagen, dass dies unsere Bomben sind und nicht eure." Dieser Satz lässt sich wahrscheinlich auch auf den Luftangriff anwenden, bei dem al Awlaki jetzt den Tod fand. Denn sowohl das jemenitische Verteidigungsministerium als auch ein Sprecher der US-Regierung, der sich dazu äußerte, machten keine genauen Angaben dazu, wer den Hassprediger und seine Begleiter getötet hat. Die meisten arabischen Beobachter gehen jedoch davon aus, dass er und seine Begleiter von einer unbemannten US-Kampfdrohne getötet wurden, so wie vor ihm schon andere jemenitische Terroristen.

Für US-Präsident Barack Obama ist der Tod al Awlakis eine weitere gute Nachricht von der Terrorfront - nach der Tötung von Bin Laden in Pakistan. Doch für Präsident Salih könnte die Art und Weise wie der 40-Jähre getötet wurde, zu einem Problem werden. Denn die Protestbewegung, die seit Februar versucht, den hartleibigen Dauerherrscher aus dem Amt zu drängen, kämpft nicht nur für Demokratie und Menschenrechte. Sie ist größtenteils auch gegen die engen Beziehungen ihrer Regierung zu den USA, die sich in den vergangenen Jahren vor allem auf die Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung bezog.

Überhaupt ist der Kampf gegen die Al-Kaida-Zellen stets Salihs Hauptargument im Gespräch mit westlichen Diplomaten. Er behauptet: "Ohne mich droht Chaos - Ich bin der Einzige, der es mit al Kaida aufnehmen kann." Die Opposition behauptet sogar, Salih habe die al-Kaida-Terroristen nach Beginn der Proteste gegen sein Regime ermuntert, die Stadt Sindschibar mit Waffengewalt unter ihre Kontrolle zu bringen.

Der Menschenrechtsanwalt Chalid al Ansi, der mit den Demonstranten sympathisiert, sagt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Salih schon lange wusste, wo al Awlaki steckt. Aber erst jetzt, wo ihm das Wasser bis zum Hals steht, hat er den Amerikanern die notwendigen Informationen gegeben, um ihn zu töten."

ins/DPA
 
 
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