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Blutige Krawalle erschüttern Ägypten

Nach den Todesurteilen gegen 21 Fußball-Randalierer zieht erneut eine Welle der Gewalt durch Ägypten. Bei Unruhen in der Hafenstadt Port Said sollen mindestens 27 Menschen getötet worden sein.

  Sturm auf das Gefängnis in Port Said: Demonstranten haben den Bus eines TV-Senders in Brand gesetzt

Sturm auf das Gefängnis in Port Said: Demonstranten haben den Bus eines TV-Senders in Brand gesetzt

Nach 21 Todesurteilen wegen der Fußballkrawalle im ägyptischen Port Said vergangenes Jahr ist die Hafenstadt am Samstag von blutigen Unruhen erschüttert worden. Dabei wurden nach Angaben von Rettungskräften mindestens 27 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt. Am Gerichtsort in Kairo brach dagegen nach Verkündung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer der damaligen Krawalle aus.

In Port Said versuchten nach Bekanntwerden des Richterspruchs Angehörige der Verurteilten, das Gefängnis zu stürmen, in denen ihre Verwandten inhaftiert sind. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Das Gesundheitsministerium in Kairo sprach zunächst von 22 Toten. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Das Innenministerium sprach von "gewaltsamen und blutigen Zusammenstößen" in Port Said. Ein Armeegeneral erklärte, es seien Truppen in die Hafenstadt an der nördlichen Einfahrt zum Suez-Kanal geschickt worden, um für Ruhe zu sorgen und öffentliche Einrichtungen zu schützen.

Mursi will "nationalen Dialog"

Als Reaktion auf die Unruhen hat der Nationale Verteidigungsrat unter Vorsitz von Staatschef Mohamed Mursi zur Ruhe und zu einem nationalen Dialog aufgerufen. Der Rat "verurteilt die Gewaltakte" und rufe die politischen Kräfte im Land auf, ihre Meinung friedlich zu äußern, trug Informationsminister Salah Abdel Maksud am Samstag in Kairo aus einer Erklärung des Gremiums vor. "Unabhängige nationale Persönlichkeiten" rief der Nationale Verteidigungsrat auf, sich an einem Dialog zu beteiligen, um politische Differenzen beizulegen. Außerdem sollten sie sich über das Vorgehen bei den nächsten Parlamentswahlen einigen.

In Suez am Südende des Kanals versuchten Demonstranten nach Angaben von Augenzeugen, das Hauptquartier der Polizei zu stürmen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas sein. Am Freitag waren in der Stadt bei gewaltsamen Proteste anlässlich des zweiten Jahrestags des Volksaufstands gegen Präsident Husni Mubarak acht Menschen getötet worden. Auch in anderen Städten gab es Ausschreitungen.

Blutigste Auschreitungen in Ägyptens Fußballgeschichte

Wegen der Krawalle nach dem Fußballspiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said im Februar 2012 hatten sich vor dem Gericht in Kairo insgesamt mehr als 70 Menschen verantworten müssen, darunter neun Polizisten. Die Urteile gegen weitere Angeklagte sollen am 9. März fallen.

Die Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Den Sicherheitskräften wurde später vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt.

Westerwelle besorgt über die Situation besorgt

Das größte Oppositionbündnis Nationale Heilsfront drohte derweil mit einem Boykott der nächsten Parlamentswahl, sollte die islamistische Regierung nicht eine "umfassende Lösung" für eine Beilegung der politischen Krise finden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt über die anhaltende Gewalt in Ägypten. Er sehe "mit Sorge", dass es nicht gelinge, "die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft des Landes friedlich zu führen", erklärte der Minister.

Sieben Tote bei Protesten zum Jahrestag

Bereits am Freitag hatte es teils gewaltsame Proteste mit landesweit sieben Toten gegeben. Nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums wurden dabei sechs Menschen in der Stadt Suez und ein Mensch in Ismailija getötet. Landesweit sollen zudem mehr als 450 Menschen verletzt worden sein. In Suez wurden Augenzeugen zufolge Militäreinheiten stationiert.

Der Protest am zweiten Jahrestag des Volkaufstands galt der einflussreichen Muslimbruderschaft und Präsident Mohammed Mursi selbst, der der islamistischen Vereinigung nahe steht. Mursi forderte die Bürger des Landes nach den Ausschreitungen zur Abkehr von der Gewalt auf. Er appelliere an alle Ägypter, für die "edlen Werte der Revolution einzutreten, ihre Meinungen frei und friedlich zu äußern und der Gewalt zu entsagen", erklärte Mursi in der Nacht zum Samstag in den Netzwerken Facebook und Twitter.

be/AFP/DPA/DPA

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