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10. Mai 2011, 16:20 Uhr

Hatten die Amerikaner ein geheimes Abkommen mit Pakistan?

Bei seiner Parlamentsansprache drohte Pakistans Premier Gilani den USA offen mit einem Gegenschlag, sollten sie noch einmal eigenmächtig in seinem Land handeln. Ein Zeitungsbericht suggeriert: Die Empörung über die Operation "Geronimo" ist nur gespielt.

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Vor dem pakistanischen Parlament drohte Premier Gilani den USA mit Gegengewalt© AFP

Es ist ein heikler Drahtseilakt, den Pakistans Premierminister Yousuf Raza Gilani vollführen muss. Washington verprellen kann er nicht, weil sein Land am finanziellen Tropf der Supermacht hängt. Seinem Volk - in dem die Amerikaner verhasst sind - muss er zugleich deutlich machen, dass er eigenmächtige US-Operationen wie die zur Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden nicht dulden kann. Vor dem Parlament drohte Gilani den USA im Wiederholungsfall offen mit Gegengewalt, die Armee stellte die Zusammenarbeit mit den USA infrage. Zweifel daran, wie echt die Empörung ist, nährt nun der britische "Guardian" .

Die Zeitung berichtet unter Berufung auf anonyme Quellen aus beiden Ländern über ein angebliches Geheimabkommen zwischen dem früheren US-Präsidenten George W. Bush und dem ehemaligen pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf: Die zwei Regierungschefs hätten nach der Flucht bin Ladens aus Afghanistan Ende 2001 vereinbart, dass die USA das Recht hätten, den Al-Kaida-Chef eigenmächtig in Pakistan zu verfolgen, schreibt die Zeitung. In einem solchen Fall würde Pakistan anschließend lautstark gegen den Einsatz protestieren.

Der "Guardian" zitiert eine hochrangige pakistanische Quelle, wonach die pakistanische Armee das Abkommen im Februar 2008 erneuert habe. Damals war Musharraf noch Präsident, aber eine zivile Regierung war bereits gewählt. "Was unsere amerikanischen Freunde angeht, so haben sie das Abkommen nur umgesetzt", sagt der Pakistaner. Und ein mit dem Fall vertrauter Amerikaner meint nach Angaben des Blattes, die pakistanischen Proteste seien nur das "öffentliche Gesicht" der Vereinbarung. "Wir wussten, dass sie diese Sache dementieren würden."

Existenz des Abkommens ist nicht sicher

Ob nur die Armee oder auch die Zivilregierung von dem Abkommen wusste - oder ob es diesen brisanten Deal in Wirklichkeit gar nicht gab, wird kaum zu belegen sein. Parallelen ließen sich möglicherweise zu den Drohnen-Angriffen ziehen, mit denen der US-Geheimdienst CIA Extremisten im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan bekämpft. Öffentlich verurteilt Islamabad die Einsätze unbemannter Flugzeuge, während Pakistans Militär unter der Hand einräumt, die Amerikaner mit Zieldaten zu versorgen.

Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Regierung in Islamabad warf auch eine von Wikileaks veröffentlichte Depesche der damaligen US-Botschafterin Anne Patterson auf. Sie berichtete demnach an Washington, Gilani habe einen Vorschlag seines Innenministers Rehman Malik abgelehnt, die Drohnen-Angriffe während einer pakistanischen Offensive gegen die Taliban im Jahr 2009 zu stoppen. Der Premierminister habe gesagt: "Es ist mir gleich, wenn sie (die Amerikaner) es tun, solange sie die richtigen Leute treffen. Wir werden im Parlament protestieren und es dann ignorieren."

Beziehungen zwischen USA und Pakistan auf Tiefpunkt

Außer Frage steht dennoch, dass die Beziehungen zwischen Washington und Islamabad auf ihrem tiefsten Punkt seit dem 11. September 2001 angekommen sind. Die "New York Times" berichtete, die gegen bin Laden eingesetzten amerikanischen Spezialeinheiten seien autorisiert gewesen, sich den Rückweg aus Pakistan heraus notfalls freizuschießen. US-Präsident Barack Obama habe bewusst eine militärische Konfrontation in Kauf genommen - mit Sicherheitskräften eines Landes, das offiziell immer noch ein Alliierter ist.

Pakistan kontert mit schmerzlichen Nadelstichen. Die "New York Times" berichtet über Ärger in der CIA über den vorgeblichen pakistanischen Partner, den Militär-Geheimdienst ISI. Der ISI, so schreibt das Blatt, habe einheimischen Medien nun zum zweiten Mal in fünf Monaten die Identität des jeweiligen CIA-Repräsentanten in Islamabad gesteckt. Die Enttarnung sei nach Einschätzung amerikanischer Behördenvertreter ein bewusster Versuch, die Arbeit des US-Geheimdienstes nach der Tötung bin Ladens zu erschweren.

Can Merey, DPA
 
 
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