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3. Februar 2008, 11:08 Uhr

Rebellen nehmen Hauptstadt ein

Nach einem tagelangen Marsch auf N'Djamena, haben die Rebellen die Hauptstadt des bitterarmen Tschad eingenommen - doch eine Waffenruhe zwischen ihnen und den Regierungstruppen wird es zunächst nicht geben. Jetzt werden die ersten Ausländer ausgeflogen.

Tschadische Soldaten im Niemandsland zwischen dem Tschad und dem Sudan© Stephen Morrison/EPA/DPA

Rebellen im Tschad sind in die Hauptstadt N'Djamena eingedrungen. Bereits in den vergangenen Tagen hatten sie sich schwere Kämpfe mit Regierungstruppen geliefert. Sie wollen ihre Offensive auch am Sonntag fortsetzen, wie ein Rebellensprecher im britischen Fernsehsender BBC ankündigte. Die Rebellen kontrollieren laut BBC große Teile der Hauptstadt. Eine vom libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi vorgeschlagene Waffenruhe erteilte der Rebellensprecher eine Absage. Nach amerikanischen Medienangaben sagte Rebellensprecher Abderamane Koullamalah, sie wären bereit, Präsident Idriss Déby freien Abzug zu gewähren, um ein unnötiges "Blutbad" zu vermeiden.

In der tschadischen Hauptstadt N'Djamena sind am Sonntag Anwohnern zufolge erneut heftige Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen entbrannt. Nach einer ruhigen Nacht lieferten sich beide Seiten ab etwa fünf Uhr morgens Ortszeit erneut Gefechte in der Nähe des Präsidentenpalasts, berichtete ein Mitarbeiter eines nahe gelegenen Hotels. Es seien Einschläge schwerer Geschosse zu hören.

Unterdessen begann Frankreich mit der Evakuierung von Ausländern aus dem zentralafrikanischen Land. Eine erste Militärmaschine mit 75 Passagieren aus N’Djamena startete in die Hauptstadt Gabuns, Libreville. Dort wartete eine Boeing 777 für den Weiterflug nach Paris, sagte der französische Verteidigungsminister Hervé Morin im französischen Fernsehen.

Mehrere hundert Ausländer wollten den Tschad verlassen, hieß es. Nach Angaben des französischen Fernsehens standen insgesamt vier Militärmaschinen für Evakuierungsflüge bereit. Auch die Bundesregierung stellte sich auf eine mögliche Rettung der im Tschad lebenden Deutschen ein. "Wir beobachten die Situation mit größter Aufmerksamkeit", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Gemeinsam mit den europäischen Partnern sei man auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet.

In der saudi-arabischen Botschaft starben die Frau und die Tochter eines Mitarbeiters durch einen Bombentreffer. Der französische Auslandssender RFI berichtete, dass die Kämpfe große Zerstörungen verursacht und möglicherweise auch viele Opfer gefordert hätten. Hunderte Verletzte habe es möglicherweise gegeben. Es sei jedoch wegen der unübersichtlichen Lage ziemlich schwierig eine erste Bilanz zu ziehen.

Medienberichten zufolge drangen etwa 2000 Rebellen in die Stadt ein. Die Korrespondentin des arabischen Senders al Dschasira berichtete von heftigem Gefechtslärm aus der Umgebung des Präsidentenpalastes. Ein Sprecher der Vereinigten Kräfte für Demokratie und Entwicklung (UFDD), der größten Rebellenbewegung des Landes, bestätigte in einem Interview mit dem arabischen Sender, dass die Rebellenverbände den Präsidentenpalast umstellt hätten.

Der Tschad und der benachbarte Sudan werfen sich gegenseitig vor, Rebellengruppen im jeweils anderen Land zu unterstützen, um dieses zu schwächen. Beide Seiten bestreiten die Vorwürfe. Seit April 2006 kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Im vergangenen Jahr wurden erneut Hunderte Menschen im Osten des Landes bei Kämpfen zwischen den Rebellen und Regierungstruppen getötet.

Die Rebellengruppen ändern häufig ihre Allianzen, so dass es für die Regierung schwierig ist, mit ihnen zu verhandeln. Der Konflikt im Osten des Tschads steht in enger Verbindung mit dem Bürgerkrieg in der sudanesischen Region Darfur. Etwa 240.000 sudanesische Flüchtlinge leben in tschadischen Lagern zusammen mit etwa 180.000 Tschadern, die aufgrund der Gewalt in der Grenzregion ihre Häuser verlassen mussten. In der Gegend nahe der Grenze kommt es immer wieder zu Überfällen von Milizen beider Nationalitäten.

"Die Truppen des Präsidenten werden sich ergeben"

"Präsident Idriss Déby wird sich unseren Truppen ergeben", sagte UFDD-Sprecher Jebren Issa. "Wir werden ihn vor Gericht bringen und können für seine Sicherheit und seinen Schutz garantieren." Zugleich unterstrich er, dass die Rebellen nicht die Absicht hätten, die französischen Truppen in der Stadt anzugreifen.

Tschads Präsident Déby verdächtigte unterdessen den Sudan, die Rebellen mit Waffen auszurüsten. Déby war selbst 1990 mit einem Putsch an die Macht gekommen. Vor zwei Jahren hatten Rebellen bereits versucht, ihn zu stürzen. Mit Hilfe französischer Truppen wurde der Staatsstreich verhindert. Über seinen Verbleib gab es widersprüchliche Berichte. Während einige Medien meldeten, dass er nach Gabun ausgeflogen sei, hieß es in anderen Meldungen, er halte sich weiterhin im Präsidentenpalast auf.

Stichwort Tschad Der Tschad im Norden Zentralafrikas gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Ursachen sind vor allem der Mangel an Wasser und jahrzehntelange Unruhen. Die Organisation Transparency International zählt das Land zu den korruptesten der Erde. Die Weltbank kritisiert, dass die Erlöse aus der seit einigen Jahren in größerem Umfang betriebenen Erdölförderung zunehmend in den Kauf von Waffen gesteckt wurden. Der Vielvölkerstaat hat fast zehn Millionen Einwohner. Muslime stellen mehr als die Hälfte, Christen etwa ein Drittel der Bevölkerung.

DPA/Reuters/AP
 
 
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