14. März 2008, 21:29 Uhr

Gericht prüft Verbot von Erdogans Partei AKP

Der Streit um das Ende des Kopftuchverbots an türkischen Universitäten spitzt sich zu. Der oberste türkische Staatsanwalt hat ein Verbot der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Recep Tayyip Erdogan beantragt. Zudem will er dem Ministerpräsidenten die politische Betätigung untersagen lassen.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan©

Der oberste türkische Staatsanwalt hat im Streit um das Ende des Kopftuchverbotes an Hochschulen ein Verbot der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP beantragt. Wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu weiter berichtete, warf Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya der AKP vor, sie sei das Zentrum von Aktivitäten gegen den säkularen Staat. Er habe den Verbotsantrag beim Verfassungsgericht eingereicht. Auf Initiative der AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte das türkische Parlament im Februar die Verfassung geändert, um das Tragen des Kopftuches an Hochschulen zu erlauben.

Nach türkischen Medienberichten beantragte der Generalstaatsanwalt zugleich 71 Politikern der Partei AKP die weitere politische Betätigung zu untersagen. Darunter waren auch Ministerpräsident Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül.

Der Staatspräsident forderte in einer ersten Reaktion auf den Verbotsantrag, jeden Schritt genau zu überlegen und zu bedenken, was die Türkei gewinnen und verlieren könne. Gül wies darauf hin, dass die AKP die Mehrheit im Parlament habe.

Schleichende Islamisierung der Türkei

Die Verfechter des Verbotes werfen der Regierung von Erdogan vor, eine schleichende Islamisierung der Türkei zu betreiben und die von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk verfügte Trennung von Staat und Religion aufzuweichen. Dagegen haben Politiker von Erdogans AKP das Kopftuch als persönliches religiöses Freiheitsrecht verteidigt.

Staatspräsident Gül hatte die Verfassungsänderungen für ein Ende des Verbotes bestätigt. Die Änderungen verstießen nicht gegen die Staatsprinzipien der Türkei und stärkten das Recht auf Bildung, hieß es in einer Mitteilung des Präsidialbüros. Das Verbot war nach dem Militärputsch 1980 als Verwaltungsverordnung erlassen und später höchstrichterlich bestätigt worden. Einer Meinungsumfrage zufolge unterstützen 65 Prozent der Türken die Aufhebung des Kopftuchverbotes.

Erdogan und Gül haben ihre politischen Wurzeln in der islamistischen Wohlfahrtspartei RP, die 1998 vom türkischen Verfassungsgericht verboten worden war. In der Türkei läuft derzeit außerdem bereits ein Verbotsverfahren gegen die größte Kurdenpartei, die Partei der Demokratischen Gesellschaft (DTP). Ihr wird vorgeworfen, verlängerter Arm der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
turock (15.03.2008, 19:24 Uhr)
Diese Ultra Kemalisten und
Natinalisten haben schon fast eine perverse sicht über laizismus und stellen sich über die Demokratie. Diese Betonköpfe wollen einfach nicht verstehen dass die Türkei ein Land ist mit islamischer Geschichte. Wieso bringen sie nicht gleich ein Gesetz raus das den Kopftuchträgern und Religiösen Menschen das Wählen verbietet.
sachsenwini (15.03.2008, 19:05 Uhr)
Wenn die Meldung über das AKP Verbot genauso wahr ist
wie die Hürriyet- Lügen- Berichterstattung über den Brand in Ludwigshafen, dann ist es besser erst einmal abwarten, was an den orientalischen Märchen real ist.
BerndHH (15.03.2008, 11:44 Uhr)
Bußgeld wegen Werbung mit Kopftuch
Der Werberat hat in der Türkei einigen Medien hohe Bußgelder auferlegt, weil in ihrer Werbung Damen mit Kopftuch zu sehen waren. Ist das in Ordnung? Hierzulande muss man es ertragen wenn einem an Straßenplakaten Frauen-Organe ins Gesicht springen. Brüste Hinterteile etc. Auch nicht in Ordnung. Man könnte ja sagen, wer Erotik sehen will, kann es zu Hause machen, ohne damit zu belästigen. Was soll an einem Kopftuch störend sein? Der Generalstaatsanwalt hat ordentlich übertrieben.
Oetker333 (15.03.2008, 11:15 Uhr)
Gegen AKP-Verbot
Man kann keine Partei verbieten die die Mehrheit im Parlament hat. Außerdem ist ein großer Teil der Bevölkerung für die Lockerung des Verbotes. Man keine Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung machen. Wenn man die AKP verbieten will, dann könnte man ja auch die CDU/CSU verbieten, da Herr Pofalla Kreuze in Schulen gefordert hat.
ritchie (15.03.2008, 09:22 Uhr)
a pro po Hürriyet
Menschstudent:
Hürriyet, das war doch diese famose türkische Zeitung die über Ludwigshafen geschrieben hatte "jetzt verbrennen sie (die Deutschen) uns wieder". Nehme an, daß dieses Drecksblatt nie im Leben den türkischen Lesern eine Klarstellung über die Geschehnisse in Ludwigshafen geben wird. Für die sind wir Deutschen einfach schuld bis in die Steinzeit. Wenn die Türken nicht aufpassen, werden sie von Erdogan Stück für Stück, jedes Jahr ein bißchen mehr in einen Islamistenstaat geführt. Wer das nicht sieht, sollte sich einen Blindenhund zulegen.
Mensch.Student (15.03.2008, 09:03 Uhr)
@Stahlkappe
Um eine Relation der türk. Medien zu diesem Artikel zu setzen, müssten Sie des lesens in türk. Sprache mächtig sein. Falls dies der Fall ist empfehle ich Ihnen ein Test Abo der Hürriyet.
tufang (15.03.2008, 08:59 Uhr)
AKP-Verbot
Ich bin jede ART von Verbotes und Undemokratischen Lösungen.Aber wenn ein Partei wie AKP versteckt als ein WOLF hinter ein Lammpelz und ständigt versuch mit tricks die sekularen Staat und die Ideen von Atatürk mit Füssen tritt dann muss man mit der Verfassungklage oder Ähnliche Rechtsstaatinstruments rechnen dass sie Ihre Hand hoch zu heben wie immer !!
Wer versucht in 21.Jahrhundert die Uhren 100 Jahre zurückzustellen der hat nicht in einem modernen Staat und Gesellschaft nicht zu suchen.
cklasseking01 (15.03.2008, 01:23 Uhr)
Ist zwar eine ewige Diskussion,
ich finde es aber gut. Die sekularen Ideen von Atatürk waren eben einen modernen Staat zu bauen, der Staat und Religion streng trennt. Das hat über viele Jahrzehnte gut funktioniert. Daß dafür das Militär einstreiten mußte ist zwar schade, aber es gibt eben auch immer extreme Leute, wie aktuell, die aus verbotenen Parteine kommen.
Ich bin auch dafür, daß soetwas in D eingeführt wird. Dann aber auch so, daß alle religiösen Symbole (z.B. Kreuz) aus staatlichen Einrichtungen abgezogen werden. Das hat mit Religionsfreiheit nichts zu tun, denn jeder kann Privat oder in seiner Glaubensrichtung vorhandenen Räumlichkeiten seine Religion ausleben.
Stahlkappe (14.03.2008, 23:20 Uhr)
@Mensch.Student
Was hat das mit den Medien zu tun?
Es ist keine Ente oder so
Es ist Fakt das die Partei vor dieses Gericht gezerrt wird.
Aber Hauptsache hier schreiben.
ademmm (14.03.2008, 22:49 Uhr)
Dinosaurier werden nicht mehr überleben
bis jetzt wurde türkei von kemalistische elite und militaer geführt demokratie war eher eine theater jetzt wird aber ernst.
und der Türkische Volk will entscheiden.
Wir lassen nicht alles gefallen.
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