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14. August 2007, 12:28 Uhr

Gül will es noch mal wissen

Der umstrittene türkische Außenminister Abdullah Gül soll erneut für das Amt des Präsidenten kandidieren. Seine Wahl war im Frühjahr gescheitert, weil Militär und Opposition befürchten, dass die Türkei unter Gül stärker religiös geprägt werden könnte.

Am 20. August tritt der Politiker Abdullah Gül erneut zur Präsidentschaftswahl an© Kerim Okten/DPA

Die türkische Regierungspartei AKP hat Inforamtionen zufolge den ehemaligen Islamisten Abdullah Gül erneut für das Präsidentenamt nominiert. Wie es aus der Partei weiter hieß, will der Außenminister bei Oppositionsführern um Unterstützung für seine Kandidatur werben. Danach werde er seine Bewerbung wahrscheinlich offiziell dem türkischen Parlament sowie der Presse bekannt geben.

Die Wahl im Parlament ist für den 20. August angesetzt. In den ersten beiden Wahlrunden muss ein Kandidat zwei Drittel der Stimmen erhalten, um sich durchzusetzen. Ab der dritten Runde reicht eine einfache Mehrheit, wie sie die AKP hat.

Kritik von allen Seiten

Der Streit um den Nachfolger von Präsident Ahmet Necdet Sezer hatte die Türkei im April in eine tiefe innenpolitische Krise gestürzt. Die einflussreiche säkulare Elite und das Militär hatten sich gegen eine Wahl Güls gestellt. Der Streit um den religiösen Politiker veranlasste Ministerpräsident Tayyip Erdogan zu vorgezogenen Wahlen im Juli, die seine islamisch-konservative Partei deutlich für sich entschied. Im Mai war die Wahl Güls am Widerstand der Armeeführung und der laizistischen Opposition gescheitert, die einen weiteren Machtzuwachs der AKP verhindern wollen.

Die Kandidatur Güls ist aber auch in der AKP umstritten. Einige hochrangige Parteimitglieder wollten sich nach dem Wahlsieg auf Reformen konzentrieren und eine erneute Konfrontation mit den weltlich orientierten Kräften vermeiden. Die größte Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei (CHP), hatte an Erdogan appelliert, einen Kompromisskandidaten ins Feld zu schicken. Die religiös-konservative Regierungspartei AKP wolle dem Parlament den bereits einmal durchgefallenen Kandidaten aufzwingen, sagte der stellvertretende Vorsitzende CHP, Onur Öymen. "Das halten wir für falsch."

"Gefahr für den säkularen Staat"

Der Vorsitzende der Volkspartei, Deniz Baykal, erklärte, Güls islamische Vergangenheit und seine Weltanschauung seien eine große Gefahr für den säkularen Staat. Der türkische Präsident hat vor allem repräsentative Aufgaben, kann aber gegen Gesetze und Personalentscheidungen der Regierung sein Veto einlegen. Zudem gilt er als Oberkommandierender der Streitkräfte.

Kritiker Güls weisen darauf hin, dass seine Frau ein Kopftuch trägt. Dies wird von vielen säkularen Türken als Symbol des politischen Islams betrachtet. Im Falle seiner Wahl könnte dies schon bald zu einem Konflikt führen: Am 30. August finden wichtige Militärfeiern statt, bei denen Besuchern das Tragen von Kopftüchern verboten ist.

Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
muhtesem1 (15.08.2007, 22:23 Uhr)
das ist die türk.demokratie denke ich...
es geht bisher alles sehr demokratisch zu. das volk hat gewählt. ich neige auch so wie du betonpaul, d.das militär sie ausbremst. aber sie wird es nicht tun, denn das volk hat gewählt und die militärs in der türke ist sehr demokratisch. solange sich gül zudem hält was er auch verspricht, werden die militärs nur beobachter sein,ist meine meinung. ich habe auch keine angst vor dem islam. das wird hier zu sehr und ungerecht kriminilasiert. die türken habe den islam aus anderen gründen von der regierungsrolle getrennt. das ist auch gut so. religionen haben uns menschen schon sehr viel unheil gebracht. obwohl ohne religionen die welt sicherlich viel schlimmer wäre.
Betonpaul (15.08.2007, 17:54 Uhr)
Hoffnung
Man kann nur hoffen, daß Gül und Erdogan vom Militär ausgebremst werden.
Das ist zwar nicht die normale, demokratische Art, aber hätte das unsere Wehrmacht anfangs der 30-er Jahre auch durchgezogen, wäre uns Adolf erspart geblieben.
catchme (15.08.2007, 07:51 Uhr)
Türkei - das unbekannte Land ...
... wo geht der Weg hin ?
Die Türkei möchte in die EU und möchte westl. geprägt sein, das ist der türkischen Bevölkerung in der Hauptstadt und einigen Urlaubszentren auch zu vermitteln bzw. ist deren Wunsch. Aber ein sehr, sehr großer Teil der Türken lebt auf dem Land und pflegt dort die islamisch-geprägte Lebensart. Ob dieser Spagat gelingt, ist sehr fraglich ... und dann ist da ja noch das Militär , ein sehr großer Unsicherheitsfaktor !
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