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26. September 2008, 18:14 Uhr

Der Moment, der Präsidenten macht

Mit Spannung erwarten viele die erste TV-Debatte zwischen John McCain und Barack Obama. Denn die Vergangenheit lehrt: Ein Fehler kann reichen, um alle Chancen auf das Weiße Haus zu verspielen. 90 Minuten werden beide Rede und Antwort stehen, und hoffen auf den einen Moment, der sie zum Wahlsieg trägt. Von Tobias Betz

Sie treten gegeneinander an: John Mc Cain (links) gegen Barack Obama© AFP/Mandel NGAN (links), AP/Alex Brandon (rechts)

Vergessen sind die wochenlange Tingeltour durchs Land, das Hauen und Stechen, der tägliche Kampf um die Hoheit in den Medien. Ein Moment kann darüber entscheiden, wem die Wähler vertrauen, wem sie am Wahltag ihre Stimme geben. Die Debatten im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf können solche Momente liefern, und darum ist die Spannung groß, wie sich die beiden Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und John McCain nun schlagen werden in ihrem ersten großen TV-Duell.

Drei Mal werden der Kandidat der Demokraten Obama und sein republikanischer Konkurrent McCain Rede und Antwort stehen. Drei Mal haben die amerikanischen Wähler für neunzig Minuten die Gelegenheit, sich ihre Meinung zu bilden, wer von beiden die Urteilsfähigkeit und den Charakter besitzt für den Job im Weißen Haus. Erfahrene Politjournalisten werden die Fragen stellen, alle großen Fernsehsender übertragen den Schlagabtausch live zur besten Sendezeit. Vor allem das erste Rededuell, das in diesem Wahljahr an der Universität von Mississippi stattfindet und dem Thema nationale Sicherheit gewidmet ist, wird mit großer Spannung erwartet. Die Einschaltquoten sind dann erfahrungsgemäß am höchsten, der erste Eindruck, den die beiden im direkten Duell liefern, kann wahlentscheidend sein.

Die Macht der Bilder

Seit 1960 sind die Fernsehdebatten fester Bestandteil im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Den Anfang machten der junge John F. Kennedy und sein republikanischer Gegner Richard Nixon, und schon da zeigte sich, welchen Einfluss eine solche Debatte auf den Ausgang der Wahlen haben könnte. Es waren vor allem die Bilder, und nicht so sehr die Worte, die den noch unerfahrenen Kennedy zum Sieger des TV-Duells werden ließen. Denn auf den Bildschirmen der Nation erschien er als das frische, das neue Gesicht, das zu der damaligen Zeit passte. Er signalisierte Aufbruch und Optimismus. Er strahlte. Und ihm gegenüber saß ein Mann, der vergessen hatte, sich zu rasieren. Nixon sah schlecht aus, eine Katastrophe für einen Auftritt im Fernsehen.

Die Macht der Bilder kann einen Kandidaten in einer Nacht zerstören und seinen Konkurrenten zum Wahlsieg verhelfen. Das musste auch der ehemalige Präsident George Bush senior in seinem Duell mit Bill Clinton 1992 erfahren. Er wirkte ungeduldig, nervös, und dann erwischte die Kamera in auch noch genau in dem Moment, als er auf seine Uhr schaute. Die Botschaft war klar: Bush hielt es nicht länger aus, zumindest machte er einen solchen Eindruck auf die Zuschauer. Auch Al Gore, Präsidentschaftskandidat der Demokraten im Jahr 2000, dürfte sich nicht gerne an seine TV-Debatten erinnern. Viele Analysten gingen damals davon aus, dass er als Vizepräsident unter Bill Clinton an Erfahrung dem damaligen Gouverneur von Texas, George W. Bush, haushoch überlegen sei. Doch genau dies wurde Al Gore in der Debatte zum Verhängnis. Seine Aggressivität und hörbare Seufzer ließen ihn überheblich, unsympathisch und so gar nicht wie einen Präsidenten wirken.

Mit Witz ins Weiße Haus

Doch es sind nicht nur die Bilder, die den Ausschlag über Sieg und Niederlage geben. Ein überraschender Satz, ein Zögern oder eine unüberlegte Antwort können genauso entscheidend sein. Meist ist es nur dieser eine Moment, der vielen Zuschauern in Erinnerung bleibt, in den Medien weiterlebt und somit Geschichte schreibt. So wie am 28. Oktober 1984, bei der Fernsehdebatte zwischen dem republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und seinem demokratischen Herausforderer Walter Mondale. Reagan stand unter Druck, die Öffentlichkeit fragte sich, ob er mit seinen 73 Jahren noch das höchste Amt im Staat ausführen könne. Vielleicht sollte man einem Mann in seinem Alter keine zweite Amtszeit geben - ein jüngerer Kandidat wie Mondale wäre da unter Umständen der geeignetere Kandidat.

Doch dann kam Reagan zurück. Als einer der Moderatoren ihn fragte, ob er denn wie Präsident Kennedy während der Kuba-Krise tagelang ohne viel Schlaf auskommen könne und unter solchen Bedingungen arbeitsfähig sei, konterte Reagan: "Zweifellos. Ich möchte Sie zudem wissen lassen, dass ich die Altersfrage nicht zum Wahlkampfthema machen werde. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Gegners politisch nicht ausnutzen." Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite, und die Sympathien, die ihm zuflogen, verdeckten die Zweifel an seinem körperlichen Zustand. Er gewann später haushoch die Wahl. Amerika liebt solche Momente.

Den Tiefpunkt in der Geschichte der TV-Debatten erlebte der demokratische Bewerber ums Weiße Haus im Jahr 1988. Michael Dukakis gegen Bush senior, so lautete der Zweikampf bei der Präsidentenwahl in jenem Jahr. Der Showdown vor den laufenden Kameras mündete in eine Frage, die man nicht stellen sollte, und eine Antwort, die man damals besser nicht hätte geben sollen. Dukakis wurde gefragt, ob er eine Todesstrafe für einen Verbrecher befürworten würde, der Dukakis Frau vergewaltigt und ermordet hätte. Dukakis zögerte keine Sekunde. Ganz sachlich, gefasst und in ruhigem Ton antwortete er: "Nein, ich würde es nicht. Und ich glaube, dass sie wissen, dass ich die Todesstrafe während meines ganzen Lebens abgelehnt habe." Eine Antwort, die Dukakis Sympathien kostete, und wohl auch viele Wählerstimmen. Denn sein nüchterner Ton, das Fehlen jeder Emotion verstärkte das Bild von Dukakis als Technokraten, der keine Berührung zur Bevölkerung hatte.

Obama muss weiße Wähler überzeugen

Solche Fehler gilt es zu vermeiden, für Obama und McCain, wenn sie sich nun zum ersten Duell gegenüberstehen. Das Rennen um das Weiße Haus ist weiterhin offen, auch wenn Obama zuletzt in den Umfragen bis zu neun Punkte vor seinem Konkurrenten lag. Für Obama ist entscheidend: Er muss beweisen, dass er schon bereit ist, Amerika als Präsident zu führen. Dass er fähig ist, als Oberkommandierender der Streitkräfte die nationale Sicherheit zu garantierten. Und dass man ihm vertrauen kann. Doch noch immer zweifeln viele Wähler, vor allem aus der weißen Arbeiterschicht, ob sie dem schwarzen Senator aus Illinois ihre Stimme geben sollen.

Obama muss die Debatte nutzen, die Zweifel zu beseitigen, und sich vor allem von seiner menschlichen Seite zeigen. Für den erfahrenen John McCain kommt das TV-Duell zur falschen Zeit. Er ist der Mann für die Themen nationale Sicherheit und Außenpolitik. Doch mit der Bankenkrise und einer drohenden Rezession vor Augen, wollen viele Amerikaner vor allem wissen, wie die Präsidentschaftsbewerber das Land aus der Wirtschaftskrise herausführen wollen. Ein schwieriges Terrain für McCain - beim Thema Wirtschaft ist er nicht trittsicher.

McCain hat sich verzockt

Wohl auch deshalb versuchte McCain spektakulär den Wahlkampfkalender durcheinanderzuwirbeln - und ließ bis zuletzt offen, ob er an der ersten Debatte an der Universität von Mississippi teilnehmen wird. Ein politischer Schachzug, wie viele vermuten. Denn die Wirtschaftskrise hatte Barack Obama einen deutlichen Aufwind in den Umfragen beschert, vor allem, weil viele Amerikaner die Schuld bei der Regierung Bush vermuten.

Da überraschte der alte Haudegen McCain mit seiner Ankündigung, den Wahlkampf ruhen zu lassen und stattdessen in die Hauptstadt Washington zu fliegen, um das 700 Milliarden Dollar Rettungspaket durch den Kongress zu bringen. Erst, wenn man im Kongress einen Kompromiss gefunden habe, wolle er wieder zurückkehren in den Wahlkampf, und stünde bereit für ein TV-Duell. Doch McCain hat sich scheinbar verrechnet. Aus der geplanten präsidentiellen Pose wurde eine Luftnummer, denn wirklich hilfreich scheint er nicht gewesen zu sein bei den Verhandlungen im Kongress. Obama hatte bereits vorausgesagt, dass die beiden Präsidentschaftsbewerber wohl nur wenig bewegen könnten vor Ort. Und so war er auch schon am frühen Morgen in das Flugzeug gestiegen, das ihn nach Oxford im Bundesstaat Mississippi bringen sollte, dem Schauplatz der ersten TV-Debatte.

McCain zögerte bis zuletzt, sogar ein Ausfallen der Debatte schien noch möglich. In den US-Medien wurde bereits darüber spekuliert, ob Obama vielleicht sogar alleine zur Debatte erscheinen und so ein Millionenpublikum für sich haben würde. Da musste McCain handeln. Denn Obama auf allen TV-Kanälen, zur besten Sendezeit, volle 90 Minuten - es hätte wieder ein solcher Moment sein können. Ein Moment, der Sieger kürt. Ein Moment, der amerikanische Geschichte schreibt.

Von Tobias Betz
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
tagora-sagittara (27.09.2008, 02:48 Uhr)
ich interessiert nicht....
wen die Amis wählen ,... mich interessiert wenn die "Geldwechsler" wählen!!
Johann58 (27.09.2008, 00:46 Uhr)
heute spielen andere Dinge ebenfalls eine entscheidende Rolle
Auch wenn es viele nicht glauben wollen oder koennen. Die Rasenfrage spielt eine ganz entscheidende Rolle ausserdem spielt die Religionszugehoerigkeit eine weitere entscheidende Rolle. Der Rassismus ist so praesent wie er vor 50 Jahren war, nur mnicht mehr so offen zur Schau gestellt und er ist inzwischen in weiten Teilen der Suedstaaten revers. Zeigt sich Obama zu weiss, was auch elitaer sein kann verliert er viele der schwarzen Waehler, die waehlen dann zwar nicht Republikanisch, sondern gehen nicht zur Wahl. Zeigt er sich zu schwarz, hat er keine Chance bei der weissen Mittelschicht, welche die Wahl entscheidet. In den letzten Debatten mit Hillary war Obama arrogant im Zeichen des sicheren Sieges gegen sie und es wird sicher auch entscheident sein wie er mit dem aktuellen Umfragevorsprung umgeht. McCain punktet ohne einen Ton zu sagen genau da wo Obama kaempfen muss. Als Kriegsheld ist er einfach populaer und wenn er keine weiteren entscheidenden Fehler macht wie sein Taktieren in den letzten 3 Tagen, hat er alle konservativen Waehler hinter sich. Fuer Spannung ist gesorgt. In wie weit Sarah Palin eine Rolle spielen wird, erwarte ich mit Spannung, denn bisher konnte sie den allergroessten Bloedsinn loslassen und ihre Bewunderer haben immer noch etwas positives daran gefunden.
keynsozi (26.09.2008, 23:43 Uhr)
Der Moment, der Präsidenten macht: Eine gute, wahrheitsgemäße Schilderung
Die kritische Finanzsituation in den USA ist ein guter Anlass für beide
Präsidentschaftskandidaten, vor den Kameras der Fernsehsender klar zu stellen, wo ihre Prioritäten liegen.
Sie werden sich beide voraussichtlich nicht sonderlich wohl in ihrer Haut fühlen, denn ihre beiden Parteien haben sich, was die Finanzlage der USA betrifft, nicht eben mit Ruhm bekleckert. Kongress und Senat haben mit ihrer Arbeit in letzter Zeit die niedrigste Zustimmungsrate der Bevölkerung seit langem. Selten zuvor war die Möglichkeit einer dramatischen Entwicklung auf finanziellem, sicherheitspolitischem und auch militärischem Gebiet so groß wie in diesen Tagen.
Aber die Präsidentschaftskandidaten sind nicht die einzigen, die sich in dieser Situation unwohl fühlen. Das Unbehagen geht durch das ganze Land. Und weder Obama noch McCain sind mit ihren bisherigen Äußerungen überzeugend genug gewesen, um den Amerikanern wirkliche Zuversicht einzuflößen.
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