12. Oktober 2012, 06:26 Uhr

Ein "Haufen Schwachsinn" und ein ironisches Lächeln

Joe Biden gibt sich souveräner als sein Boss: Im TV-Duell gegen Republikaner Paul Ryan macht Obamas Vize Boden gut. Er wirkte aggressiv und angriffslustig, ließ sich aber zu einem Fehler hinreißen.

Harter Schlagabtausch bei der TV-Debatte der Vize-Kandidaten im US-Präsidentschaftswahlkampf: Beim Thema Arbeitslosigkeit und Nahost-Politik lieferten sich Vize-Präsident Joe Biden und sein republikanischer Gegenpart Paul Ryan scharfe Wortgefechte. Dabei warf Ryan Präsident Barack Obama Versagen vor, sowohl innen- wie außenpolitisch. "Der Präsident hatte seine Chance... Es hat nicht funktioniert", sagte der 42-Jährige.

Biden konterte: Unter einem Präsidenten Mitt Romney würden Reiche immer reicher. Dagegen werde sich die Regierung Obama "voll und ganz der Mittelschicht widmen". Biden wirkte in dem eineinhalbstündigen Rededuell deutlich aggressiver und angriffslustiger - mitunter aber durch sein ironisches Lächeln auch überheblich.

"Was für ein Haufen Schwachsinn …"

Die Redeschlacht am Donnerstagabend (Ortszeit) war wesentlich lebhafter als die Debatte zwischen Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney vor einer Woche. Der 69-jährige Biden - ein erfahrener Debattenredner mit dem Hang zu sarkastischen Ausbrüchen - setzte den 42 Jahre alten Kongressabgeordneten Ryan vor allem in außenpolitischen Fragen unter Druck.

Die Ausführungen Ryans zum Thema Libyen und Nahost kritisierte Biden scharf: "Was für ein Haufen Schwachsinn... Nicht ein einziges Wort daran ist wahr." Zudem hielt er den Republikanern vor, die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm zu übertreiben. "Was für ein loses Gerede", sagte Biden. Der Iran sei noch ein gutes Stück vom Atomwaffenbesitz entfernt.

Verglichen mit seinem Vize hatte Obama vor einer Woche einen eher schwachen und müden Eindruck gemacht. Romney war als klarer Sieger aus der Debatte hervorgegangen und verzeichnete seitdem in Umfragen deutlich steigende Popularitätswerte. Alles deutet derzeit auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Wahl am 6. November hin.

Kein eindeutiger Sieger

Ryan warf Biden vor, die Regierung habe in vier Jahren keinen echten Aufschwung geschaffen. Es gebe 23 Millionen Arbeitslose. "Wir gehen in die falsche Richtung... So sieht kein echter Aufschwung aus." Biden konterte, die Steuerpläne der Republikaner begünstigten die Reichen und schadeten den Durchschnittsamerikanern. Außerdem weigerten sich Romney und Ryan, ehrlich zu sagen, wo sie sparen wollten.

Beide Kontrahenten waren vor allem anfangs sichtlich nervös und versprachen sich mehrfach. Kommentatoren wiesen darauf hin, dass Biden seinen Kontrahenten häufig unterbrach und ein demonstrativ breites Lächeln aufsetzte, wenn der Jüngere sprach. Weder Biden noch Ryan leisten sich aber echte Patzer. Es gab auch keinen eindeutigen Sieger oder Verlierer der Debatte. Die nächste Redeschlacht zwischen Obama und Romney findet am 16. Oktober statt. Obama hatte bereits angekündigt, dass er seinen Gegner dann deutlich beherzter als beim letzten Mal angehen will. Der dritte und letzte Debattentermin ist der 22. Oktober.

swd/DPA
 
 
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