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3. Mai 2007, 06:42 Uhr

Passionaria gegen Staatsmann

Am Anfang war wenig Überraschung. Doch als sich die beiden französischen Präsidentschaftskandidaten Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy im TV-Duell warm diskutiert hatten, ging es heftig zur Sache - und einige Äußerungen ließen tief blicken. Von Astrid Mayer

Die Sozialistin Ségolène Royal kurz vor dem TV-Duell gegen Nicolas Sarkozy© Thomas Coex/AFP

20 Prozent der französischen Wähler sind noch unentschlossen, welchem der beiden Kandidaten sie ihre Stimme geben - das Fernsehduell von Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy wurde also mit großer Spannung erwartet. Die beiden Kontrahenten überzogen die zweistündige Sendezeit um eine halbe Stunde - Royal staunte nicht schlecht, als der Moderator ihr sagte, wie viel Zeit schon vergangen sei und auch die Fernsehzuschauer dürften sich nicht gelangweilt haben: Sie folgten einer politischen Debatte, die zeitweise Niveau hatte und erlebten zwei Politiker, die immer wieder bei emotional aufgeladenen Auseinandersetzungen heftig aneinander rasselten.

Mit festem Blick und immer mit vollen Namen ansprechend

Welches Image Sarkozy und Royal jeweils anstrebten, war sofort klar: Während er, der für seine Ausfälle und seine Unbeherrschtheit berüchtigt ist, den besonnenen, kompromissbereiten Staatsmann mimte, griff sie ihren Widersacher sofort an, mit festem Blick und immer mit vollen Namen ansprechend. Royals Ziel war eindeutig: Kompetenz beweisen. Denn sie hat vor allem das Problem, ihr Programm sehr spät formuliert zu haben, weswegen ihr vorgeworfen wird, sie habe keine klaren politischen Ziele.

Die am heftigsten umstrittenen Themen waren die innere Sicherheit, die 35-Stunden-Woche und die Finanzierung der Renten. Die beiden Moderatoren hatten kaum eine Chance, ihre Vorgaben gegen die heftig diskutierenden Kontrahenten durchzusetzen, von denen jeder das letzte Wort haben wollte. Die Positionen waren bekannt, es gab kaum Überraschungen. Die Franzosen, die gehofft hatten, dass die beiden über eine Politik jenseits der klassischen rechts-links-Schemata sprechen würden - die eigentlich beide propagieren - wurden enttäuscht.

Mit zunehmender Lockerheit der beiden Kandidaten wurde die Debatte aber spannender - und ab und zu fielen sie doch aus ihren mühsam einstudierten Rollen. Nicolas Sarkozy war sehr darum bemüht, Respekt und Gelassenheit zu zeigen, und ließ keine Gelegenheit aus, sich gekränkt oder überfahren zu zeigen, wenn Royal ihn angriff oder unterbrach. Sarkozy verhaspelte sich aber sehr, als er versicherte, er sei sehr interessiert an Royals Standpunkten. Natürlicher besser: sich selbst näher wirkte er, als er sich über Royals Mann lustig machte oder die Lehrer (die mehrheitlich links wählen) als Faulpelze hinstellte.

Diejenige, die Themen und Rhythmus vorgab, war eindeutig Ségolène Royal. Ob sie sich damit einen Gefallen getan hat? In ihrem Wahlkampf betont sie oft, wie viel Wert sie auf Zuhören und Ausgleich legt. Und das waren während ihres Fernsehauftritts definitiv nicht ihre Stärken. Der emotionale Höhepunkt des Schlagabtauschs war zweifellos der Moment, in dem es um die Eingliederung behinderter Kinder in die Regelschule ging. Royal warf Sarkozy vor, ein Heuchler und Lügner zu sein, nachdem der Konservative die Eingliederung dieser Kinder als Ziel genannt hatte, weil er die Stellen, die Royal für eben diese Eingliederung als Erziehungsministerin geschaffen hatte, später wieder streichen ließ.

Gegnerin empört zurecht gewiesen

Sarkozy ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, seine empörte Gegnerin zu recht zu weisen: Ein Staatspräsident könne sich nicht erlauben, seine Emotionen so wenig im Griff zu haben. Ein Argument, das er während des Wahlkampfs zur Genüge gehört hat - gegen ihn gerichtet allerdings. Es war ein Moment, in dem sich die unterschiedlichen Politik-Auffassungen der Gegner klar zeigten: Zorn auf soziale Ungerechtigkeiten und die Revolte dagegen, so Royal, sei für sie ein wesentlicher Bestandteil der Politik.

Ob die Debatte die zweifelnden Wähler erhellt hat, ist zweifelhaft. Einen Sieger hat es nicht gegeben. Die Anhänger Sarkozys fanden ihn am Überzeugendsten, während Royals Anhänger von ihrem Auftritt begeistert waren. Die Wahl am Sonntag bleibt spannend.

Von Astrid Mayer
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
BELVEN (05.05.2007, 16:34 Uhr)
Es darf nicht zugelassen werden, dass
Es darf natürlich nicvht zugelassen werden, dass:
1.Frau Ségolène alle Europa-Pläne von Frau Merkel kontrekarriert: ohne Referendum wird es keinerlei neue Taschenspielertricks bei der EU-Verfassdung oder Grundvetrag geben.
2.Es müssen die Grundlagen für ein SOZIALES Europa gelegt werden.
3.Arbeit muss neu bewertet werden, denn Arbeit ist nicht Arbeit, wenn man das Hinaufsetzen auf 67 Jahre betrachtet.
Das sind ganz neue Ideen, die von den meisten unserer wesdtlichen Herrschenden verpönt werden.
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