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12. September 2008, 09:56 Uhr

Palin mogelt sich durch

Keine großen Patzer, aber viel Gewackel: Sarah Palin hat ihr erstes TV-Interview seit ihrer Nominierung als Vizekandidatin überstanden. Doch bei Fragen zu Terrorismus, Russland und dem Irak wusste sie nicht zu überzeugen. Eine Schwachstelle, die ihr noch schaden könnte. Von Matthias B. Krause, New York

Ein erster Test: Die Vizekandidatin der Republikaner, Sarah Palin, stellte sich ihrem ersten großen TV-Interview© Tim Shaffer/REUTERS

Der Interviewer scharrte sichtlich unzufrieden mit den Füßen, zog bisweilen ungläubig die Augenbraue hoch und einmal entfuhr ihm gar das Wort „Anmaßung“. Doch Sarah Palin ließ sich nicht beirren. Die Schultern im schokoladenbraunen Jacket nach vorne geschoben, das Kinn vorgestreckt, die Hände zu Hilfe nehmend, die Beine fest übereinandergeschlagen redete und redete die Frau, die Republikaner John McCain als Vizepräsidentin im Weißen Haus sehen will. Natürlich wussten alle Beteiligten, was auf dem Spiel stand.

Palin, 44, musste in ihrem ersten Gespräch mit einem Journalisten seit ihrer Berufung vor zwei Wochen beweisen, dass sie mehr ist als eine Luftnummer, ein billiger Polit-Trick, um die republikanische Basis zu begeistern. Und Charles Gibson, der ABC-Nachrichtenmoderator, dem die Republikaner das Exklusivinterview gewährten, weil er auf dem Parteitag in St. Paul vor einer Woche McCain mit Samthandschuhen angefasst hatte, musste zeigen, dass er auch hart nachfassen kann.

Nicht zu hart natürlich, denn dann würden die Republikaner wieder „Sexismus“ schreien, so wie sie es mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama getan hatten. Oder sie würden ihn „elitär“ schimpfen. In dem ersten Teil, den ABC am Donnerstagabend ausstrahlte, zog sich Palin glimpflich aus der Affäre. Zwei Tage lang hatte McCains Wahlkampfteam sie intensiv gebrieft – und das zeigte sich. Palin trat auf wie eine Abiturientin zur Prüfung. Wenn sie eine Gelegenheit fand, die „Talking Points“ unterzubrigen, die sie ihr mit auf den Weg gegeben hatten, hellte sich ihre Miene auf und sie klang, als gebe sie etwas wieder, das sie in der Nacht zuvor im Lehrbuch gelesen hatte. Wenn sie nicht weiter wusste, griff sie zu dem Trick, den alle kennen, die mehr als eine mündliche Prüfung hinter sich gebracht haben: Sie redete und redete und versuchte am Gesichtsausdruck ihres Gegenübers abzulesen, wann sie die richtigen Stichworte fallen ließ.

Nur wenig außenpolitische Erfahrung

„Ich gehe hier gerade in einem Blizzard der Worte unter“, knurrte Gibson an einem Punkt leicht genervt, „war das jetzt ein Ja?“ Er hatte von Palin wissen wollen, ob die amerikanische Regierung in ihren Augen das Recht habe, gegen islamische Terroristen im Grenzland zwischen Afghanistan und Pakistan vorzugehen, ohne sich von der Regierung in Islamabad eine Erlaubnis einzuholen. „Wir dürfen nicht zögern, Charlie, diese harten Entscheidungen zu treffen“, hatte Palin geantwortet. Auf die Nachfrage hin sagte sie noch zwei Mal: „Alle Optionen müssen auf dem Tisch sein.“ Zu einem Ja oder einem Nein mochte sie sich nicht durchringen.

Wirklich eindeutig war die Frau, die seit 20 Monaten Gouverneurin von Alaska ist und zuvor Bürgermeisterin einer Kleinstadt war, nur am Anfang des Interviews. Gefragt, ob sie Amerika in die Augen blicken und sagen könne, sie sei befähigt, notfalls auch die Präsidentschaft zu übernehmen, antwortete sie: „Ja, Charlie. Ich bin bereit.“ Als anmaßend mochte sie das nicht empfinden: „Man kann nicht zögern, man muss in einer besonderen Weise gestrickt sein, um sich so für die Mission einzusetzen. Die Mission, auf der wir sind, die Reform dieses Landes und der Sieg in dem Krieg. Man kann nicht zögern.“ Als Gibson weiterbohrte, gab sie zu, noch nie ein Staatsoberhaupt getroffen zu haben. Gereist sei sie bislang nur nach Kanada und Mexiko und dann im Frühjahr, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Reisepass bekam, nach Kuwait und nach Deutschland, um die amerikanischen Truppen zu besuchen. Der Trip habe ihr Leben verändert.

Palin glaubt an einen Plan Gottes

Immerhin erreichte Palin mit ihrem Sturm der Worte, dass es schwierig war, daraus eine knackige Schlagzeile zu stricken. ABC pries das Exklusiv-Interview zunächst mit der Aussage an, Palin sei bereit, gegen Russland in den Krieg zu ziehen. Dabei hatte sie nur dafür plädiert, die Ukraine und Georgien in die Nato aufzunehmen und dann eingestanden, dass die USA laut Nato-Doktrin diesen Ländern zur Seite stehen müsse, falls Moskau sie angreife. Das hatte sie gut gelernt, dafür wusste sie nichts mit Gibsons Frage nach der „Bush-Doktrin“ anzufangen. Sie schob ihr Kinn nach vorne, blickte ihrem Gegenüber noch fester in die Augen und versuchte es mit einer Gegenfrage. Als das nicht funktionierte, brabbelte sie irgendetwas vom Krieg gegen den Terrorismus, den man besser machen könne, als das Präsident George W. Bush bislang getan habe - bis Gibson sie endlich aufklärte. Er habe die Festlegung des Präsidenten gemeint, einen präventiven Krieg zu führen, falls das Land bedroht sei.

Eine andere heikle Frage war die nach ihrem Auftritt in ihrer Kirche, in dem sie den Irak-Krieg als „eine Aufgabe Gottes“ bezeichnet hatte. Zuerst versuchte sie sich herauszuwinden, dann behauptete sie, Abraham Lincoln zitiert zu haben. „Also gibt es einen Plan Gottes?“, fragte Gibson. Palin antwortete wiederum mit einem Schwall von Worten, nicht immer zusammenhängend, aber mit fester Stimme vorgetragen: „Ich glaube, es gibt einen Plan für diese Welt, und dieser Plan ist für immer. Ich glaube, es gibt große Hoffung und großes Potential für jedes Land, in der Lage zu sein zu leben und geschützt zu sein mit unveräußerbaren Rechten, von denen ich glaube, sie sind Gott-gegeben, Charlie. Und ich glaube, dass dies die Rechte auf Leben und Freiheit und das Streben nach Glück sind.“

Am Ende bekam jeder, was er wollte. Palins Kritiker durften sich bestätigt sehen, dass es sich bei ihr um ein politisches Leichtgewicht handelt. Ihre Fans bescheinigten ihr, keine großen Fehler gemacht zu haben. Gibson, wäre er tatsächlich ein Prüfer, hätte vielleicht eine 4+ vergeben. Oder eine 3-. Das reicht angesichts der Euphorie an der Basis auf jeden Fall, um weiter mit Macht das Amt anzustreben, für das sie McCain nominierte.

Von Matthias B. Krause, New York
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
J.Stahl (14.09.2008, 23:28 Uhr)
achja
und die armen armen indianer leiden schon lange nicht mehr ich kenne ein paar die leben ein gutes leben und sind schon lange im jahr 2008 angekommen
J.Stahl (14.09.2008, 23:27 Uhr)
albundy
sowas konnte ja nur von ihnen kommen...wieso menschen wie ich?was meinen sie damit?zufällig bin ich deutsche staatsbürgerin und habe genauso ein recht dort zu sein wie sie.ich möchte gerne wissen wo in meinem kommentar ich weinerlich war.ich liebe den ort an dem ich jetzt lebe da ich hier die bessere zukunft für mein kind sehe.aber eine frau aus dem mittelalter wie diese palin beobachte ich mit sorge.sie schmeißt amerika zurück ins 18.jahrhundert.ich weiß schon warum sie was gegen obama haben...immer diese namensspielchen.wenn man mit ein paar buchstaben spielt kann man aus jedem namen was böses machen.mir ist ein päsident lieber der weiß wie es ist nicht mit einem goldenen löffel im mund geboren worden zu sein und eine oma in afrika hat als ein alter an alterschwäche leidender verteran und seine fragwürdige hinterwäldlerin.
ganzbaf (13.09.2008, 09:53 Uhr)
Solange die...

Indianderfrage nicht geklärt ist, würde ich niemanden empfehlen nach USA auszuwandern oder gar Urlaub dort zu machen ;-Ä
Schnaafpaaf (13.09.2008, 08:05 Uhr)
@albundy69: NOMEN EST OMEN
Hat ja lange gedauert, bis endlich jemand in die HUSSEIN - womöglich - noch Verwandschafts - Kiste gegriffen hat. So, so, Ihnen ist JMC/Palin als Bush/Cheney 2.0 reloaded hoch drei also lieber als die Rückkehr der USA zur Vernunft und anerkanntes, nicht unbeliebtes und gefürchtetes Mitglied in der Völkergemeinschaft. Wenn es so kommt, dann gute Nacht! Der liebe Himmel bewahre die Welt vor einem solchen Amerika. Wie war das, Albundy, NOMEN EST OMEN?
albundy69 (13.09.2008, 02:15 Uhr)
@Stahl
Leider dürfen solche Menschen wie Sie zurück nach Deutschland. Aber typisch, kaum treffen Sie hier auf erste Probleme, heisst es "Returning to Germany". gestalten Sie Ihr Leben hier, zeigen Sie, dass Sie etwas können, anstatt weinerlich von "Dtl" zu träumen. Im Übrigen ist mir ein JMC dreimal lieber, als ein Barack HUSSEIN Obama, der sich bislang nicht klar von der "Revenge-Theory" distanziert hat. Barack HUSSEIN Obama, NOMEN EST OMEN ??
J.Stahl (13.09.2008, 01:37 Uhr)
schnaafpaaf
ich kann ihnen nur recht geben.sollte diese rechte abtreibungsgegnerin durch einen früh verstorbenen mccain präsidentin werden werde ich mir das mit der rückkehr nach dtl nochmal überlegen...dagegen ist bayern und die csu geradezu futuristisch...solche leute lösen keine probleme sie sind in sich selbst eines und machen neue
albundy69 (12.09.2008, 22:27 Uhr)
Onkel Erwin, geh noch einen saufen !
--
onkel.erwin (12.09.2008, 15:36 Uhr)
Was ich nicht glauben kann,
ist, dass an dieser Stelle allen Ernstes über diese Präsidialclowns und amerikanischen HansWurst-Ideologen nach Für und Wider diskutiert wird. Hat man immer noch nicht begriffen, dass es beim US-Wahlkampf nicht um politische Inhalte, sondern um öffentlichkeitswirksame Comic-Charaktere, maximal um anderen Führungsstil, geht? Andere weltpolitische, landespolitische Inhalte sind von diesen substanzlosen Marionetten des Großkapitals doch nicht ernsthaft zu erwarten, von den Veranstaltern dieses abartigen Zirkus auch nicht beabsichtigt. Die Frage kann nur lauten, welche dieser Figuren den größeren Unterhaltungswert für die Öffentlichkeit besitzt. Das ist reine Geschmackssache.
albundy69 (12.09.2008, 15:21 Uhr)
JOHANN HAT RECHT !
Soccer- und HockeyMums sind der amerikanische Durchschnitt, diese Menschen gilt es zu gewinnen, nicht die Schicht der Joe Birdens, Clinton-Liars und We-first-Kennedys ! Es sind die Familien deren Söhne und Töcher Dienst für das Land tun und taten (Old Mc Cain, Young Mc Cain und die Hockey-Mum Palin, die sich jetzt auch noch mit dem Problem Teeny-Schwangerschaft, wie so viele Americans herumschlagen dürfen). Während Birden-Clinton-Kennedy Strategien für das 23. Jahrhundert erdenken und Barack Hussein Obama vorschicken, sind es Menschen wie JMC und Sarah Palin, die die Probleme des 21. Jahrhunderts lösen !!!
Schnaafpaaf (12.09.2008, 15:07 Uhr)
Ich probier`s nochmal:
Britney Spears wäre auch für das Amt geeignet gewesen: geschiedene 2-fache Mutter, als Jungfrau in die Ehe, Drogen-Entzug derzeit anhaltend (welche Familie ist schon perfekt?) und kann überzeugend und zu jedem Anlass das amerikanische Glaubensbekenntnis "Ooooh my God!" von sich geben. Reicht doch als Qualifikation, oder?
Na, Admins, wieder löschen?
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