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Putin: "Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen ein"

Putin soll EU-Kommissionschef Barroso am Telefon gedroht haben und Kiew spricht vom "Großen Krieg". Ein Rückblick auf die Ereignisse des Tages in der Ukraine-Krise im stern-Newsticker.

Russlands Präsident Wladimir Putin will eine angemessene Sanktionsdebatte. Sonst wird er seine Muskeln spielen lassen, wi er in einem Telefonat mit Barroso androht

Russlands Präsident Wladimir Putin will eine angemessene Sanktionsdebatte. Sonst wird er seine Muskeln spielen lassen, wi er in einem Telefonat mit Barroso androht

+++ 21.22 Uhr: Russland kritisiert Äußerung über "Großen Krieg" +++

Russland verurteilt scharfe Worte des ukrainischen Verteidigungsministers Waleri Geletej als "Provokation". Das Außenministerium in Moskau teilt mit, Russland sei schockiert und es sei nicht verständlich, wie Zehntausende ukrainische Familien dem Militär ihre Söhne überlassen könnten.

Geletej hatte vom Ende der "Anti-Terror-Operation" gegen prorussische Separatisten und vom Beginn eines "großen Vaterländischen Kriegs" der Ukraine gesprochen, bei dem Zehntausende umkommen könnten. Der Minister hatte einen Krieg angekündigt, "den Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen" habe.

+++ 21.18 Uhr: Klitschko fordert deutsche Militärausrüstung +++

Kiews Bürgermeister Wladimir Klitschko appelliert an die Bundesregierung, die ukrainische Armee mit militärischer Ausrüstung zu beliefern. Die Führung in Kiew bitte seit drei Monaten bei den Nato-Staaten bislang vergeblich um Unterstützung, schreibt der frühere Boxweltmeister in einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung. Gefragt seien nicht Raketenwerfer und Gewehre, wie sie die Bundesregierung jetzt den nordirakischen Kurden schicke, sondern Schutzhelme und Westen. "Es geht darum, dass die ukrainischen Soldaten in ihrem Kampf gegen Separatisten besser geschützt werden."

Europa müsse endlich verstehen, dass es längst nicht mehr allein um die Ukraine gehe, schreibt Klitschko. Die Armee verteidige nicht nur die Ukraine, sondern Europa und seine Werte. "Denn wenn (der russische Präsident Wladimir ) Putin das bekommt, was er will, dann wird die nächste Frage sein: Welches Land ist als nächstes dran?" Die Bitte aus Kiew auch nach Waffenlieferungen wurde von deutscher Seite bislang abgeschlagen.

+++ 18.00 Uhr: Putin droht Barroso +++

Wladimir Putin liebt die Provokation. Am vergangenen Samstag auf dem EU-Gipfel berichtete José Manuel Barroso den Staats- und Regierungschefs, dass der russische Präsident ihm am Telefon unverhohlen mitgeteilt habe: "Wenn ich wollte, könnte ich in zwei Wochen Kiew einnehmen." Die italienische Zeitung "La Republica" berichtete über die Episode, die "Spiegel Online" auch von einem Diplomaten bestätigt wurde.

Eigentlich wollte Barroso Putin zur Rede stellen, ihn in die Schranken weisen und auf die russischen Soldaten in der Ukraine reagieren. Doch Putin lässt sich durch harte Worte nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil, er reagiert barsch und zeigt, dass man ihn mit Sanktionen gegen Russland nicht vergrämen sollte.

+++ 16.16 Uhr: Kiew sieht "großen Krieg" mit Russland +++

Zwischen der Ukraine und Russland ist nach den Worten des ukrainischen Verteidigungsministerrs Waleri Geletej ein "großer Krieg" ausgebrochen, in dem zehntausende Tote zu befürchten sind. "Ein großer Krieg hat unsere Türschwelle erreicht, wie ihn Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat", schreibt Geletej auf seiner Facebook-Seite. "Unglücklicherweise werden die Verluste in solch einem Krieg nicht in hunderten, sondern in tausenden und zehntausenden zu bemessen sein."

+++ 16.14 Uhr: Kiew spricht mit Separatisten in Minsk +++

Nach einem Monat Pause kommt die Ukraine-Kontaktgruppe unter Beteiligung der prorussischen Separatisten in Minsk zusammen. Zwei Unterhändler der Aufständischen aus Donezk und Lugansk sprechen in der weißrussischen Hauptstadt mit der ukrainischen Seite über die Krise. Russland und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vermitteln.

Bislang forderten die Separatisten die Anerkennung eines eigenen Staats "Noworossija" (Neurussland). Vor dem Treffen in Minsk veröffentlichten sie russischen Medien zufolge ein Positionspapier, in dem sie unter anderem verlangen, dass ihren Gebieten ein besonderer Status zugesprochen wird, dass Kiew seinen Militäreinsatz beendet und dass regionale Wahlen abgehalten werden. Überdies fordern sie Straffreiheit für Mitglieder ihrer militanten Gruppen sowie das Recht, selbst Richter und Staatsanwälte bestimmen zu können.

+++ 14.46 Uhr: Gabriel gegen Truppen-Stationierung im Osten +++

Vizekanzler Sigmar Gabriel warnt vor einer größeren Truppen-Stationierung in Osteuropa. "Angesichts der russischen Aggression im Osten und Südosten der Ukraine kann ich die Besorgnis der osteuropäischen Staaten insbesondere im Baltikum und in Polen sehr gut verstehen", erklärt der SPD-Chef in Berlin. "Trotzdem rate ich dringend dazu, einen kühlen Kopf zu behalten." Jetzt die Nato-Russland-Akte zu kündigen und eine dauerhafte Stationierung von Kampftruppen in Osteuropa zu beschließen, berge das Risiko einer weiteren Eskalation.

"Weder Waffenlieferungen an die Ukraine noch Nato-Kampftruppen sind jetzt die richtige Antwort", so Gabriel. "Insbesondere wendet sich die SPD gegen die beginnende Verleumdung der Diplomatie. Die Verächtlichmachung der Diplomatie und der laute Ruf nach hartem Handeln führt in eine gefährliche Sackgasse." Im 100. Jahr des Ersten Weltkriegs habe man gelernt, dass die Vernachlässigung der Diplomatie zum Krieg geführt habe. "Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen."

+++ 14.24 Uhr: Merkel droht Putin weitere Sanktionen an +++

Merkel droht Moskau mit weiteren Sanktionen. "Russland unternimmt den Versuch, bestehende Grenzen unter Androhung oder sogar unter Einsatz von Gewalt zu verschieben", sagt sie in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag. "Es wird immer klarer: Es handelte sich von Anfang nicht um einen Konflikt innerhalb der Ukraine, sondern um eine Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine." Ein solcher Bruch des Völkerrechts dürfe nicht ohne Folgen bleiben, weshalb die EU nun über weitere Strafmaßnahmen berate.

+++ 13.44 Uhr: Nachteile für deutsche Wirtschaft durch Russland-Sanktionen +++

Die geplante Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Russland wird nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Sie habe im CDU-Präsidium am Morgen darauf hingewiesen, "dass das natürlich etwas bedeuten kann auch für deutsche Unternehmen", sagt Merkel nach den Gremiensitzungen in Berlin.

Merkel rechtfertigt den Sanktionsbeschluss mit der "viel größeren Gefahr", die entstehe, wenn in Europa "ohne Folgen" Grenzen verschoben werden könnten. Eine militärische Lösung des Konflikts könne es nicht geben, Russlands Verhalten könne aber auch nicht einfach hingenommen werden.

+++ 13.31 Uhr: Kiew und Moskau einig über neue Gas-Gespräche +++

Russland und die Ukraine haben sich offiziellen Angaben zufolge auf neue Gespräche zur Beilegung ihres Gas-Streits geeinigt. Die Verhandlungen seien für kommenden Samstag angesetzt, sagt der russische Energieminister Alexander Nowak. Es werde noch auf eine Entscheidung der Europäischen Union (EU) gewartet, ob sie ebenfalls einen Vertreter zu den Gesprächen entsende. Wegen des Streits über den Gas-Preis bekommt die Ukraine seit Wochen keinen Brennstoff mehr aus Russland.

+++ 12.29 Uhr: Separatisten schießen erneut Flugzeug ab +++

Prorussische Separatisten haben nach eigener Darstellung erneut ein Kampfflugzeug und zwei Militärhubschrauber abgeschossen. Rund 100 Soldaten seien zudem bei Gefechten in der Region Donezk verletzt oder getötet worden, teilen die Aufständischen russischen Agenturen zufolge mit. Sie behaupten zudem, erstmals im Asowschen Meer zwei Boote der ukrainischen Küstenwache versenkt zu haben.

+++ 11.54 Uhr: Ukrainische Soldaten geben Flughafen von Lugansk auf +++

Nach Kämpfen mit einem russischen Panzerbataillon am Flughafen von Lugansk ziehen sich die ukrainischen Soldaten nach Angaben aus Kiew von dort zurück. Die Soldaten hätten den entsprechenden Befehl zum "geordneten Rückzug" vom Flughafen und aus dem nahe gelegenen Ort Georgijiwka erhalten, sagte Armeesprecher Andrej Lyssenko. In den vergangenen 24 Stunden seien sieben Soldaten getötet worden. Zuvor seien die ukrainischen Truppen unter Artilleriebeschuss russischer Streitkräfte geraten.

+++ 11.00 Uhr: Putin will Sanktionsdebatte mit "gesundem Menschenverstand" +++

Wladimir Putin appelliert an den Westen, sich bei der Diskussion über weitere Sanktionen gegen sein Land vom gesunden Menschenverstand leiten zu lassen. Er hoffe zudem, dass in einer "normalen, zeitgemäßen Art und Weise" miteinander umgegangen werde und keine Seite unter gegenseitigen Strafmaßnahmen leiden müsse, sagte Putin der Nachrichtenagentur Interfax.

Westliche Staaten und die ukrainische Regierung werfen Russland eine militärische Intervention im Osten der Ukraine vor. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) beauftragten deshalb die EU-Kommission auf einem Sondergipfel am Wochenende mit der Vorbereitung neuer Sanktionen gegen Russland und drohten damit, diese binnen einer Woche zu verhängen.

+++ 9.17 Uhr: Schwere Kämpfe am Flughafen Lugansk +++

Die ukrainische Armee liefert sich nach Angaben aus Kiew Kämpfe mit einem russischen Panzerbataillon am Flughafen der umkämpften ostukrainischen Stadt Lugansk. Ukrainische Fallschirmjäger seien im Einsatz, um den Flughafen gegen die russischen Panzer zu verteidigen, teilte der ukrainische Militärsprecher Leonid Matjuchin auf seiner Facebookseite mit.

Der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej hatte am Sonntagabend dem Fernsehsender Inter gesagt, dass russische Truppen in Donezk und Lugansk präsent seien. Es waren die jüngsten Vorwürfe gegen Moskau, direkt militärisch in der Ukraine aktiv zu sein.

+++ 9.11 Uhr: Lawrow strebt Waffenruhe an +++

In den Gesprächen der Ukraine-Kontaktgruppe muss nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow eine sofortige Waffenruhe angestrebt werden. Die ukrainischen Regierungstruppen müssten sich im Osten des Landes von den Stellungen zurückziehen, von denen aus sie zivile Ziele unter Beschuss nehmen könnten, forderte Lawrow. Er warnte vor weiteren Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland. Der Minister fügte hinzu, dass Russland keine Absicht habe, militärisch in der Ukraine zu intervenieren.

+++ 6.40 Uhr: Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in Minsk +++

Heute kommen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk erneut die Mitglieder der Ukraine-Kontaktgruppe zusammen. Knapp zwei Wochen nach dem letzten Gespräch der Vertreter Moskaus und Kiews und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll dieses Mal auch ein Angehöriger der Führung der Separatisten zu den Verhandlungen stoßen. Er rechne aber nicht mit einem Durchbruch, zitierte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass Andrei Purgin, Vize-Ministerpräsident der von den prorussischen Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk. Das Treffen sei "nur ein erster Schritt in den Verhandlungen".

+++ 1.42 Uhr: Steinmeier warnt vor Annexion von Krim-Landbrücke +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnt Russland vor der Annexion einer Landverbindung zur Halbinsel Krim. Russland habe offenbar Versorgungsschwierigkeiten auf der Krim, sagte Steinmeier der "Märkischen Allgemeinen" vom Montag. Der Minister warnte, die Lage im Südosten der Ukraine könnte außer Kontrolle geraten. Es drohe eine "unmittelbare militärische Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland".

mad/kis/DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters

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