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Separatisten kündigen weitere Großoffensive an

Nach dem Eingreifen russischer Truppen in der Ukraine wächst die Sorge vor einer Eskalation. Litauens Staatschefin sieht Russland im Krieg mit Europa. Die Ereignisse in der Rückschau.

  Ukrainische Soldaten fahren in einem gepanzerten Fahrzeug in der Region Donetsk

Ukrainische Soldaten fahren in einem gepanzerten Fahrzeug in der Region Donetsk

+++ 20.10 Uhr: Kontaktgruppe trifft in Minsk zusammen +++

Die Ukraine-Kontaktgruppe trifft am Montag in der weißrussischen Hauptstadt Minsk zusammen. An dem Treffen sollen Vertreter aus Kiew, aus Moskau und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teilnehmen, wie das weißrussische Außenministerium mitteilt. Der Kreml veröffentlicht eine Erklärung, wonach Russlands Präsident Wladimir Putin und sein weißrussischer Kollege Alexander Lukaschenko bei einem Telefonat die Notwendigkeit betonen, dass auch Vertreter aus dem Südosten der Ukraine mit am Tisch sitzen.

+++ 19.35 Uhr: Poroschenko warnt Russland vor "umfassenden Krieg" +++

Petro Poroschenko warnt, dass die Auseinandersetzung mit prorussischen Rebellen in einen "umfassenden Krieg" zu eskalieren droht. Am Rande des EU-Gipfels in Brüssel sagt Poroschenko, dass man sehr nah an dem Punkt sei, an dem es kein Zurück mehr gebe. Trotzdem hoffe er, dass ein trilaterales Treffen von Vertretern der Ukraine, Russlands und der EU am Montag einen Waffenstillstand bringen könne.

+++ 18.52 Uhr: Separatisten kündigen weitere Großoffensive an +++

Die prorussischen Separatisten kündigen eine weitere Großoffensive gegen die Regierungsarmee an. "Wir bereiten eine zweite große Gegenoffensive vor", sagt der Regierungschef der selbsternannten "Volksrepublik Donansk" Alexander Sachartschenko, der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Seine Truppen seien gut ausgerüstet: "Die ukrainische Armee hat viel Ausrüstung, Munition und haufenweise Trophäen zurückgelassen", berichtet Sachartschenko. Binnen 24 Stunden hätten die Separatisten rund 40 Militärfahrzeuge erobert.

Der Kommandant des Freiwilligen-Bataillons "Donbass", das an der Seite der ukrainischen Armee kämpft, Semen Sementschenko, berichtet derweil von einer Abmachung zwischen Rebellen und Regierungstruppen zum Abzug der Truppen aus der Stadt Ilowajsk. Die Soldaten könnten die von Separatisten umzingelte Stadt verlassen, wenn sie ihre Waffen zurückließen.

Die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol bereitet sich auf einen erwarteten Angriff der Separatisten vor. Im Osten der Stadt heben Baufahrzeuge Schützengräben aus, während hunderte Menschen ukrainische Flaggen schwenken und die Staatshymne singen. Rebellenführer Sachartschenko kündigt an, die Stadt werde "in naher Zukunft" von den Rebellen erobert werden.

+++ 17.46 Uhr: Poroschenko bittet EU-Staaten um Waffenlieferungen +++

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bittet beim EU-Sondergipfel in Brüssel den Westen um größere Unterstützung für den Kampf gegen prorussische Separatisten. "Der Präsident rief die EU-Mitgliedsländer auf, der Ukraine militärtechnische Hilfe zur Verfügung zu stellen", heißt es in einer Erklärung des ukrainischen Präsidentenamtes nach einem Treffen Poroschenkos mit Polens Regierungschef Donald Tusk.

Die Forderungen nach Waffenlieferungen sind für den Westen bislang kein Thema. Die ukrainische Führung sei auf Hilfe der EU-Staaten angewiesen, um den Konflikt im Osten des Landes lösen zu können, sagt Poroschenko.

+++ 16.44 Uhr: Gauck mahnt Europa zur Geschlossenheit +++

Bundespräsident Joachim Gauck mahnt Europa zur Geschlossenheit in der Ukraine-Krise. Die täglichen Berichte aus der Ukraine seien sehr besorgniserregend, sagt Gauck in Maastricht bei den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Niederlande. Im Beisein der Staatsoberhäupter der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs erinnert der Bundespräsident an den mutmaßlichen Abschuss einer Passagiermaschine über der Ostukraine am 17. Juli. "In diesen schweren Wochen ist es umso wichtiger, dass wir zusammenstehen, in Europa und in der ganzen westlichen Welt", sagt er. Gemeinsame Werte und Errungenschaften müssten bewahrt werden.

+++ 16.04 Uhr: Litauens Präsidentin: Russland "praktisch im Krieg gegen Europa" +++

Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite sieht Russland "praktisch im Krieg gegen Europa". Russland befinde sich im Kriegszustand gegen die Ukraine, die näher an Europa rücken wolle, sagt Grybauskaite. "Das heißt, Russland ist praktisch im Krieg gegen Europa."

+++ 15.35 Uhr: EU-Gipfel gibt neue Russland-Sanktionen in Auftrag +++

Der EU-Gipfel wird nach Angaben des französischen Präsidenten Francois Hollande neue Sanktionen gegen Russland in Auftrag geben. "Die Entwicklung ist so gravierend, dass der EU-Rat reagieren muss", sagt Hollande in Brüssel. Die EU-Kommission werde nun "sicherlich" beauftragt, weitere Schritte einzuleiten. Auch der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte fordert ein entschlossenes Handeln der Europäer. Es müsse zudem geprüft werden, welchen Effekt die bisherigen Wirtschaftssanktionen auf die russische Wirtschaft hätten.

+++ 13.45 Uhr: Russische Behörden: 130.000 Ukrainer beantragen Flüchtlingsstatus +++

Angesichts der Kämpfe in der Ostukraine haben nach Moskauer Behördenangaben bisher mehr als 130.000 Ukrainer in Russland Flüchtlingsstatus beantragt. Insgesamt hätten sich seit Ausbruch des Konflikts im April rund 820.000 Menschen aus den umkämpften Gebieten Lugansk und Donezk in Russland niedergelassen, teilt die Migrationsbehörde in Moskau mit.

Mehr als 33.000 Menschen beantragten demnach die russische Staatsbürgerschaft. Hunderttausende aus dem Krisengebiet geflohene Ukrainer seien ohne offiziellen Status bei Verwandten in Russland untergekommen, heißt es.

Der russische Zivilschutzminister Wladimir Putschkow teilt mit, dass die Zeltlager für die Flüchtlinge im Gebiet Rostow wegen sinkender Temperaturen nun geschlossen werden müssten. Die Flüchtlinge sollten deshalb in festen Unterkünften untergebracht werden.

+++ 13.42 Uhr: Poroschenko: Tausende ausländische Truppen in Ukraine +++

In der Ukraine sind nach Einschätzung von Staatschef Petro Poroschenko "Tausende ausländische Truppen und Hunderte ausländische Panzer". Das bedeute ein sehr hohes Risiko, nicht nur für die Sicherheit der Ukraine, sondern ganz Europas, sagt Poroschenko.

Nach Erkenntnissen der Nato sind über 1000 russische Soldaten in der Ukraine. Der Staatschef aus Kiew erwartet, dass die EU-Staats- und Regierungschef neue Sanktionen gegen Russland auf den Weg bringen werden. "Die russische Aggression gegen die Ukraine wird nicht ohne europäische Reaktion bleiben."

+++ 13.32 Uhr: EU und Kiew warnen vor Zuspitzung von Konflikt +++

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko warnen vor einer nicht mehr zu stoppenden Zuspitzung des Ukraine-Konflikts. "Wir sind in einer sehr ernsten, dramatischen Lage", sagt Barroso in Brüssel nach Beratungen mit Poroschenko über den Konflikt mit Russland. "Wir könnten eine Situation bekommen, in dem wir einen Punkt erreichen, an dem es keine Umkehr mehr gibt."

+++ 13.25 Uhr: Russischer Politiker nach Recherchen verprügelt +++

Nach Recherchen zum Einsatz russischer Soldaten in der Ukraine ist ein regionaler Abgeordneter der Oppositionspartei Jabloko seiner Partei zufolge verprügelt und verletzt worden. Jabloko teilt mit, Lew Schlosberg sei am Vorabend von drei Unbekannten attackiert worden. Der 51-Jährige habe Verletzungen am Kopf und an den Augen erlitten, er befinde sich im Krankenhaus, sagt seine Ehefrau dem Radiosender Moskauer Echo. Er habe eine Gehirnerschütterung davongetragen und könne sich nicht mehr an den Angriff erinnern.

Schlosberg vertritt Jabloko in der Stadt Pskow, die nordwestlich der Hauptstadt Moskau liegt. Vor einigen Tagen hatte er an der geheim gehaltenen Beisetzung eines Soldaten teilgenommen, der offenbar in der Ukraine getötet worden war. Nach Angaben eines Mitarbeiters schätzen Schlosberg und sein Umfeld, dass aus der Region von Pskow etwa hundert Soldaten in der Ukraine kämpfen. Recherchen sind allerdings schwierig, weil sich die Familien der Soldaten bedeckt halten. "Wem nützt diese Stille?", fragte Schlosberg kürzlich in einer regionalen Tageszeitung.

+++ 13.12 Uhr: Separatisten lassen ukrainische Soldaten frei +++

Die prorussischen Separatisten lassen Dutzende eingekesselte ukrainische Soldaten frei. In Ilowaisk im umkämpften Gebiet Donezk seien die eingeschlossenen Einheiten über spezielle Korridore zu ihren Basislagern zurückgekehrt, teilt der ukrainische Innenminister Arsen Awakow mit. Demnach gab es mehrere Stellen, an denen ukrainische Truppen von militanten Aufständischen umzingelt waren. Die Separatisten berichteten von Hunderten betroffenen Soldaten.

Der "Verteidigungsminister" der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, Wladimir Kononow, betont, dass nur unbewaffnete Kämpfer die Orte ungehindert verlassen könnten. Weil mehrere Uniformierte versucht hätten, sich mit Panzertechnik und Waffen aus ihrer ausweglosen Lage zu befreien, sei es zu neuen Kämpfen mit Toten und Verletzten gekommen.

Der Kommandeur des ukrainischen Bataillons Donbass, Semjon Semjontschenko, sagt, dass viele Soldaten in Gefangenschaft der Separatisten seien. Präsident Petro Poroschenko habe ihn darüber informiert, dass sie ausgetauscht würden gegen russische Soldaten, die in der Stadt Charkow festgehalten würden. Kremlchef Wladimir Putin hatte behauptet, die russischen Militärangehörigen seien versehentlich über die Grenze auf ukrainisches Gebiet gelangt.

+++ 12.47 Uhr: Schwere Angriffe russischer Panzer in Ostukraine +++

Russische Panzer und prorussische Separatisten sind nach ukrainischen Angaben im Osten der Ukraine auf dem Vormarsch. In dem Ort Nowoswitliwka hätten russische Panzer "praktisch jedes Haus zerstört", sagt ein Militärsprecher. Der ukrainische Sicherheitsrat teilt über Twitter mit, Russland setze die "direkte militärische Aggression gegen die Ost-Ukraine" fort. Die Regierung in Moskau hat Vorwürfe zurückgewiesen, ihre Soldaten seien in der Ukraine im Einsatz.

+++ 12.43 Uhr: Experten warnen vor Risiken für Atomanlagen +++

Angesichts der Kämpfe im Osten der Ukraine sehen Experten ein steigendes Risiko für einen atomaren Zwischenfall in dem Land. Die sechs Reaktoren im rund 200 Kilometer von der Kampfzone entfernten Kraftwerk Saporischschja etwa seien lediglich von einer 1,20 Meter dicken Hülle aus Beton umschlossen, die nur den Absturz kleinerer Flugzeuge überstehe, sagt Tobias Münchmeyer, Atomexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Es gebe aber "in der Region viele panzerbrechende Waffen, die diese Hülle durchschlagen können".

Ein Angriff auf die Stromversorgung oder das Stromnetz könne darüber hinaus dazu führen, dass die Kühlung ausfalle und verheerende Folgen einträten, wie das Beispiel des havarierten japanischen Aomkraftwerks Fukushima zeige, sagt Münchmeyer. Zudem seien sämtliche Meiler in der Ukraine russischer Bauart, weshalb auch die Abhängigkeit von russischen Experten und Ersatzteilen groß sei. "Man kann sich vorstellen, dass nötige Lieferungen jetzt ausbleiben".

+++ 12.16 Uhr: Polens Präsident spricht von russischer Invasion +++

Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski bezeichnet das russische Vorgehen in der Ostukraine als Invasion. Europa und die westliche Welt stünden nun vor der Frage, wie darauf effektiv zu reagieren sei, sagt er dem Deutschlandradio Kultur und dem Deutschlandfunk. "Können wir das Russland von Präsident (Wladimir) Putin davon abhalten, neue politische Einflusssphären zu bilden", was die "Wiedererrichtung des russischen Imperiums" bedeuten würde, sagte Komorowski. Es gehe nicht nur um politische Interessen, sondern darum, was aus Europa werde, "ein Europa der Kosaken oder ein demokratisches".

mka/DPA/Reuters/AFP/DPA/Reuters
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