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27. Juni 2008, 08:18 Uhr

Chinas großer Umwelt-Bluff

"Grüne Olympische Spiele" in Peking sind kaum mehr als Propaganda. Chinas Umwelt wird weiterhin verpestet. Nun steuert die Führung behutsam um - denn zu viel Dreck gefährdet ihre Macht. Von Astrid Maier, Peking/Hangzhou

Smog über Peking: China will die Menge der Abgase durch neue Emissionsstandards reduzieren© Adrian Bradshaw/EPA/DPA

Die Berge am Horizont sind schon lange vor den Pekingern da gewesen. Und doch ist es ein Grund für große propagandistische Freude, wenn man die Silhouette, wie an diesem Junitag, vom Stadtzentrum aus sehen kann: "Vor neun Jahren noch hatten wir 100 Tage im Jahr mit blauem Himmel. 2007 waren es bereits 246", sagt Sun Weide, Sprecher des Olympischen Organisationskomitees. Und wenn es so weitergeht, wird es in diesem Jahr noch blauer da oben. Zumindest für das Empfinden der Chinesen. Europäer sehen den Himmel mit anderen Augen. "Es kommt darauf an, was man unter Blau versteht", lästert ein deutscher Manager, der seit sieben Jahren in Peking lebt. "Die Lebensqualität hat sich nicht verbessert."

Noch 41 Tage bis zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Nicht zuletzt mit dem Versprechen "Grüner Spiele" hat Peking den Zuschlag für das Sportereignis ergattert. Und in der Tat, die Spiele werden an vielen Stellen so umweltfreundlich sein, wie man sich das wünschen mag. Doch alles ist nur eine große, grün angestrichene Fassade. Olympia wird kaum etwas verändern, China wird im Dreck weiterleben - bis dieser zu einer Gefahr für die Machthaber wird.

Mit "grünen Hügeln, klarem Wasser, Grasflächen und blauem Himmel" möchten die Machthaber die Gäste begrüßen. "Die Regierung hat über 200 Maßnahmen getroffen", spult Sun Weide seine Botschaften ab. "Wir haben 100 Fabriken geschlossen, seit Mai gelten für Autos Emissionsstandards wie in Deutschland, wir haben die Abgase um 30 Prozent reduziert, die Grünflächen in Peking um mehr als 51 Prozent vergrößert. Es gibt kein Problem. Wer nach Peking kommt, wird es mit eigenen Augen sehen können."

Je näher, desto größer

Vermutlich wird Sun sogar recht behalten. Die Stadt setzt alles daran, zum Start der Spiele ihr grünes Gesicht zu zeigen. Allein für Vorzeigeprojekte wie das Schwimmstadion, bei dem verbrauchtes Wasser wiederverwendet wird und dessen Fassade aus recycelbarem, lichtdurchlässigem Kunststoff besteht, wurden 5,4 Milliarden Dollar investiert. Peking hat sein U-Bahn-Netz erweitert, Schwerindustrie ausgelagert, Busse und Taxis mit Erdgasmotoren umgerüstet, Kohlekessel auf Gas und Strom umgestellt.

Und je näher die Spiele rücken, desto größer der Aktionismus: So dürfen zwischen dem 20. Juli und dem 20. September nur die Hälfte der drei Millionen Autos durch Peking fahren, mal die mit geraden Kennzeichen, mal die mit ungeraden. Bauarbeiten innerhalb des Zentrums müssen ruhen, damit der auf der ganzen Stadt klebende Staub verschwindet. Selbst das Wetter werden die Chinesen austricksen: Sollten Regenwolken den Smog im Tal einkesseln, wird die Regierung künstlichen Regen provozieren. Und so lautet die Frage nicht, ob China umweltfreundliche Spiele ausrichtet. Die Frage ist, ob das Land Olympia nutzen kann, um in der Ökopolitik einen Sprung zu machen. "Ob das Olympische Dorf grün wird oder nicht, macht keinen Unterschied. Diese Maßnahmen müssen in langfristige Projekte über Peking hinaus umgesetzt werden", sagt Lo Sze Ping, Leiter von Greenpeace China.

16 der 20 Städte mit der schlechtesten Luft auf der Welt in China

Und danach sieht es zurzeit nicht aus - daran können auch die knallroten Parolen an den Wänden nichts ändern oder die riesigen Plakate entlang den Autobahnen, die Chinas Umweltschutz im Dienste Olympias preisen. Denn den gibt es vor allem in der Propaganda. Das zeigt schon die Umweltbilanz. Laut Weltbank liegen 16 der 20 Städte mit der schlechtesten Luft auf der Welt in China - 660.000 Menschen sterben dort jährlich an der Luftverschmutzung, so die Weltgesundheitsorganisation, weitere 96.000 an verschmutztem Trinkwasser. 80 Prozent des Mülls und des Abwassers werden nicht entsorgt oder geklärt, Kohlekraftwerke blasen ihre giftigen Abgase über das ganze Land, Betriebe verpesten ganze Dörfer, in denen die Bevölkerung an Krebs erkrankt. Ökonomen rechnen vor, dass die Umweltschäden das Wirtschaftswachstum auffressen. Die Regierung steuert mit Gesetzen gegen - die umso mehr missachtet werden, je weiter die Fabriken von Peking entfernt liegen.

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
LaoLu (30.06.2008, 14:18 Uhr)
Tendenziöser Journalismus
hier ist wieder ein Musterbeispiel.
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China ist ein Schwellenland, ein Land, das sich am Übergang vom Entwicklungsland zur Industrialisierung befindet.
Solche Länder haben logischerweise große Umweltprobleme, weil sie in kürzester Zeit den Rückstand gegenüber der restlichen Welt aufholen wollen, und dabei Einschränkungen zur Schonung der Umwelt weitmöglichst umgehen.
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Was aber in Peking zur Olympiade umweltmäßig verbessert wurde, ist gigantisch.
So wurde die gesamte Großindustrie (bis Ende der 90er beispielsweise sorgte das Stahlwerk am Westende der Chang An regelmäßig für grauen Himmel) dichtgemacht.
Das zeigt sich dann in einer drastischen Steigerung von Tagen mit blauem Himmel, was von der Autorin mit dem „es kommt darauf an, was man unter blau versteht“ eines „seit sieben Jahren in Peking lebenden deutschen Managers“ kommentiert wird.
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Die (ebenfalls in Schwellenländern normale) rapide Zunahme privater Kraftfahrzeuge ist ein weiteres großes Problem in diesem Land.
Zu stark einschränken kann die Regierung diesen Traum von eigenen Auto nicht, das würde zu Unruhen führen.
So wird denn bis zur Olympiade ein 50%iges Fahrverbot ausgesprochen.
Übrigens: Der Liter 93er Super kostet jetzt 6,09 Yuan, das sind knapp 0,60 Euro. Saubillig.
Aber nur, wenn man über ein westliches Einkommen verfügen kann. Das Durchschnittsgehalt eines Chinesen dürfte zwischen 2000 und 5000 Yuan liegen (je nach Wohnort), das wären dann im besten Falle 500 Euro – und da relativiert sich das gewaltig.
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Und dann das Plastiktütenverbot, von Frau Maier als „symbolische Tat“ abqualifiziert: Bis zum 31.Mai wurde man im Supermarkt mit Plastiktüten zugeschmissen. Jede Warengruppe wurde separat verpackt, und so zog man nach einem kleinen Einkauf mit 5 verschiedenen Tüten von hinnen.
Das wurde über Nacht abgestellt, Tüten kosten jetzt Geld, und schon hielt Vernunft Einzug, die Kunden kaufen jetzt eine Tüte, oder tragen alles auf dem Arm, oder sie haben Taschen dabei…
All das kann man als Deutscher nicht wissen. Aber Frau Maier lebt hier, weiß es also, und erzählt ihren Lesern trotzdem solchen Unsinn.
Ach ja, noch was: ich habe den Artikel, der ja am 27.06. erschienen sein soll, erst heute morgen auf Seite 3 der alle_artikel.html entdeckt – und ich achte wirklich aus gegebenem Anlaß auf Berichte über China.
Hatte ich Tomaten auf den Augen, oder habt Ihr da ein wenig dran gedreht???
Reality (29.06.2008, 17:19 Uhr)
Mindestens genauso wichtig wie...
auf die Menschenrechtssituation und deren Verletzung, bezüglich amerikanisch Imperialer
Ansprüche, hinzuweisen.
Es ist verständlich, das Leute nicht über Militärbündnisse informiert sind, da diese so gut wie niemals in den westlich beeinflussten Medien erwähnt werden.
Ich empfehle hierzu:
www.hintergrund.de
Den Artikel dort: "Operation Tibet"
-
M.f.G............
Known (29.06.2008, 16:05 Uhr)
@Reality
"Immerhin gehört China zu selben Militärbündnis wie der Iran und Russland." Welches Militärbündnis wäre denn das? Den Fokus angesichts der Olympischen Spiele auf die Menschenrechtssituation und die katastrophale Umweltpolitik zu lenken ist sicherlich richtig und notwendig.
Reality (29.06.2008, 15:31 Uhr)
Ist das alles was sich schlechtes über China schreiben läßt ?
Es fällt schon auf, je näher man den O - Spielen kommt, liest man in der Mainstream - Presse fast nur ausschließlich negative Zeilen über China.
Warum will man nun derzeit unbedingt dieses Land so mies machen ?
Welche Systematik, fragt sich der Leser, ist dahinter verborgen.?
Besteht ein Zusammenhang mit der geplanten kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Iran ?
Immerhin gehört China zu selben Militärbündnis wie der Iran und Russland.
Der Bericht liest sich wie negative Stimmungsmache.
Habe unlängst das neueste "Merian" Heft gelesen.
"Peking"
Dort wird nicht so negativ berichtet, im Gegenteil, man bekommt das Gefühl, dass China ein Land ist, das durchaus Gegensätze hat, aber auch wirklich reizvolle und sehenswerte Seiten.
Bitte nicht immer alles so negativ darstellen.!
Es wirft sich sonst die Frage auf, welchen Herren Diener er ist.!
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