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27. Oktober 2009, 15:56 Uhr

Ankläger macht Karadzic für Völkermord verantwortlich

Radovan Karadzic soll direkt und persönlich für den Tod Tausender Menschen im Bosnien-Krieg verantwortlich gewesen sein. So sieht es der Staatsanwalt im Völkermord-Prozess gegen den bosnischen Serbenführer. Der Angeklagte selbst setzte seinen Boykott auch am zweiten Prozesstag fort - was für ihn weitreichende Folgen haben könnte.

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Erschien auch am zweiten Prozesstag nicht auf der Anklagebank: Radovan Karadzic© Valerie Kuypers/AP

Der Völkermord-Prozess gegen den ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic ist am Dienstag mit der Eröffnung der Anklage fortgesetzt worden. Dabei warf die Staatsanwaltschaft Karadzic unter anderem direkte und persönliche Verantwortung für den Völkermord an mehr als 7000 muslimischen Männern und Jungen im Sommer 1995 in Srebrenica vor. Karadzic boykottierte den Prozess wie schon bei der Eröffnung am Vortag.

Der Angeklagte sei "ein Mann, der die Kräfte des Nationalismus, des Hasses und der Angst entfachte, um seine Vision eines ethnisch geteilten Bosnien zu verwirklichen", sagte der aus den USA stammende Staatsanwalt Alan Tieger. Die sogenannten ethnischen Säuberungen während des Bosnienkrieges seien nicht dessen Folgen, sondern das von Karadzic und seinen Komplizen in der bosnisch-serbischen Führung angestrebte Ziel der bewaffneten Gewalt gewesen. Dem Krieg fielen von 1992 bis 1995 etwa 100.000 Menschen zum Opfer. Karadzic, der stets alle Vorwürfe zurückgewiesen hatte, droht eine lebenslange Haftstrafe.

Zur Eröffnung des zweiten Prozesstages hatte Richter O-Gon Kwon aus Südkorea erklärt, ungeachtet der Weigerung Karadzics, vor dem Tribunal zu erscheinen, könne das Verfahren mit der Darlegung der Anklage fortgesetzt werden. Zugleich warnte er den Angeklagten, dass dieser sein Recht verlieren werde, sich selbst zu verteidigen, wenn er nicht demnächst wieder an dem Verfahren teilnehme.

Sollte Karadzic auch am kommenden Montag zum dritten Verhandlungstag nicht erscheinen, bleibe dem Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien keine andere Wahl, als einen Pflichtverteidiger für den Angeklagten einzusetzen. Karadzic ist wegen Völkermordes in zwei Fällen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in neun Fällen angeklagt.

DPA/AP
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